Szenenfoto aus "Fressen"

© wytyczak

Kiku
02/27/2020

Fühl dich wohl in deinem Körper!

Ein wunderbar lustvolles Schau-Spiel gegen Aussehens-Vorschriften und Ess-Ge- bzw-. Verbote von Henrike Iglesias.

von Heinz Wagner

Ein großes monsterartiges Maul mit spitzen Zähnen dominiert die Bühne im Hintergrund – links und rechts glitzernde Schnürlvorhänge. Aus dem Maul kommen die Darstellerinnen immer wieder – oder verschwinden in ihm. „Fressen“ heißt die mitreißende, lustvolle Show des queerfeministischen Theaterkollektivs Henrike Iglesias (Berlin und Basel) mit der genussvollen Botschaft: Pfeif auch alle dezidierten oder auch unausgesprochenen Ess-Verbote und Aussehens-Gebote. Fühl dich wohl in deinem Körper und lass dir keine Diäten aufschwatzen, einreden oder gar aufbrummen.

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Fleisch-Print und Küchen-Show

Botschaften, die selten zuvor so witzig und sinnlich „verbraten“ worden sind. In Fleisch-Print-Kostümen agiert das Trio, das auch beim Konzept mitgewirkt hat - Laura Naumann, Marielle Schavan, Sophia Schroth – zwischen Herd, Mikrowelle und Mixer. Sie spielen, kochen, mixen, tanzen, springen, reden, rufen, schreien sich Frust über vielfache Aussehens-Zwänge, mit denen sich noch immer vor allem Frauen konfrontiert sehen, von der Seele, von Leib und Herz.

Wie so manche Show-Formate ironisiert werden, so baut die Performance auch Zitate aus Filmen – gruselige tauchen nur die Hände mit Messer, Fleischschlegel usw. aus dem Vorhang auf – oder Märchen (Gold- und pech-Marie) ein.

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Wett(fr)essen

Dabei persiflieren sie Koch- und andere Show, starten beispielsweise mit einem Gurken-Wettessen – drei unterschiedliche Arten der Vorbereitung. Die eine hackt nach wildem Schälen wild und stopft die Stücke in den Mund, eine Zweite beißt von der ganzen Gurke möglichst große Stücke ab und die Dritte schummelt, indem sie beim Schälen die Gurke selber gleich viel dünner schneidet. Ach, Gurken haben, so dozieren die Performerinnen, „Minus-Kalorien“ – beim Verbrennen im Körper würden mehr Kalorien verbraucht, als das wässrige Gemüse hat.

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Lustvoll

Ein kleiner Sack voller Erdäpfel (neben Quitten und Sanddorn mitunter Zitronen des Nordens genannt) wird liebevoll wie ein Baby getragen und geschaukelt, bei einem Quizspiel „Wahrheit oder Wahrheit?!“ stopfen die Performerinnen Chips in sich bevor sie Chips mit Mayonnaise bestreichen und mehrere Schichten Senf-Chips schnabulieren. Halbwegs frisch gekochte Spaghetti al dente werden für eine des Trios zum absoluten Lustobjekt – sie verschlingt sie Händeweise und reibt sich den halben Körper damit fast erotisch ein.

Ein Merksatz aus der rund einstündigen Performance im Dschungel Wien: „ich hab kein‘ Bock mehr, zu glauben, dass ich auf eine bestimmte Art und Weise aussehen muss, um glücklich zu sein.“

Und ein zweiter viel größerer, zweiteiliger: „Je mehr Verbote, desto kleiner die Welt, / je mehr Gefühle, desto größer die Welt.“

Auf die Fresse, fertig, los! – So das Kommando der Drei für einige der (Wett-)Spielchen in der Show, die sie damit beenden, dass sie alle möglichen Gemüse-, Obst-Stücke in den Mixer schmeißen und den „Smoothie“ in kleine Becherchen füllen und mit dem Publikum teilen.

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Fressen
Henrike Iglesias
Performance: Ein szenisches Manifest gegen Bodyshaming
Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und dem jungen theater basel präsentiert von brut Wien & Dschungel Wien
ab 15 J., eine Stunde

Konzept: Henrike Iglesias (Eva G. Alonso, Anna Fries, Laura Naumann, Malu Peeters, Marielle Schavan, Sophie Schroth
Text, Performance: Laura Naumann, Marielle Schavan, Sophia Schroth

Licht-, Videodesign: Eva G. Alonso
Musik, Sounddesign: Malu Peeters
Bühne: Anna Fries & Eva G. Alonso
Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff

Produktion: ehrliche arbeit — freies Kulturbüro

Wann & wo?
Bis 28. Februar 2020
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
Dschungel wien -> Fressen

Henrike Iglesias

Events.at -> Fressen

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