Burgenland der Krimis

Das Burgenland ist eine Grenzerfahrung, nicht nur geografisch.
Birgit Braunrath
Ein Buch, eine Tasse Kaffee – auf dem Schoß einer Frau.

An sich ist das Burgenland verlässlich ereignislos, zumindest da, wo ich lebe. Hinterm Schupfen geht die Sonne auf, hinterm Zwetschkenbaum geht sie unter. Dazwischen ein Kommen und Gehen, Social Media findet hier in der Küche statt. Überall Charakterdarsteller auf der Bühne des Lebens. Ungarn ist nah, oft näher als die Steiermark oder Niederösterreich. Das Burgenland ist eine Grenzerfahrung, nicht nur geografisch.

Das macht es zum perfekten Substrat für skurrile Krimis und schräge Romanfiguren. Jemanden wie die Erna Rohdiebl in Johanna Sebauers Roman „Nincshof“ oder Oma Hilda in Martina Parkers „Gartenkrimis“ kann man erfinden, muss man aber nicht. Es gibt sie längst. So wie Baba Sifkovits, die Mutter von Gruppeninspektor Sifkovits, in Thomas Stipsits’ „Stinatzkrimis“.

Starke Charaktere

Das Burgenland hat im Kleinen große Charaktere hervorgebracht, weil das Leben trotz – oder gerade wegen – der vermeintlichen Ereignislosigkeit hart sein konnte. Und es zieht Menschen an, die ähnlich ausgeprägte Charaktere haben und sich hier zugehörig fühlen.

Die Liste der Autorinnen und Autoren, die sich vom Burgenland und seinen Leuten inspirieren lassen, ist lang: Neben Sebauer, Parker und Stipsits erzählen Christoph Frühwirth, Bernadette Németh, Evelyne Weissenbach, Lukas Pellmann oder Martin Franz Neuberger mörderische Geschichten, die ohne das Burgenland so nie entstanden wären.

In einer Welt, die kopfsteht, genießen wir Burgenländer die Ereignislosigkeit im außen ebenso wie die Spannung in den Burgenland-Krimi-Neuerscheinungen. Und die kann man derzeit auch live erleben:

  • Martina Parker ist mit ihrem neuen „Club der grünen Daumen“-Krimi „Anbandelt“ derzeit auf Tour (martinaparker.com/lesungen).
  • Martin Franz Neuberger präsentiert seinen zweiten Zicksee-Krimi „durstIG“ am 13. 3. bei „Alles Apfel“ in St. Andrä am Zicksee und am 26. 4. im Schloss Potzneusiedl.

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