Kiku
02/13/2019

Vom unausgeprochenen „Ääääätsch ...“ zum gemeinsamen Spiel

Clowneskes Spiel mit Tücken der Objekte bei „Siebensachen“ der Kompanie Freispiel im Dschungel Wien.

Zwei Männer, 14 Gegenstände, keine Worte und vor allem viel Spielfreude, bei der Premiere noch in der einen oder anderen Szene ein bisschen durch Lampenfieber gebremst. Das ist die für viele Lacher sorgende Performance „Siebensachen“ von der Kompanie Freispiel – für Menschen ab 5 Jahren (ursprünglich war  ab 7 angegeben), auch Erwachsene finden so manche für sie gedachte Anspielung zumindest zum Schmunzeln.

7 gilt als magische Zahl. In allen drei monotheistischen Religionen spielt sie eine besondere Rolle, kommt aber auch in vielen anderen Kulturen vor wie im alten Ägypten, in Babylonien, bei den Sumerern oder in der persischen Kultur, wo zu Nouruz (Neujahr zu Frühlingsbeginn) sieben bestimmte Dinge (Haft Sin) auf dem Tisch sein sollten. Sieben teilt unsere Woche in Tage, gibt aber auch die Öffnungen in unseren Köpfen (ein Mund, je zwei Augen, Ohren und Nasenlöcher) an, ist Titel zahlreicher Märchen – von Zwergen bis Geißlein - nur in manchen Ländern Ostasiens (China, Thailand) gilt sie als Unglückszahl.

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Tücken der Objekte

Wobei dieses Stück durchaus auch genauso gut mit je sechs, neun oder einer anderen Zahl von Gegenständen – die einander entsprechen - funktionieren würde. Die beiden Spieler - Siruan Darbandi und Kajetan Uranitsch – kommen von verschiedenen Seiten in den Theatersaal und das mit teils clownesken Stolpereien. Jeder hat die eigenen sieben Sachen an und um sich, was bei einem Sessel, einer Lampe, einem Blumenstock usw. natürlich die Fortbewegung fast natürlich zum Slapstick verleitet.

Die Auftritte von entgegengesetzten Seiten erleichtern von vornherein, anfangs einander scheinbar gar nicht wahrzunehmen, gefolgt von Argwohn, ja fast Erschrecken. Die beiden haben in ihrem Fundus der je sieben parallelen Sachen, die sich Mitunter markant unterscheiden: Ein kleiner harter sowie ein großer weicher Ball, die Teleskop-Stange eines Besens auf der einen sowie eine Stehlampe – mit ständig kippendem „Kopf“ (die damit oft zur Hängelampe wird) auf der anderen Seite.

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(Konkurrenz-)Kämpfe

Mit ihren Gegenständen treten sie in Konkurrenz, was oft schon Komik in sich birgt, gerade bei Erwachsenen aber auch so manche Assoziation auslöst. So erinnert der Ball-Vergleich fast ein bisschen an die Debatte von vor knapp mehr als einem Jahr als Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un in Richtung USA drohte, auf seinem Schreibtisch den Atomknopf ständig griffbereit zu haben und US-Präsidentendarsteller Donald Trump erwiderte: „Kann jemand aus seinem ausgelaugten und ausgehungerten Regime ihm bitte sagen, dass ich auch einen Atomknopf habe.  Aber er ist viel größer und mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!“

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Langer Anlauf

Das eine oder andere „äääätsch, und du niiiicht ...“ schwirrt in diesem Spiel ganz ohne Worte förmlich durch den Raum. Ist aber bereits Bestandteil einer spielerischen Annäherung. Nach rund einer halben Stunde ist es so weit und die beiden beginnen mit dem kleinen Ball und dem großen leeren Blumentopf, später der Saugglocke eine Art Mini-Basketball zu spielen, machen aus der Plastik-Gießkanne ein gemeinsames Blasmusik-Instrument...

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Unbeschwerter

Nach rund einer Viertelstunde gemeinsamen Spiels, beginnen sich die Wege der beiden wieder zu trennen. Doch schon bald vermissen sie einander, um letztlich alle 14 Dinge gemeinsam zu „verpacken“ – die damit fast ein Eigenleben zu gewinnen scheinen. Kaum haben sie den Berg der Sachen abtransportiert, treffen sie nun unbeschwert aufeinander – und sind auch schon wieder weg ...

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Siebensachen
Kompanie Freispiel
Theaterperformance
Ab 5 J., eine Stunde

Konzept und Performance: Siruan Darbandi, Kajetan Uranitsch
Dramaturgisches Coaching: Frans Poelstra & Barbara Juch
Endregie: Adriana Cubides
Ausstattung: Isabela Voicu

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Wann & wo?
Bis 17. Februar 2019 und
24. bis 29. Mai 2019
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20

www.dschungelwien.at
www.kompaniefreispiel.at

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