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© Martina Stapf & Tanz*Hotel

Kiku
02/28/2021

Tanztheater mit Kindern über Minotauros, Labyrinth und den roten Faden

„Mini*Tauros“: Fünf Kinder und drei Erwachsene spielen, tanzen und singen über den antiken Mythos auf Kreta – mit Anspielungen auf Virus und Greta.

von Heinz Wagner

Das Wortspiel Mini*Tauros im Titel war sozusagen aufgelegt. Das Tanz*Hotel verhandelt auf der Bühne im Dschungel Wien den antiken griechischen Mythos vom ½-Mensch-1/2-Stier-Wesen Minotauros, vor allem aber vom Labyrinth. Dieses Wesen ist in einem Laybyrinth auf Kreta gefangen. Dessen Halbschwester Ariadne ist Hüterin des geheimen Wegs zu ihm – symbolisiert im Knäuel eines roten Fadens.

Dieser Mythos ist der sprichwörtliche roten Faden der rund einstündigen Tanzproduktion aus erwachsenen Profi-Darsteller_innen, -Tänzer_innen und –Musiker_innen sowie eines Kinderensembles, genannt Kinder-Forschungs-Team. Wie viele Stücke, die jetzt gespielt werden sollten, wurde es natürlich schon längst geprobt, als die Sperre für Kultur verlängert wurde. Darstellende Kunst kann aber nicht wie mit einem Lichtschalter dann, wenn’s wieder erlaubt ist, angehen. Daher wurde weiter geprobt. Regelmäßig werden im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier die premierenreifen Produktionen einmal aufgeführt – nicht als Veranstaltung, sondern nur für die Beteiligten, die nicht auf der Bühne sind, sowie die künstlerische Leiterin, die Dramaturgin usw. Als meist fast immer einziger externer Gast darf der Kinder-KURIER – natürlich corona-tauglich – dabei sein. Und berichtet auch, nicht zuletzt um zu zeigen, Kultur wird – unter den schwierigen Bedingungen – doch geschaffen – auch wenn alle Beteiligten auf der Bühne das Publikum seeeeehr vermissen.

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Meereswellen

Doch nun eeeendlich zu dieser getanzten, gespielten, musizierten Version des Mythos um das gefährliche Wesen, das Labyrinth und den roten Faden:

Zunächst reist das Kinder-Forschungs-Team – Caspar Fuchs, Vanessa Fülöp, Lilli Horner, Julian Voglmayr, Leo Wacha - übers Meer aus Athen nach Kreta – in einer schon wunderbaren Szene auf umgedrehten, bronzefarben angesprühten, Getränkekisten. Vorne und hinten wird der Takt des Ruderns durch Trommelschläge – und Rufe die an einen Chor im antiken griechischen Theater erinnern, vorgegeben. Der dahinter hängende große dünne, durchscheinende Vorhang wird zur Projektionsfläche von verspielten, immer wieder sich auch spiegelnden Meereswellen. Und könnte vielleicht auch ein riesiges Segel sein.

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Chaos im Kopf?

Landung, Vorhang gelüftet. Die eigentliche Story beginnt mit dem Treffen auf Ariadne (Elina Lautamäki). Erzählt vor allem in Musik, Tänzen und wenigen Worten. In einer Kulisse aus mehreren hohen Wänden – aus ebensolchen Getränkekisten, auf denen die Kinder herangerudert sind. Diese Kisten werden durch ein Geflecht aus roten Fäden zusammengehalten. Das wandelbare, teils verspiegelte Labyrinth findet sich auch in den Kostümen von Hanna Adloui-Mayerl wieder. Die Live-Musik Begleitung kommt von Stefan Heckel. In einem Mix aus Akkordeon, Trommel und Einspielungen, gesellen sich mitunter Theseus auf der E-Gitarre und Ariadne auf der Querflöte, hinzu. 

Bert Gstettner der sich die Geschichte und das Bühnenbild ausgedacht hat und auch Regie führt, hat so manch aktuelle Bezüge eingebaut: Ist der Minotauros (Verena Schneider) das Virus, das Labyrinth etwa die weltweite pandemische Situation aus der Auswege gesucht werden? „Das Labyrinth ist überall und nirgendwo!“, sagt Ariadne an einer Stelle. „verschlungene Hirnwendungen“ sowie „chaotische Verwicklungen“ antworten Kinder etwa auf Theseus‘ „unzählige Datenspeicher“. Ja vielleicht stehen die Fäden ja auch für DAS virtuell geknüpfte Inter-Net(z)?

