© Heinz Wagner

Kiku
03/01/2020

Kinder und Jugendliche tanzen „Bilder einer Ausstellung“

Lokalaugenschein und Interviews mit studierenden Tanzschüler_innen. Aufführung Mitte März. Mehr als 150 Fotos.

von Heinz Wagner

Ein riesengroßer – leerer – Bilderrahmen steht anfangs irgendwo in einer Ecke des Raumes. Später wird er von einigen der rund drei Dutzend Schülerinnen in Richtung Mitte des Raumes getragen – und mit Bildern „befüllt“. Diese Bilder sind live getanzte – von den Mitschüler_innen aus den ersten bis vierten Klasse des Gyms in der Wiener Boerhaavegasse (mit Internats-Möglichkeit). Die Kinder und Jugendlichen inszenieren tänzerische „Gemälde“ zur weltbekannten Musik von Modest Mussorgski „Bilder einer Ausstellung“.

Der Komponist „beschreibt“ mit Musik in den einzelnen Sätzen dieses Werks - Untertitel „Erinnerungen an Viktor Hartmann“ – Gemälde und Zeichnungen seines verstorbenen Freundes. Die Musik zwischen den einzelnen „Bildern“ nannte er Promenade – sozusagen den Weg in einer Ausstellung von einem zum nächsten Kunstwerk.

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Schule plus Uni

Die Kinder und Jugendlichen der Schule – mit jeweils einer Klasse pro Jahrgang im zweig Tanz/Eiskunstlauf/Gymnastik – erhalten ihre praktische Ausbildung in der Musik- und Kunstuniversität der Stadt Wien (vormals Konservatorium) im Rahmen des „Vorbereitungslehrgangs Tanz“.

Schon während der Schulzeit studieren – das ist üblicherweise „Wunderkindern“ vorbehalten. Es gibt Ausnahmen: Kindern und Jugendlichen einer Wiener Schule mit Tanz-Schwerpunkt absolvieren ihre (zeit-)genössische Tanz-Ausbildung auf universitärem Niveau.

Schulischer Schwerpunkt

„13 Stunden pro Woche haben wir Tanz – die einen am Vormittag und am Nachmittag dann alle anderen Fächer und die anderen genau umgekehrt“, schildern einige der fast vier Dutzend Schüler_innen, die am Nachmittag des Kinder-KURIER-Lokalaugenscheins alle gemeinsam proben. Immerhin geht es mit Riesenschritten in Richtung gemeinsamer Aufführung im MuTh (MUsikTheater, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz.

Davor war viel in kleineren Gruppen erarbeitet und geprobt worden, berichten die jungen Tänzer_innen – sozusagen einzelne der „Bilder“ – die natürlich nicht nur im Rahmen bleiben, sondern den ganzen Raum füllen. Was sie besonders freut und worauf sie – vollkommen zurecht - auch stolz sind: Wir durften bei den Choreografien mitreden, manche haben wir uns selber sogar in unserer Freizeit ausgedacht und eingebracht.“

Gemeinsam mit den Lehrkräften wurde dann daran gefeilt, weiter entwickelt, nicht zuletzt vor allem zusammengefügt … - schließlich soll es wie die – und mit der - Musik – ein Gesamtkunstwerk werden, das die vier Dutzend Tänzer_innen zwei Mal am 17. März (siehe Infos) aufführen werden.

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Interviews

Der elfjährige Korbinian hat schon im Kindergarten getanzt – „Volkstanz, ich glaub österreichische. In der Volksschulzeit hab ich dann begonnen, Ballett zu tanzen und Jazz und Hip*Hop. Irgendwie hat mir alles gefallen, nur Hip*Hop nicht so sehr.“

Er ist an diesem Nachmittag der einzige Bub inmitten der Dutzende zählenden Mädchenschar. Da drängt sich natürlich die Frage auf, wie das so ist. „Man gewöhnt sich daran. Anfangs war’s ein bisschen schwierig. Ich hab schon einige Zeit gebraucht, bis ich meinen Platz finde – auf die Gruppe bezogen“, ergänzt er auf Nachfrage.

Wie für die meisten seiner Kolleginnen ist Tanz sein Berufsziel: „Am liebsten klassischer Tänzer oder auch in Musicalfilmen“.

Laura (ebenfalls 11) erinnert sich, schon mit drei Jahren in ihrer Kindergartenzeit mit Tanzen begonnen zu haben. „Meine Mama hat mir eine CD mit Ballettmusik gegeben, die hab ich mir oft angehört und dazu getanzt. Das hab ich wirklich jeden Tag gemacht.“ Und so ging sie dann neben dem Kindergarten auch in einen Kindertanzkurs „aber nicht nur Ballett, sondern vor allem zeitgenössisch und alles Mögliche. In der Volksschule ist dann noch Hip*Hop dazugekommen.“ Ab der 4. Klasse Volksschule sammelte sie und die Eltern dann Infos, wo sie ihre Tanzleidenschaft mit einer weiterführenden Schule verbinden könnte. Weil sie aus Niederösterreich kommt, bot sich die Internatsmöglichkeit in der Boerhaavegasse als gute Gelegenheit an. Tänzerin oder Ballettlehrerin ist ihr Berufswunsch.

Im Fernsehen

Ein Neujahrskonzert war für die 12-jährige Catleen DAS Erlebnis. „Ich hab im Fernsehen die Ballett-Einlagen bei der Übertragung des Konzerts gesehen und zu meinen Eltern gesagt: So was will ich auch machen!“ Da war sie übrigens erst drei Jahre jung. Es war mehr als ein spontaner Ausruf. Folge: Ballettkurs, später auch Breakdance, Modern Dance usw. Gegen Ende der Volksschulzeit war klar, Catleen wollte in eine weiterführende Schule mit Tanzschwerpunkt. Das klappte aber erst mitten in der ersten Klasse Gymnasium, in der sie dann in die Boerhaavegasse wechseln konnte. „Der Übertritte mitten im Schuljahr war schon ein bisschen stressig“, aber immerhin hat sie ihr (vorläufiges) Ziel erreicht.

