Wir wollen einen Gurkenkönig!
Tradition der Königinnen floriert, doch für Paradeiser und Paprika gibt es keine Bühne.
Das ist die Krönung. Jedes Jahr im Frühling und Frühsommer tut das Burgenland, was es am besten kann: Es versüßt uns das Dasein mit Kirschen, Erdbeeren und Marillen. Und es feiert sich dafür ausgiebig.
Die süßen Früchte sind schon lange Teil der burgenländischen Identität. Ebenso ihre gekrönten Botschafterinnen, die Publicity garantieren und in ihrer Rolle Früchte (für den Obstbau) tragen. Bereits 1966 hat Donnerskirchen die erste Kirschenkönigin inthronisiert.
Heuer wird am 4. Juli beim „Donnerskirchner Kirschencocktail“ die neue Kirschenkönigin gekrönt (noch regiert Königin Hannah Jenny).
Schon am 6. April wurde am „Kittseer Marillenwandertag“ Leonie I. für drei Jahre zur Marillenkönigin ernannt. Und am 31. Mai bestieg die neue Erdbeerkönigin Ines im Rahmen des „Wiesener Erdbeerfests“ den burgenländischen Erdbeerthron.
Jedem Obst sein Königreich
Ehre, wem Ehre gebührt: Im Burgenland hat jedes Obst sein Königinnenreich und seinen Feiertag. Ganz zu schweigen von den Trauben. Weinfeste gibt es im ganzen Land, und Königin Maria IV. regiert noch bis 2027.
Aber was ist eigentlich mit den Paradeisern? Mit Knoblauch und Kukuruz? Paprika und Pastinaken?
Vor wenigen Tagen kam die Erfolgsmeldung, dass das Burgenland einen wesentlichen Beitrag zu Österreichs Gemüseversorgung leiste (obwohl es zu den kleinsten Bundesländern zählt, liefert es ein Zehntel der österreichischen Produktion).
Und die Qualität ist hervorragend. Jetzt fehlen nur noch die Botschafter und Krönungsfestivitäten. Vom Karottenkirtag bis zur Zwiebelzeremonie könnten die Events reichen. Dort könnte man dem Gemüse endlich die Bühne geben, die es verdient.
In Anlehnung an Christine Nöstlingers Erfolgsbuch „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ soll es ab nun heißen: „Wir wollen einen Gurkenkönig!“ Und einen Paprikaprinzen, Fisolenfürsten, Knoblauchkaiser ...
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