Flaschenpost
09/25/2020

Burgenländische Berge

Was macht der kühle Nachtwind mit dem Blaufränkisch vom Eisenberg? Er gibt ihm Frische für viele Jahre. Lass uns den Geschriebenstein hinter die Ohren geschrieben sein!

von Juliane Fischer

Ich fühle mich eh ein bisschen schlecht, wenn ich das zugeben muss: Ich habe noch nie vom Geschriebenstein gehört. Ist Ihnen Írott-kö bekannt? Es handelt sich dabei um die höchste Erhebung des Burgenlandes und Westungarns. Von da weht, laut Mark Matisovits, der kühle Nachtwind zum Eisenberg. Matisovits ist im Südburgenland geboren, arbeitet am Weingut von Uwe Schiefer und hat eine Diplomarbeit über den Eisenberg und den Blaufränkisch verfasst. Über die Kessellage mit den steil abfallenden Hängen und das pannonische Klima mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Sie halten die Säure in den Trauben und sichern damit die Frische und das Lagerpotenzial. Schiefer-Weine sind nicht „hingetrimmt“. Die Begebenheiten, die sich jedes Jahr anders gestalten, bestimmen. Aktuell im Verkauf ist die Eisenberg DAC Reserve 2015 – der erste Jahrgang für den man die Toplagen Szapary, Saybritz, Reihburg, Fasching, Hummergraben, Kroatische Riede vereint hat. Der – Nomen est Omen – eisenhaltige Lehmboden hat je nach Lage, Schiefer- und Quarzeinschlüsse, die für Mineralität sorgen. So kommen zu den dunkle Kirschen, knackigen Zwetschken, der Holzkohle und der Schwarzerde, den Tabakblättern und dem Leder, die mir beim ersten Kosten einfallen auch meeressalzige Assoziationen. Nach zwei Tagen und Luft: Minze, Lakritze, Schafgarbe, angenehm kühl wie ein Nachtwind. Er sei mir hinter die Ohren geschrieben, dieser Geschriebenstein!

Sie kostet sich durch die Weinwelt, arbeitet als freie Journalistin und zum Ausgleich in ihrem Weingarten in Niederösterreich.
Auf den Geschmack gekommen? Bei Anregungen und Feedback zu Wein und Weinkultur schreiben Sie der Kurier-Freizeit-Redaktion unter flaschenpost@kurier.at

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