Drei Kinder vor einem Tablet auf dem Boden und einem selbst zusammengebauten Roboter

Touch - und der Roboter wird losfahren

© Heinz Wagner

Kiku
12/01/2019

Spielend, spielerisch programmieren lernen

Kinder-KURIER-Lokalaugenschein in einer Wiener Volksschule in einer der Programmier-Stunden.

von Heinz Wagner

Lotti, Rosi und Raphaela tüfteln, bauen, um, stecken die Teile anders zusammen. Sie wollen, dass ihr Roboter nicht sozusagen 08/15 ausschaut und funktioniert. Also montieren sie die beiden Räder schließlich nicht links und rechts an den Bauteilen. Ihre Räder sind an zwei aneinandergrenzenden Seiten montiert. So könnte der Roboter vielleicht dauern im Kreis fahren. Das wollen sie aber auch nicht – nur. Sie holen sich ein wenig Anregung von der Coding-Lehrerin Birgit. Schließlich fährt ihr Roboter bei der Präsentation auch geradeaus – das Trio hat für die beiden Räder unterschiedliche Geschwindigkeiten eingegeben.

Der Kinder-KURIER durfte die 3a der Volksschule Kindermanngasse (Wien-Hernals, 17. Bezirk) besuchen. Rund um und am Rande des großen Teppichs sitzen, knien, hockerln sie. Vor sich liegen aufgeklappte Schachteln mit Bauteilen – längliche orangefarbene, sowie Würfel in den Farben grün, rot, blau, türkis, dazu noch Räder und kleinere meist grüne Teile. Löcher, Stifte, metallisch glänzende kreisförmige Flächen auf den Bauteilen. Irgendwie erinnern die Dinger an Matador, aber aus Kunststoff oder an Lego - mit Elektronik oder Fischer-Technik.

Spielerisch und spielend Coden

„Robo Wunderkind“, um solche Baukästen handelt es sich hier, dient nicht nur dem Zusammenbauen, dem Konstruieren. Das ist nur die Basis für spielerisches Programmieren-Lernen, Coding wie es aus dem Englischen kommend auch heißt. Die verschiedenfärbigen Bauteile haben unterschiedliche Funktionen – von Motor über Sensoren bis zum Hauptmodul, das die anderen Teile mit Energie versorgt und auf das über USB-Kabelverbindung die jeweils aktuelle Version des Programms draufgeladen wird.

Menschliche "Roboter"

Gesteuert werden die dann fertig gebauten kleinen, flexiblen Roboter über Tablets. In Kleingruppen zu höchstens drei Kindern gehen die jungen Konstrukteur_innen und Programmierer_innen ans Werk. Da die Schule vier solcher Kästen (Version Education) hat – alle Klassen kommen reihum dran, damit spielend zu lernen – begeben sich ungefähr die Hälfte der Kinder in einen anderen Lernraum. Hier – bei Lehrerin Gundula - beschäftigen sie sich mit Symbolen und Struktur von Programmieren. Jeweils zu zweit denken sie sich Aufgaben aus, die die/der andere dann zu erfüllen hat – aber immer nur, wenn die einzelnen Programmierschritte ausgesprochen werden. Und so zeigen Andrijana und Josephine dies dem Kinder-KURIER vor: Geradeaus gehen, rechts drehen, ein Lied singen – und so weiter. Danach wechseln sie. Nun gibt Josephine die „Befehle“ und Andrijana ist der menschliche Roboter, der sie ausführt. Die beiden finden übrigens diesen Teil sogar „lustiger, weil man da alles selber machen kann und nicht nur der Roboter fährt wenn wir ihn programmiert haben“.
Siehe die beiden Videos

Fahren, leuchten, „sprechen“

Meist in Dreier-, manchmal in Zweier-Teams, und in den allermeisten Fällen ganz spontan Mädchen und Buben gemischt (Marie/David/Paul, Yun-Ru/Rana, Nadine/Arvid, Emil/Lenny/Tarkan, Fynn/Camilo/Nicola) machen sich die Kinder ans Werk. Besprechen erst, was der Roboter können soll, wie sie ihn dafür zusammenbauen müssen. Welche Programmierung erforderlich ist. Dann der Test, Steuerung übers Tablet. Ach, jetzt ist er wo angefahren, also kürzere Zeit fürs Geradeaus-fahren usw. Manche versuchen, den Roboter sozusagen aufrecht fahren zu lassen. Um das Gleichgewichtsproblem zu lösen, testen sie das kleine Stützrad hinter den länglich nach oben montierten Bauteilen anzubringen. Sehr wackelig die Angelegenheit. Andere wollen ihren Roboter sozusagen im Kopfstand fahren lassen. Allerdings, so kommen sie drauf, die Räder müssen irgendwie zuerst mit dem Hauptmodul verbunden werden…

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Cool und Spaß

Nadine bedauert, „dass wir nicht so oft mit den Robotern lernen können. Das macht Spaß, weil wir alles Mögliche ausprobieren und schauen können, ob das dann auch so richtig funktioniert, wie wir’s uns vorher ausgedacht haben. Mühsam war’s heute nur, weil‘s bei uns so lange gedauert hat, bis wir die Verbindung vom Tablet zum Roboter bekommen haben, irgendwas hat da zuerst nicht gestimmt.“

Lotti findet die Programmierstunden „richtig toll“, nicht nur die mit Robo Wunderkind, sondern auch die mit den BeeBots, WeDo oder am Computer. „Auch cool“ ist Rosas erste Assoziation mit spielerischem Programmieren, „vor allem, weil wir unseren Roboter dazu gebracht haben, auch zu blinken.

Arvid freut sich , „dass wir da so viel bauen und programmieren können, das ist voll cool, auch dass man Robo-Wunderkind mit Lego-Teilen verbinden kann und am Tablet oder dem Computer zusammenstellen kann, was die Roboter machen sollen“.

Das viele Bauen in Kombination mit Programmieren gefällt auch Nicola, die am liebsten für zu Hause einen Roboter hätte, „der mein Zimmer aufräumt, so dass ich nur spielen kann“. Was sich oft bei der Frage, was ein Roboter in echt können sollte, Kinder wünschen, ist hier offenbar kein Thema. Als die Lehrerinnen ankündigen, „Zeit zum Anziehen, Schule ist aus“, kommt einer der Buben angetanzt: „Frau Lehrerin, ich hab noch keine Hausübung gekriegt“, bedauert er. Und wird von der anderen Lehrerin „getröstet“: „Ich hab dir schon auf deinen Platz eine Mappe mit den Aufgaben gelegt.“

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