Sophie (12) hat das Tanz„fieber“ schon mit 2 ½ Jahren gepackt, mittlerweile auch Bewerbe gewonnen und dann „natürlich“ die Aufnahmsprüfung – eine solche ist für diesen Schwerpunktzweig erforderlich – geschafft.

Extra übersiedelt

Ebenfalls zwölf Jahre ist Yuliia. „Ich hab mit 2 Jahren mit Gymnastik begonnen, vor zwei Jahren bin ich dann nach Wien hierher in diese Schule mit Internat gekommen, nachdem meine Mama eine Schule gesucht hat, in der ich tanzen kann“, erzählt die im ukrainischen Dnipro (früher Dnipropetrowsk, eine Million Einwohner, viertgrößte Stadt, liegt ein bisschen östlich des Landeszentrums) geboren und bis zum Ende der Volksschulzeit aufgewachsene Tänzerin.

Tabea (13) hat doch deutlich später als die vorangegangenen Interviewpartner_innen zu tanzen begonnen „mit 5 hab ich den ersten Ballettkurs gemacht, jetzt mag ich vor allem Modern und Ballett.“

Nicht nur ganz früh

Aber nein, es dürfen nicht nur (ganz) früh Tanz-Berufene diesen Zweig besuchen. Die 13-jährige Mireia tanzt erst seit wenigen Jahren. „Ich hab so mit neun oder ungefähr 10 Jahren angefangen. Über meine Volksschullehrerin hab ich von dieser Schule erfahren, wir haben da im MuK eine Führung gehabt, ich hab das gesehen und fand das ziemlich cool. Vorher bin ich nur zu Hause zu Musik-CD einfach so herumgesprungen. Damals hab ich vor allem Pop gehört, das mag ich nicht mehr so sehr. Dann hab ich zu tanzen begonnen, damit ich die Aufnahmsprüfung schaff.“ Tanzlehrerin oder Choreografin nennt sie als ihre berufliche Perspektive.

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MUK/tanzt/juniors
Vorbereitungslehrgang Tanz

Stücke aus den Unterrichtsfächern Klassischer -, zeitgenössischer -, Historischer- und CharakterTanz, Akrobatik und Rhythmik.

Junge Tänzer_innen:
Laura Andrić, Korbinian Aubrunner, Sophia Been Frgaičić, Clarissa Beisteiner, Sophie Bittmann, Erica Botgros, Sara Meryem Çelik, Lea Grethe, Lara Hajek, Maria-Alexandra Hilbert, Najla Ibrahimović, Vien Anna Langenecker, Laura Leiner, Anouk Leisch, Philine Leppa, Sophie Mac Gregor, Sophie Manieri, Darta Martinsone, Mireia Ilona Miltner, Louise Mizobuchi, Marlene Moraru, Anja Muhr, Alma Neudecker-Kobald, Pia Pfeiffer, Magdalena Pokorny, Diana Ponomarová, Marek Pospisil, Isabella Angeline Precilla, Iman Naomi Roka, Neve-Monet Roka, Jara Pemala Saidy, Johanna Schmidt, Lia-Kassandra Schuster, Magdalena Schütz, Leonie Silhanek, Marija Simović, Stella Spiola, Miyu Takahashi, Annelie Fiona Vanicek, Leah Pauline Wagner, Zoe Wagner, Catleen Weinzettl, Jessy Yang, Yuliia Yartsewa, Sina Zack

Lehrende:
Gabriele Haslinger, Margit Legler, Lucian Necsa, Nora Schnabl-Andritsch, Jolantha Seyfried, Nina Swoboda, Marijke Wagner, Matilde Ceron (Gästin)

Wann & wo?
17. März 2020
16 und 19.30 Uhr
MuTH – Konzertsaal der Wiener Sängerknaben: 1020, Am Augartenspitz 1
Telefon: (01)347 80 80
tickets@muth.at

MuTh -> MUK tanzt juniors

Vorbereitungslehrgang Tanz

Der Studiengang Tanz bietet einen fünfjährigen Vorbereitungslehrgang für die Altersstufe der 10*—15jährigen an. Zielsetzung ist die möglichst frühe und umfassende Ausbildung von körperlich und künstlerisch außerordentlich begabter Studierenden vor deren Eintritt in das BA Zeitgenössischer und Klassischer Tanz. Das zentrales künstlerisches Fach ist Klassischer Tanz. Weitere ergänzende Fächer (Zeitgenössischer Tanz, Improvisation, Repertoire, Künstlerische Projektarbeit, Akrobatik, Gymnastik, Rhythmik, Historischer Tanz und Charaktertanz) gewährleisten eine umfassende tänzerische und künstlerische Vorbereitung auf das Berufsstudium.

Schulabschluss / Matura

Österreichweit einzigartig ist die Möglichkeit das universitäres Tanzstudium und den Schulabschluss (BG und BRG Boerhaavegasse, 1030 Wien mit möglichem Internat) in einem gemeinsamen Programm zu absolvieren.

Vorbereitungslehrgang Tanz
Dauer: max. 5 Jahre                                                
Mindestalter: 10 Jahre
Höchstalter: 15 Jahre

Anmeldeschluss Vorbereitungslehrgang Tanz:
17. Mai 2020
Info dazu:
Boerhaavegasse.at