"Am Feld" von Johanna Sebauer: Zurück aufs Land
Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.
Mein Umzug zurück aufs Land hat unter meinen Städterfreunden eigenartige Reaktionen hervorgerufen. Manche lächelten übertrieben sanft und hauchten in aufmunterndem Tonfall: "Von deinem Dorf aus bist du ja trotzdem schnell in Wien." Andere nickten anerkennend, als würde das Dorfleben besonderen Mut erfordern. Wieder andere fragten mich mit anthropologischer Neugier: "Und? Wie kommst du da zurecht?"
Als wäre ich an einen fernen Ort gezogen, an dem fremde Völker mit eigentümlichen Bräuchen leben. Derartige Vorurteile bin ich gewohnt. Schon während meines Studiums in diversen Großstädten beäugte man mich mitleidsvoll, wenn ich meine Herkunft verriet, und gab mir zu verstehen, welch Armutschgerl ich sei. Heute denke ich mir, sollen sie doch! Sollen sie doch weiterhin glauben, wir Landmenschen seien allesamt ungehobelte Rüpel, in kulturellem Brachland sozialisierte Einfaltspinsel mit dem Horizont eines Wasserglases.
Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit ähnlichen Vorurteilen konfrontiert sind, rufe ich Sie nun dazu auf, diese nicht länger zu bekämpfen, sondern im Gegenteil willkommen zu heißen und gar genussvoll zu bestätigen. Das nächste Mal, wenn Sie Besuch aus der Stadt empfangen, benehmen Sie sich bitte möglichst ungustiös, kauen Sie mit offenem Mund, rülpsen Sie kräftig bei Tische, machen Sie anzügliche Witze. Verdrehen Sie ihre Zunge zu einem abscheulichen Dialekt, erfinden Sie Wörter, die keiner versteht. Wenn Ihr Gegenüber Weltpolitisches diskutieren möchte, tun Sie, als hätten Sie noch nie im Leben eine Zeitung aufgeschlagen. Seien Sie ganz und gar jener Landtrampel, den man sich in der Stadt vorstellt. Vielleicht haben wir so am End mehr Land für uns.
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