Kolumnen
21.07.2018

500.000-mal CR7

"Tagebuch": Sponsoren rennen Juve die Türln ein.

Einer der wenigen, die das Finale und damit den glücklosen Auftritt des vielleicht besten Vizeweltmeisters aller Fußballzeiten (Kroatien) im TV versäumt haben, war ... Cristiano Ronaldo. Er düste just während des Endspiels Richtung Turin. Anderntags strömten über 200 Medienvertreter, den Weltfußballer des Jahres anhimmelnd, zu Ronaldos Präsentation beim Fiat-Klub Juventus. Zur gleichen Zeit folgten einem Streikaufruf im süditalienischen Fiat-Werk Melfi nur fünf von 1700 Arbeitern.

Der Protest der fünf schien nachvollziehbar. Schließlich muss die Meldung, wonach Ronaldo jährlich (günstig versteuerte) 30 Millionen Euro erhält, treue Werktätige provozieren.

Forderung der Gewerkschaft: Die Millionen sollten von der Agnelli-Familie, die sowohl beim Fußballklub als auch beim Autokonzern über die Aktienmehrheit verfügt, besser in neue Arbeitsplätze investiert werden. Auf die Kickerbranche umgelegt: Die Alte Dame (so wird Juve genannt) dürfe sich nicht von einem 33-jährigen Schönling die Augen verdrehen lassen.

Jedoch: Der Transfer hat sich bereits rentiert, noch ehe CR7 den ersten Schuss für Juventus abgegeben hat. Sponsoren rennen Juve die Türln ein. Mehr als 500.000 schwarz-weiß gestreifter Trikots mit der Nummer sieben und dem Namen Ronaldo drauf sind schon verkauft. Wird von Juves PR-Abteilung nicht übertrieben sein. So hat der ehemalige österreichische Teamkapitän Manfred Zsak am Strand von Lignano bereits am selben Tag, an dem Ronaldos Wechsel zu Juve bekannt wurde, Buben in den neuen Juve-Ronaldo-Trikots herumlaufen sehen. Trikotproduzenten hatten das Turiner Gras schneller wachsen hören als die Medienbranche.

Der SK Rapid ließ seine neuen (schicken) Dressen vorerst im einstelligen Tausenderbereich anfertigen. Mit solchen laufen am Sonntag Steffen Hofmanns Freunde bei dessen Hütteldorfer Abschiedsspiel vor 24.000 Gästen ein. Davor wird der Fanshop geöffnet. Selbst beim Arbeiterklub wissen zumindest Realisten: Ohne Kommerz hat man im Fußball kein Leiberl mehr.wolfgang.winheim