Geschenk mit Folgen: Warum diese Reise ein Fehler war
Zu Weihnachten bekam ich „eine Woche Meer“. Der Lieblingsmann befand, dass mir nach drei Jahren Bauernhof und Apfelsaft eine Dosis Strand und Salzwasser guttäte. Mit dem Geschenk tat er genau das Richtige. Aber manchmal macht man das Richtige und es entpuppt sich als Fehler.
Frisch zurück von „einer Woche Meer“, muss ich sagen: Es war zu schön. Zu schön, um wahr zu sein. Zu schön, um heimzukehren.
Das Paradies, in dem wir seit drei Jahren leben und aus dem wir vor zehn Tagen in Richtung Meer abgereist sind, hat seit der Rückkehr Kratzer. Schweren Herzens fuhren wir los, der Abschied von unseren Obstbäumen, Gemüsepflanzen, Kaulquappen und Jungvögeln fiel uns nicht leicht. Noch schwereren Herzens kehrten wir neun Tage später zurück, zu gern wären wir noch geblieben.
Ich verrate nicht, wo wir waren. Nur so viel: „Eine Woche Meer“ bedeutete, dass ich aussuchen durfte, an welchem Meer wir urlaubten. Ich entschied mich nicht für die Tasmanische See oder die Karibik, sondern für die gute alte Ägäis.
Die Welt geht einem nicht verloren
Und so buchten wir ein winziges Haus am Strand, sicherheitshalber mit einem Obst- und Gemüsegarten, damit der Lieblingsmann sein Zuhause nicht allzu sehr vermissen würde. Es versprach, eine unspektakuläre Woche zu werden, ich stellte mir das schön vor. Dann kamen wir hin, und alles war noch viel schöner, als ich es mir je erträumt hätte.
Ich kannte den Ort vorher nicht, habe nur vor Jahren ein Buch über einen amerikanischen Dichter bekommen, der die letzten 25 Jahre seines Lebens dort verbracht hatte. Damals, beim Lesen dieses Buches, beschloss ich, eines Tages dort „vorbeizuschauen“. Dann vergaß ich das Buch wieder.
Als wir schließlich ins Südburgenland zogen, fiel mir dieses Buch wieder ein. Dankbar, dass Familie und Freunde uns auch in der Ferne die Treue hielten und uns hier besuchten, erinnerte ich mich an den Dichter, der, weit weg der Heimat, ein Einsiedler werden wollte und dann doch ständig Besuch, Ansichtskarten und Briefe aus aller Welt bekam.
Diese Lehre, die ich damals aus dem Buch zog, bewahrheitete sich nun auch für mein Leben: Die Welt geht einem nicht verloren, wenn man sie gut behandelt, und schon gar nicht die Menschen, wenn man sie von Herzen gern hat.
Alleine, aber nie einsam
Deshalb wollte ich nun den Ort kennenlernen, an dem der alte Dichter allein – und doch nie einsam – gelebt hatte. Ich kam dort an und verstand sofort, warum der alte Mann nie wieder wegwollte. Das Licht, die Farben, das Meer ... Ich saß unter einem Granatapfelbaum und vermisste keinen unserer Apfelbäume daheim. Ein Zustand, den ich mir nie hätte vorstellen können. Mein Paradies verblasste im Paradies des alten Dichters.
Einige Tage nach unserer Heimkehr wird mir klar: Es war gar kein Fehler, dort gewesen zu sein, es war nur ein Fehler, ein Paradies gegen das andere auszuspielen. Denn die Welt geht einem nicht verloren, und schon gar nicht Orte, die man von Herzen gern hat.
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