Johanna Sebauer

"Am Feld" von Johanna Sebauer: Das Leben am Land

Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.

Ich freue mich, liebe Leserinnen und Leser, die Sie diese Seite so treu verfolgen, dass ich nach den Fußball-Kolumnen zur Einstimmung auf die WM weiterhin hier schreiben werde. Landleben ist das Thema. Damit kenne ich mich aus, denn ich bin eine Zurückgekehrte.

Bin aufgewachsen auf dem sogenannten Lande, dann ausgeflogen in diverse Großstädte im In- und Ausland und nun wieder gelandet, im ruhigen Nest, wo Pferde friedlich auf den Wiesen grasen und wo verdächtig ist, wer auf der Gasse nicht ordentlich grüßt. Nicht wenige Biografien, die auf dem Land beginnen, verlaufen auf diese Weise. Der eine oder die andere wird mir beipflichten können, dass der Drang, als Jugendliche das Dorf zu verlassen, diesen so himmelschreiend faden Fleck Welt, in den hineingeboren worden zu sein man demütig erträgt, irgendwann ins Unermessliche steigt.

Hinaus in die Stadt will man, hinaus in die Welt, wo was los ist und die Leute neu sind, anders reden, anders denken, anders, anders, anders ... So eine war ich. Eine der größten Gegnerinnen des Landlebens, das ihr zu eng und eintönig war, eine, die in der Stadt ihren Dialekt abstreifte, wie einen alten Stiefel. Aber die Dinge ändern sich. Zum Glück. Heute, als Zurückgekehrte, bin ich viel mehr "vom Land", als ich es jemals war.

Nicht gänzlich unkritisch, aber ich bin es bewusster und überzeugter, schau viel genauer hin, nehme die Zwischentöne wahr. Und darum soll es in dieser Textreihe gehen – ums Genau-aufs-Land-Schauen, um die kleinen und großen Eigenheiten und Schrullen, die das Landleben und uns Landmenschen auszeichnen. Vom Wirtshaussterben, über Schneckenplagen, über Dialektwörter bis hin zur Stadtsehnsucht, die einen doch manchmal packt. Alsdann, hinaus aufs Land!

Kommentare