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Angst, Heldentum, (Sport-)Kampf

Aber auch vielleicht neue Interpretationen der antiken Story klingen an, sind Theseus (Stefan Ried), der den Minotauros bekämpft, und dieser selbst vielleicht gar nur eine Person, in der zwei verschiedene Seiten gegeneinander Krieg führen? Übrigens der Stierkopf, ebenso wie Hände und Füße sind frisch wieder solche schon bekannten Kisten.

Neugierig erforschen die Kinder das Labyrinth, unterhalten sich auch grundsätzlich über Ängste, aber auch über Held_innen. Da fallen Sätze und Gedanken wie Angst vor Tieren und Viren, Ängste an- und auszusprechen oder Vanessa Fülöps Statement, (fast) keine Angst zu haben – „im Gegenteil, ich mag Horrorfilme – lieber als andere … erzeugen viel mehr Spannung – als Normale.“

Und bei aktuellen Held_innen taucht auch David Alaba auf, eine aber darf keineswegs fehlen: Greta! Kreta? Nein, Thunberg!

Beim Showdown, dem Kampf von Theseus und Minotauros, samt Fall der Mauern agieren Leo Wacha und Caspar Fuchs als schrille TV-Moderatoren des Mega-Kampfs, des spannendsten aller Duelle…

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Die einzigen realen Treffen

Die fünf jungen Darstellerinnen und Darsteller, von denen einige schon in früheren Tanz*Hotel-Stücken mitgewirkt haben, erzählen nach der Aufführung dem Kinder-KURIER, dass sie sich freuten, endlich wirklich zu spielen, auch wenn’s nur einmal war. Dass ihnen aber wirkliches Publikum abgeht und sie schon sehr davon genervt sind, dass die echte Premiere jetzt schon zum dritten Mal verschoben werden musste. Eigentlich waren sie schon mürbe, manche wollten fast nicht mehr, aber wenn sie dann gemeinsam probten, hat’s Spaß gemacht. Nicht zuletzt, weil das die einzigen Treffen mit realen Freundinnen und Freunden waren, da ansonsten alles nur über Bildschirme abläuft. Mit zu den Highlights im Stück zählen die meiste die wilde Szene des raschen Verschiebens der besagten Kisten-Wände.

Übrigens: die fünf Kinder spielen und tanzen nicht nur, aus ihren aufgeschriebenen Gedanken, beispielsweise über Ängste, hat der Tanz*Hotel-„Vater“ etliches in den Stücktext eingebaut. ER sei damit an den Anfang seiner Choreografie-Arbeit in Wien zurückgekehrt, so Gstettner zum Kinder-KURIER. Da wäre für ihn alles wie ein Labyrinth gewesen, aus dem er Auswege gesucht hat. Nun, ein Ausweg führt mitunter in neue Labyrinthe, wenn sie überall und nirgends sind ;)

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Mini*Tauros
Das Tanz*Hotel Kinderensemble und erwachsene Tänzer-/MusikerInnen spielen ein Tanztheater über Um- und Irrwege, lösungsorientiertes und verbindliches Handeln.
Produktion: Tanz*Hotel / Art*Act: Kooperation mit Dschungel Wien

Regie, Choreografie, Buch, Score und Bühnenbild: Bert Gstettner
Mino*Tauros: Verena Schneider
Ariadne: Elina Lautamäki
Theseus: Stefan Ried
Labyrinth Kinder-Forschungs-Team: Caspar Fuchs, Vanessa Fülöp, Lilli Horner, Julian Voglmayr, Leo Wacha

Musik: Stefan Heckel
Kostüm: Hanna Adlaoui-Mayerl
Regie-assistenz: Yves Griffin
Rechercehn Mitarbeit: Reinhard F. Handl
Organisation: Claudia Bürger

Wann & wo?
7. bis 12. April 2021
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon (01) 522 07 20-20

dschungelwien ->mini-tauros

tanzhotel -> mini-tauros

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