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Stadtgeflüster
12/02/2019

Bänke mit Barrieren

Es gibt ein neues Bankerl auf der Landstraßer Hauptstraße. In der Mitte ist eine Armlehne. Oder eine Obdachlosensperre.

von Julia Schrenk

Plötzlich steht da ein neues, knallrotes Bankerl auf der Landstraßer Hauptstraße. Die Lehne ist breit, die Sitzfläche großzügig. In der Mitte sind Armlehnen montiert. Ob es eine Bank ist oder ob hier zwei Sessel eng aneinandergestellt wurden, ist nicht ganz klar. Aber das ist auch nicht weiter wichtig, denn eines steht jedenfalls fest: Liegen kann hier niemand.

Wer die Bank beantragt und aufgestellt hat, war Freitagnachmittag weder im Bezirk noch in der für das Aufstellen von Bänken zuständigen MA 42 (Stadtgärten) in Erfahrung zu bringen. Auch nicht also, ob die Lehne in der Mitte der Sitzfläche eine Obdachlosensperre ist. Also eine beabsichtigte Maßnahme gegen Obdachlose (oder Bettler), die sich zuweilen auf Bänke im öffentlichen Raum legen, um zu schlafen oder sich auszuruhen. Jedenfalls wäre es nicht das erste Mal, dass so etwas in Wien passiert.

Im Sommer 2016 gab es eine Riesen-Aufregung in Mariahilf, weil auf den Bänken im Esterhazypark von einen Tag auf den anderen Holzpflöcke montiert waren. Der Bezirksvorsteher beteuerte, das sei keine Aktion gegen die obdachlosen Menschen, die sich im Park aufhalten. Später stellte sich heraus, dass die MA 42 die Pflöcke montiert hatte, damit Skater die Bänke nicht als Rampen benutzen.

Irritationen gab es auch, nachdem im April 2018 das Alkoholverbot am Praterstern verhängt worden war. Da wurden nicht nur einige der Bänke direkt auf dem Praterstern entfernt, sondern auch zwei in der Praterstraße. Weil jene, die sich gerne am „Stern“ aufhielten, dorthin wanderten, beschwerten sich Geschäftsleute. Offiziell hieß es, die Bänke seien nicht entfernt, sondern woanders aufgebaut worden. Und das komme immer wieder vor.

Wien schafft jeden Winter an die tausend Notquartiersplätze für Obdachlose. Die Stadt versorgt damit nicht nur „unsere“ Obdachlosen, sondern auch jene, um die sich in anderen EU-Ländern keiner schert. Von einer Stadt, die europaweit so ein Vorbild ist, darf man erwarten, dass sie auch bei der Auswahl von Parkbänken umsichtig agiert.

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