Der Steinbruch und die Frauen
Mirjam (Renée Gallo-Daniel) erzählt die Geschichte Jesu neu.
Eine Kindheit im Burgenland der 1970-er Jahre war beschaulich, keine Hochschaubahnfahrt, eher ein Dahingezuckle mit der Märchenbahn. Das lag auch daran, dass es im ganzen Land keine Hochschaubahn gab: Der „Götterblitz“ im „Familypark“ St. Margarethen war noch lange nicht gebaut. Der Familypark hieß damals übrigens „Märchenwald“ und führte ein Hinter-den-sieben-Bergen-Dasein.
Dennoch hinterließ St. Margarethen bei mir einen Eindruck, der weit über ein Hochschaubahnerlebnis hinausging: Meine Oma nahm mich mit zu den Passionsspielen im Steinbruch.
Das Spiel der unzähligen Laiendarsteller war so leidenschaftlich, die Naturkulisse so authentisch, dass ich dachte, ich wäre in meine Kinderbibel gefallen. Und als am Ende ein Donner-Blitz-Unwetter die Zuschauer aufgeregt flüchten ließ, wirkte das wie eine logische Fortsetzung, so sehr fühlte ich mich als Teil dieser Inszenierung.
Passionsspiele ab Samstag
Am Samstag beginnen die heurigen Passionsspiele – im 100. Jahr seit der ersten Aufführung. Bis 12. Juli werden wieder Hunderte Laiendarsteller die Bibel auferstehen lassen – und diesmal aus einem längst fälligen Blickwinkel, dem der Maria Magdalena, die im Mittelpunkt der Neuinszenierung steht.
Gespielt wird jeden Samstag, jeden Sonntag und am Donnerstag, 4. Juni (Fronleichnam).
Der Steinbruch ist immer faszinierend. Mit seinen fossilen Funden, den Skulpturen, aber auch den Wiener Ringstraßenbauten und Kirchen, die aus seinem Kalksandstein errichtet wurden, erzählt er Geschichte, weit über das Land hinaus.
Eine ganz besondere, generationenübergreifende Geschichte über den Steinbruch, die Frauen und St. Margarethen erzählt die Autorin Bernadette Németh in ihrem vor Kurzem erschienenen historischen Roman „Im Schatten der Kraniche“ (Wieser Verlag). – Der Steinbruch ist lebendige Geschichte, in vielerlei Hinsicht. Und die Passionsspiele, die dort alle fünf Jahre auferstehen, sind ein wesentlicher Teil davon.
Kommentare