© Felicitas Horstschäfer, Thienemann Verlag

Kiku
03/05/2021

Jugendbuch: "Ich will, dass du die Welt siehst. Und dich an sie erinnerst."

Ein berührendes Jugendbuch über den Umgang mit Tod und der Einsamkeit, die er hinterlässt.

Seit Sannas Mutter gestorben ist, ist alles anders. Ihr Vater ist in seiner Trauer und Depression gefangen, zieht sich immer mehr zurück und lädt damit die ganze Verantwortung seiner 14-jährigen Tochter auf. Und seit die schöne Mitra in Sannas Klasse geht, fühlt sie sich auch von ihrer besten Freundin Mie verlassen. Aber Sanna ist stark, sie kümmert sich um den Haushalt, darum, dass ihr Vater genug isst und trinkt und seine Ruhe hat. Während das Leben der anderen weitergeht, überspringt sie alles, was zum Erwachsenwerden dazugehört – die ersten Partys, Modetrends, Jungs. 

Erst als Yousef in ihre Klasse kommt und Sanna im Kasten ihrer Mutter eine Kamera findet, versucht sie wieder am Leben teilzunehmen. Sanna erinnert sich an die Worte ihrer Mutter: „Ich will, dass du die Welt siehst. Und dich an sie erinnerst.“ Jedoch fühlt sie sich schon so lange unsichtbar – zuhause und auch in der Schule – dass es ihr schwerfällt, das erste Bild zu knipsen und somit den ersten Schritt zu tun. Yousef, der ihr Interesse für Fotografie teilt, hilft ihr dabei: Eine Einwegkamera, mit der beide abwechselnd Fotos schießen, soll Sanna helfen ihre Hemmungen zu verlieren. Und das tut es auch. Aber nicht nur das: Sanna verliebt sich in Yousef, der allerdings nur auf sie zukommt, wenn niemand es sieht. Denn in der Schule ist er Teil von Mies neuer Clique und bald auch der Freund von Mitra.

Und dann kommt dieser Tag, an dem Mitra Sanna in der Schule nicht nur verletzt und demütigt, sondern auch die Kamera ihrer Mutter zerstört. Und an dem ihr Vater dehydriert ins Krankenhaus geliefert wird. Daraufhin verkriecht sie sich zwei Wochen in der Wohnung, ohne zu wissen, was mit ihrem Vater ist und lehnt jede Hilfe ab. Erst als sie beschließt, allen zu beweisen, dass sie alleine zu Recht kommt, bemerkt sie, dass es Menschen gibt, denen sie wichtig ist.

Einfühlsam vermittelt die Autorin Neda Alaei die emotionale Grundstimmung der Geschichte – wie es ist, sich unsichtbar zu fühlen, wie sich Sannas Vater still durch die Wohnung bewegt, ohne seine Tochter zu bemerken, wie Sanna es schließlich schafft, ihre Gefühle ins Bild zu setzen und somit Yousef daran teilhaben lässt. Ein berührendes Buch über den Tod und die Einsamkeit, die er hinterlässt.

jugendliteratur.at

Idee und Text: Neda Alaei
Aus dem Norwegischen übersetzt von: Stefan Pluschkat
Zwischen uns tausend Bilder
Umschlaggestaltung: Felicitas Horstschäfer

224 Seiten
ab 12 Jahren
Thienemann Verlag
14,40 €

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