„Am Feld“ von Franzobel: Das Leben am Sportplatz
Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.
Ich habe Messi gesehen! Der Superstar saß im Restaurant eines Möbelhauses in Vösendorf und stocherte lustvoll in einem Rindsgulasch. Wenige Tage zuvor bin ich Lamine Yamal in der U-Bahn gegenübergesessen, und als mich schon gar nichts mehr wunderte, begegnete ich noch einem füllig gewordenen Ronaldo im Supermarkt mit einem Einkaufswagen voller Bierkisten und Erwachsenen-Windeln.
Sein angefressener Blick sagte: „Was ist, soll ich meine Därme in der Hand tragen?“ Dafür war Yamals Haarkranz weiß wie ein Fischbauch, Messi maß einsneunzig und seine Beine glichen Kakaosprudlern. Es waren, Sie ahnen es, nicht die Originale.
Was bringt Erwachsene dazu, Trikots ihrer Idole anzuziehen? Harald Juhnke hat einmal gesagt, er hasst Silvester, weil dann auch Amateure saufen. So ähnlich geht es einem als Fußballfan in einem WM-Jahr – überall Haalands, Kanes, Mbappes und Seiwalds. Blokecore heißt der Trend, bei dem man Fußballerleibchen im Alltag trägt.
Ob es damit auch in die Oper oder zu Familienfeiern geht? Wo soll das hinführen?
Jetzt gibt es bereits Menschen in kompletter Fahrradadjustierung, deren Outfit den Besitz eines Velos im Wert einer Luxusjacht verkündet. Bald werden Leute in Skispringer- oder Tauchermontur herumlaufen, was dann heißen soll: Mir gehören die Malediven oder vier Schanzen. Fußballertrikots sind wie ein religiöses Symbol oder ein offenes Parteibuch.
Ein Distinktionsmerkmal wie Rastalocken oder Hiphop-Hosen mit der unzweideutigen Botschaft: Ich bin Fan von ... Ob man das wissen will? Mir ist diese beredte Panier zu freizügig. Und wie es Messi geht, wenn er Fremde in seinem Dress sieht? Ich würde aus der Haut fahren, nein, aus dem Leiberl.
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