Kolumnen
03/20/2020

Der Teddybär hat einen Wasserkopf

"ÜberLeben": Wie ich zum Profi-Hypochonder wurde.

von Guido Tartarotti

Ich bin dann doch kein Arzt geworden. Aber immerhin Hypochonder, das ist so nahe dran wie möglich.

Ich komme ja aus einer Ärzte- und Lehrerfamilie. Als ich ein Kind war, legte man mir also nahe, einmal entweder Arzt oder Lehrer zu werden. Lehrer wurde ich nicht, weil mir das, was meine Eltern, beide Lehrer, über das Schulsystem erzählten, gar nicht gefiel. Es klang schlicht nicht nach einer Veranstaltung, an der man guten Gewissens  teilnehmen möchte, also nicht wesentlich länger als einen die Schulpflicht dazu nötigt.

Und Arzt wollte ich nicht werden, weil meine Großmutter, eine praktische Ärztin, immer berichtete, dass die Menschen grauslich seien. Sie kämen ungewaschen und stinkend zum Arzt, sagte meine Oma. Und da mir die körperliche Nähe anderer Menschen ohnehin unangenehm erschien, ob gewaschen oder nicht, wollte ich mit diesem Beruf nichts zu tun haben. (Allenfalls die Pathologie erschien mir interessant, da reden die Patienten wenigstens nicht soviel.)

Also ergriff ich die Laufbahn des Hypochonders, ausgebildet wurde ich in dieser Kunst schon sehr früh, da meine Großmutter im Familienkreis fast nur über Krankheiten und Todesursachen sprach. Eines der ersten Worte, die ich als Kind lernte, war „Pankreaskrebs“, allerdings verstand ich irrtümlich „Pangasiuskrebs“, und dabei wusste ich damals noch nicht einmal, dass der Pangasius ein grauslicher, fetter Fisch ist, der im Schlamm lebt und sich von Abfall und Fäkalien ernährt und auch so schmeckt.

Ich erinnere mich noch, dass ich als Kind meine Oma einmal bat, zusammen mit mir mit meinem Teddybären zu spielen. Meine Oma holte ihre Arzttasche, hörte die Brust des Teddys ab, maß sein Fieber und sagte dann, der Teddy habe einen Wasserkopf und müsse operiert werden. Dann  stach sie in seinen Kopf, um das Wasser abzulassen, und ziemlich genau in diesem Augenblick wurde der Grundstein für eine lebenslange Hypochonder-Karriere gelegt.

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