Die Zwei-Welten-Theorie
Burgenland, Südliches, Nördliches, Seewinkel: Warum sich ein regionaler Begriff nie durchgesetzt hat und was dahintersteckt.
Dieser Tage fuhr ich vom Südlichen in den Seewinkel. Also vom Bezirk Jennersdorf in den Bezirk Neusiedl am See. Und dabei fiel mir Folgendes auf: Während ich früher, als ich noch im Norden wohnte, ganz selbstverständlich sagte: „Ich fahre ins Südliche“ oder: „Ich fahre ins Mittlere“, kam es mir diesmal nicht in den Sinn, zu sagen: „Ich fahre ins Nördliche.“
Kein Mensch sagt das.
Fährt man „ins Südliche“, begibt man sich in die Bezirke Oberwart, Güssing, Jennersdorf. Fährt man „ins Mittlere“, dann hat man im Bezirk Oberpullendorf zu tun. Nur „ins Nördliche“ fährt man nicht. Und ich wollte wissen, warum das so ist.
Da gibt es einerseits die launige Erklärung des Onkels aus Kaisersdorf (im „Mittleren“), der auf die Frage der Eisenstädter Verwandtschaft, warum er denn nie auf Besuch käme, sagte: „Mei Auto foad nur bis zum Sieggrabener Sattel.“
Andererseits muss es doch eine allgemeine Erklärung geben. Ich fand Folgendes heraus:
Kleines Land, große Distanz
Kein Bundesland ist so deutlich geografisch in Blöcke unterteilt wie das Burgenland. Der Begriff „das Südliche“ gilt als gängiger Eigenname für die hügelig-homogene Region Südburgenland, während sich der Begriff „das Nördliche“ nie durchgesetzt hat. Einerseits weil das Nordburgenland mit Eisenstadt, Leithagebirge, See, Seewinkel ... vielfältiger strukturiert ist. Andererseits, weil sich der Norden eher durch Zentren definiert, da er historisch stärker an Wien orientiert ist.
Am Ende fand ich noch die Erklärung: „Da das Burgenland so lang gestreckt ist, empfinden die Bewohner des Nordens die Fahrt in den Süden als Reise in eine andere Welt und sagen daher: ,Ich fahre ins Südliche’.“ – Sozusagen die „Zwei-Welten-Theorie“ auf engstem Raum.
Am 21. und 22. März bietet sich die beste Gelegenheit, das „Nördliche“ als Region zu erleben: Die Fremdenführer laden ausdrücklich Einheimische ein, Alltagsorte in Halbturn, Eisenstadt, Rust, Donnerskirchen und Purbach (neu) zu entdecken (siehe rechts).
Kommentare