Über den Tellerrand
01/07/2022

Campen in der Stadt? Das kann doch nicht dein Ernst sein!

Wieso es besser sein soll, ein Zelt in einer Stadt aufzuschlagen, als im Zug zu schlafen, muss mir erst wer erklären.

von Axel Halbhuber

In der Skiurlaubsrunde (im steirischen Lachtal, das man besonders mit Biszwölfjährigen als Skigebiet wirklich nur empfehlen kann) entsponn sich eine Debatte über das Reisen. Hüttenszenen (Trainingshose, Rotwein, Kachelofenwärme) fördern ja das Innerste aus den Menschen zutage, da wird jede und jeder grundehrlich.

Dabei sinnierten zwei Mittvierziger, von denen einer der Autor dieser Zeilen sein könnte, über ihr Interrailabenteuer von damals. Ein fastneunjähriger Sohn, dessen Vater der Autor dieser Zeilen sein könnte, wollte partout nicht Feuer beim Vorschlag fangen, dass „wir das doch mal gemeinsam wiederholen könnten“. Aber wie das so beim Sinnieren über Jugendabenteuer ist, ließen die Mittvierziger nicht zu, auch die wirklich unbedeutendste Anekdote vom Juli 1997 unerzählt zu lassen.

Halb Europa im Zug

Unter anderem, dass sie zwischen Wien – München – Berlin – Amsterdam – Hamburg – Kopenhagen – Roskilde – Stockholm – Oslo – Bergen – Newcastle – London – Calais – Paris – Saint-Malo – Perpignan – Barcelona – El Masnou – Mailand – Venedig – Balaton – Wien möglichst immer im Zug geschlafen haben. Die Städte haben sie tagsüber angeschaut (oder nachts, wenn es der Fahrplan nicht anders zuließ). Plötzlich warf einer der Rotweinschlürfer ein: „Ihr hättet ein Zelt mitnehmen sollen.“ Das sei die perfekte Art, in Städten zu übernachten.

Und da möchte ich, der ich wirklich fast allen Reisearten gegenüber aufgeschlossen bin (sogar All-inclusive-Clubs), klarstellen: Das ist eine Schnapsidee! In einer Stadt muss man zentral wohnen, um ihren speziellen urbanen Charakter zu inhalieren. Wenn man beispielsweise Wien anschauen will und dann auf dem Campingplatz da draußen bei Hütteldorf seine Nächte fristet, hat man am Schluss von Wien nichts verstanden.

Im Übrigen wäre ich für sachdienliche Hinweise dankbar, wie man einen Fastneunjährigen zum gemeinsamen Zugabenteuer durch Europa überreden kann.

axel.halbhuber@kurier.at

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