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Sommer der Verdrängung: Was Klaus Eckel dem Wetter übel nimmt

Wetter war einmal ein dankbares Gesprächsthema. Doch jetzt gibt den Klimawandel und die Wetter-Wutbürger.
Klaus Eckel
++ THEMENBILD ++ HITZE

Heiß is“, „ma, i schwitz“, „i öffne des Backrohr, damit’s in der Wohnung kühler wird“.

Nach einer ersten Hochrechnung handelten in den vergangenen zwei Wochen 31,4 % der Gespräche vom Wetter. Natürlich bewährte sich das Wetter immer schon als geschmeidiger Einstieg in jegliche Form des Small-Talks. Zumindest mehr als die anstehende Fußpilz-Behandlung oder die Nazi-Vergangenheit des Großvaters.

Ich bin dem Wetter dankbar

Jede peinliche Gesprächspause konnte ich mit „Der April macht, was er will“ und „Früher war mehr Schnee“ vorübergehend überbrücken. Das Wetter ist unser demokratischstes Gesprächsthema. Es fragt nicht nach Einkommen, Bildung oder Parteizugehörigkeit. Es regnet einfach für alle. Nach dem Gießkannen-Prinzip, nur halt ohne Gießkanne. Was ich jedoch dem Wetter wirklich übel nehme, ist, dass es politisch wurde. Weil das Wetter die tägliche Laune des Klimas ist, wird es zum frühreifen Zankapfel.

Ich zitiere einen Wetter-Wutbürger: „Weißt du, warum es heißer wird? Weil die ganzen Photovoltaikanlagen die Sonne anlocken. Dadurch kommt sie näher. Solarpaneele sind das, was der Wurm für den Karpfen ist, ein Köder.“ So mancher Stammtisch-Meteorologe könnte hitzebedingt vor mir verdampfen, er würde weiterhin behaupten: „Ich bin nicht weg, ich bin nur gasförmig.“

Das Wetter mischt sich mittlerweile auch in Wahlen ein. Regnet es am Wahltag, profitieren laut einer europäischen Studie eher konservative Parteien, weil ihre Wähler disziplinierter zur Urne gehen. Wenn es schüttet, hilft es den Rechtsnationalisten. Weil erstens befeuert kaltnasses Wetter Zweifel an der Klimaerwärmung und zweitens liefert ein Unwetter das passende Bild zum angeblichen Zustand des Landes: Uns steht das Wasser bis zum Hals.

Deshalb treffen sich Stocker und Kickl vermutlich am Tag vor der nächsten Nationalratswahl doch noch heimlich in der Hofburg. Nicht zu Koalitionsverhandlungen, sondern zum gemeinsamen Regentanz.

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