Szene aus "Ohne Bekenntnis"

© Sandeep Kumar Films

Kiku
09/11/2019

"Wollen ein Stück verborgenes Leben zeigen“

Filmemacher Sandeep Kumar im Gespräch vor dem Kinostart von „Ohne Bekenntnis“ über Hindus in Österreich.

von Heinz Wagner

„Wir wollen mit diesem Film ein Stück verborgenes Leben zeigen“, beginnt Sandeep Kumar im Gespräch mit dem Kinder-KURIER ein wichtiges Anliegen seines neuesten Films zu zeigen, der am 19. September im Votiv-Kino seine Premiere hat. „Ohne Bekenntnis“ (Creedless) gewährt Einblicke in das (religiöse) leben von Hindus in Österreich. Dass diese Religion, immerhin die drittgrößte der Welt, in Österreich nicht zu den offiziell anerkennten in Österreich zählt, gibt zwar dem Film den Titel, kommt vor, ist aber nicht zentral für den 90-minütigen Film.

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Zehn Jahre recherchiert

Kumar und seine Crew wollen mit der Dokumentation Einblicke in eine für die meisten anderen Menschen in Österreich verborgene, ja geheimnisvolle Welt geben. Das war anfangs auch nicht so einfach. „Ich habe ungefähr zehn Jahre recherchiert und die Dreharbeiten haben sich auch über ungefähr zwei Jahre gezogen“, erzählt der Filmemacher mit indischen Wurzeln. Zu seinen Werken zählt unter anderem der „Austro-Bollywood“-Film „Servus Isq“ (wobei Letzteres ein Wort aus der Sprache Hindi ist und auf Deutsch Liebe bedeutet).

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Drei persönliche Porträts

Kumar und sein Team begleitete drei Hindus in Österreich, die ihre Religion zwar überzeugt, aber verschieden intensiv leben über einen längeren Zeitraum. Drei Individuen mit unterschiedlich persönlichen Zugängen zu ihrem Glauben, in dem es Millionen Götter gibt, eröffnen ein vielfältiges, äußerst buntes Bild zu mehr als einer Religion, zu Geistes- und Lebenshaltungen. Aus dieser picken sich viele und noch dazu zunehmend mehr Menschen im Westen so manche Elemente heraus – etwa Yoga, Ayurveda oder Meditation. „Doch Hinduismus ist mehr, nein eigentlich etwas anderes als den Körper zu verbiegen“, so Kumar. „Yoga ist für die Hindus die Verbindung mit dem gesamten Kosmos“, so der Filmemacher. Sein eigener Glaube sei übrigens „Film“ hatte er vor mehr als einem Jahr in einem Interview mit dem Kinder-KURIER gesagt, als bei einem indischen Festival in der Wiener Urania eine überlange Vor-Version des jetzigen Films gezeigt wurde. Sein „Glaube“ versetzt übrigens sozusagen Berge. Wenn sich Sandeep Kumar für eine Szene etwas in den Kopf setzt, dann schafft er es sogar, dass am Flughafen Wien für den Dreh eine Landebahn vorübergehend gesperrt wird ;)

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20 Stunden Material

„Wir haben rund 20 Stunden Filmmaterial, aber die zwei Stunden, die wir gezeigt haben, waren noch zu lange.“ Im Zentrum der 90 Minuten stehen die persönlichen Zugänge dreier Protagonist_innen, bunte, bewegte Bilder aus ihrem Alltag und ihrer Teilnahme an religiösen Feierlichkeiten. Sie sprechen aber auch reflektiert über religiöse Erziehung, Unterschiede in der Religionsausübung zwischen Indien und Österreich, Sprachbarrieren, die Tempelgemeinschaft als soziales Netzwerk, aber auch die Problematik der strengen Kasten(ein)teilung, Geschlechterrollen, religiöse Identität, Reaktionen des Umfeldes, Generationenkonflikt, Schwierigkeiten bei der Religionsausübung (lange Anfahrtswege, Tempelöffnungszeiten und die Kellerräume) sowie nicht zuletzt dem Stempel „Ohne Bekenntnis“ obwohl für sie ja Religion eine wichtige Rolle spielt.

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An den Rand gedrängt

Die Nicht-Anerkennung als Religion und damit verbunden Zeremonien in einem Tempel im Keller in Wien-Josefstadt sieht Kumar auch als Integrations-Hindernis. Zum einen wird die Religion für alle anderen sozusagen unsichtbar gemacht, gläubige Hindus fühlen sich klarerweise an den Rand gedrängt, ausgegrenzt. Vor allem Kinder und Jugendliche schätzen natürlich nicht besonders, in einem stickigen Tempel Religion ausüben zu sollen.

Einer der Protagonist_innen legt im Film auch viel Wert darauf, dass der Hinduismus alle Religionen für gleichwertig hält, „wir akzeptieren alle als gleichwertig“. Das wünschen sich Hindus verständlicherweise allerdings auch umgekehrt.

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Trailer zum Film