Szenenfoto aus "Intonation der Stille"

© Bettina Isabella Zehetner

Kiku
03/02/2020

Der Versuch, stille Schreie hörbar zu machen

„Intonation der Stille“: Schauspiel und Live-Musik zeigen einen exemplarischen Fall sexueller Ausbeutung von Kindern in der Familie.

von Heinz Wagner

Vor der Kulisse von großen Stoffteilen, die an Berggipfel ebenso erinnern wie an eine Zeltlandschaft spielen drei Schauspielerinnen und eine Pianistin über weite Strecken eine heftige Geschichte in ruhigen, leisen Tönen – sowohl die gesprochenen als auch die musizierten. Die Grundgeschichte kann durchaus vorweggenommen werden, weil sie schon im Ankündigungstext nur leicht verklausuliert und in der Inszenierung schon bald zu erahnen ist: Die junge Musikerin Chrisi (Jona Moro) wird von ihrem Vater gefördert, vergöttert. Er bevorzugt sie extrem gegenüber ihrer Schwester Lillie (Saskia Norman), was diese sehr verletzt.

Aber der liebende, kumpelhafte Vater hat Chrisi noch viel heftiger verletzt. In seiner „Liebe“ wurde er mehr als übergriffig, hat sie miss … - mehr wird nie direkt ausgesprochen aber klar mehrfach angedeutet. Das wird der jungen Musikerin aber erst spät wirklich bewusst, vor allem als sich eine Beziehung zu Anna anbahnt.

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Mehr Vertrauen in die leisen Töne

So manches aus den Mechanismen sexueller Ausbeutung kommt zur Sprache: Bewahre das als unser Geheimnis, sonst zerstörst du alles usw. Das lange Zeit Überwiegen der positiven, liebevollen Begegnungen im Spiel, in Abenteuerwochenenden, das es noch viel schwerer macht, die Übergriffe zu erkennen, sich distanzieren zu können …

Das Wechsel- und Zusammenspiel zwischen eher leisem Schauspiel und die Live-Musik (Eula Lee), die dieses begleitet und untermalt, durchzieht die rund eineinhalb Stunden, geht möglicherweise auch deswegen viel stark unter die Haut. Insofern läuft vielleicht die allzu große Durchsichtigkeit, worauf das Stück hinzielt und so manche dann doch erklärende Passage fast ein bisschen der „Intonation der Stille“ zuwider. Da könnte doch ein wenig mehr auf die Kombinationsgabe des Publikums vertraut werden, auch aus den vielen leisen Tönen und Andeutungen, die Schlüsse zu ziehen.

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Szenenfoto aus "Intonation der Stille"

Intonation der Stille
fungke*kunstkollektiv

Regie & Text Katharina Dungl
Es spielen:

Chrisi: Jona Moro
Anna: Valerie Anna Gruber
Lillie: Saskia Norman
Live-Klavier-Musik: Eula Lee

Klaviermusik von Fanny Hensel (1805 – 1847), Johanna Senftner (1879 – 1961), Lili Boulanger (1893 – 1918), Elisabeth Lutyens (1906 – 1983)

Co-Konzeption & Dramaturgie Jona Moro
Choreographie Isabella Schiemer
Bühne & Kostüm Caroline Wiltschek
Lichtdesign: Clara Zeiszl
Technik: Jochen Schmidtberger

Wann & wo?
8. und 9. März 2020, 19.30 Uhr
Theater Arche: 1060, Mümnzwardeingasse 2a
Ticketreservierung: info@fungke.at

Theater Arche -> Intonation der Stille

Fungke -> Intonation der Stille