Für "Flowganiser" arbeiteten fünf Schulen zusammen

Lesly Uwase, Kori Swiggers und Robbi Verhoeven aus dem belgischen Leuwen zeigen ihren Schreibtisch-Organiser - Produkt einer Kooperation mti Schulen mehrerer Länder
Besuch bei Ständen aus Belgien, Russland, Norwegen und Tschechien bei der internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse in Wien.

Ein hübsches, ökologisches und noch dazu sehr praktisches Dekoteil für Schreibtische ist „Flowganiser“. Schon der Name deutet einiges an: Neben Stiften, Büroklammern und anderem Nützlichen ist in dem handlichen, formschönen Organiser auch Platz für eine Pflanze. Mit diesem Produkt präsentierten sich belgische Jugendliche bei internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse am ersten Märzsamstag in der Mall Wien Mitte.

Seit Jahrzehnten gibt es das Projekt der Junior-Firmen: Für ein Schuljahr gründen Jugendliche ein Unternehmen, das – im Gegensatz zu den Übungsfirmen in Handelsschulen/-akademien und HLW – ganz real wirtschaftet. Produkte oder Dienstleistungen werden angeboten und gegen Bares an Konsument_innen gebracht. Nationale und internationale Wettbewerbe – samt Messen – sind Teil des vor rund 100 Jahren in den USA erfundenen Projekts, praxisnahen Wirtschafts-Lernens.

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Die Fahnen symbolisieren die beteiligten Länder an dem blumenhaltigen Schreibtisch-Organiser

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Für "Flowganiser" arbeiteten fünf Schulen zusammen

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Internationale Zusammenarbeit

Das Besondere am Flowganiser, kreiiert von Schüler_innen einer durchschnittlichen High School aus Leuwen, ist nicht nur, dass er wie ein Puzzle aus Holzteilen selber zusammengefügt werden kann. Sie haben die Teile auch selber in der Schule mit einem Laser-Cutter hergestellt – und dabei mit spezieller Schnitttechnik das Holz an vier Stellen biegsam gemacht. Das fertige Stück ist trotz allem „nur“ ein „Nebenprodukt“, wie Lesly Uwase, Kori Swiggers, Robbi Verhoeven und Gudrun Hiers dem Kinder-KURIER anvertrauen. „Beim ersten Brainstormen kamen wir drauf, wir wollten ein internationales Produkt herstellen“, so die vier Vertreter_innen der Juniorfirma YELL (Developing Young Entrepreneurs by running a mini-company on a European learning level). „Wir haben uns dann über eine Forum-Seite im Internet Schulen in Italien, Rumänien, Bulgarien und Norwegen gesucht, die mit uns gemeinsam auch an Teilen für den Flowganiser arbeiten. Aus Italien (von einer technischen Schule) kommt ein Sensor für die kleine Topfpflanze, die rumänische Schule schickt eine biologische Seife, Bulgarien (aus einer tierärztlichen Schule) steuert Saat-Papier bei und Norwegen eine kleine Box mit biologischem Wachspapier.

Die Produktion, so die vier Belgier_innen, „dauert nur 15 Minuten, 70 Stück haben wir bisher produziert, rund 60 davon verkauft“.

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Statt Schampoo aus Plastikflaschen mit Mikroplastik verkaufen die Norwegerinnen selbst hergestellte ökologische Shampoo-Seife

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Shampoo-Seife ohne (Mikro-)Plastik

Wie können wir auf die Verschmutzung der Meere durch Plastik hinweisen, sie verringern und daraus noch dazu ein Geschäftsmodell entwickeln? Diese Frage stellten sich Sofie Ramirez Bjerke, Hanna Eiden Skovly, Sara Ingeborg, Hansen Fixdal und Emilie Nilsen Marte aus einem Gymnasium in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Und gründeten die Juniorfirma „Plan Sea“. Eines der Produkte, präsentieren sie bei der internationalen Handelsmesse in Wien: Eine – papierverpackte – Shampoo-Seife. Als Gegensatz dazu steht am Stand ein handelsübliches Shampoo in einer Kunststoffflasche. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass in vielen herkömmlichen Shampoos und Wash-Lotions nicht nur die Verpackung aus Plastik ist, sondern im Inhalt auch Mikroplastik.

Die grundsätzliche Entscheidung, so die vier Schülerinnen zum Kinder-KURIER „war uns bald klar, aber dann hat’s doch noch zwei Monate gedauert, bis wir die richtige Mischung für die Seife nach vielen Versuchen hatten, die für alle Haartypen geeignet ist“.

Übrigens spendet diese Junior-Company einen Teil der Einnahmen aus ihren Produkten an eine norwegische Organisation zur Ozean-Reinigung. Der Werbespruch von „Plan Sea“: velære med god samvittighet (Wohlbefinden mit gutem Gewissen).

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Brauchbare Gegensände aus alten Stoffen stellte diese Juniorfirma aus Russland her

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Wunderbare Handarbeiten

Taschen, Schürzen aber sogar ein Bilderbuch produzierten produzierten Jugendliche aus dem zentralrussischen Plavsk (Bezirk Tula) aus alten Hosen, Kleidern und anderen Stoffen. Das Bilderbuch aus Stoff hat sogar auf manchen Seiten Dinge, die per Klettverschluss von einer Stelle weg- und an eine andere hingesetzt werden können, beispielsweise Blumen – per Klettverschluss. Und solche Bücher können natürlich auch angepatzt, weil gewaschen werden, wie Ekaterina Lepekina, Daria Zvonareva und Aleksandra Belokoneva von der Juniorfirma „Wonderful Workshop“ (Iudecnaja masterskaja/wunderbare Werkstatt) dem KiKu vorzeigen – nicht das Anpatzen und Waschen, sondern nur das Versetzen einiger Teile in Bildern.

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Kakteen und andere Sukkulenten - in Holzbehältern bzw. Blumentöpfen aus recycelten Konservendosen - aus Tschechien

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Natur im Zimmer

Aus Tschechien reisten zwei Juniorfirmen zur internationalen Handelsmesse nach Wien-Mitte. Die Schüler_innenfirma „Succu Decor“ aus Hradec Králové (Nordost-Böhmen) kooperierte mit einem professionellen Unternehmen zur Begrünung von Flachdächern. Tereza Bezdičková, Nela Dostálová und Matej Klikar produzierten aus alten Konservendosen Blumentöpfe, die sie mit unterschiedlichsten Sukkulenten bestückten. Die bekanntesten Arten der Kategorie Sukkulente sind Kakteen. „Damit kannst du dir ein Stück Natur ins Zimmer holen und diese Pflanzen brauchen nicht viel Wasser, sind auch sonst eher genügsam und pflegeleicht“, so das Trio.

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Wer ein Armband kauft, unterstützt eine Hilfsorganisation - bei "Bonum" aus Prag

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Armbänder, die helfen

Lenka Plna, Aleš Tajchmann und Anny Megan Love von der Prager Juniorfirma „Bonum“ fädelten Perlen auf Schnüre und machten daraus Armbänder. Sieben verschiedene Farben sind im Angebot. Die Jungunternehmer_innen hatten von Anfang aber die Idee, ein Drittel der Einnahmen nicht für die eigene Firma zu verwenden. „Bonum“ – daher auch der Name (lateinisch für gut) unterstützt sieben verschiedene Hilfsorganisationen, vor allem solche, die sich im Sozial- und Umweltbereich engagieren. Für die internationale Handelsmesse „haben wir eine eigene, achte limited edition produziert – für Tiere in Australien, die unter den großen Buschbränden vor wenigen Monaten gelitten haben“.

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