© Heinz Wagner

Kiku
08/20/2019

Auf und Ab an demokratischen und Frauenrechten

Festveranstaltung zum 100. Geburtstag der Unabhängigkeit Afghanistans in der Wiener VHS-Donaustadt.

von Heinz Wagner

Wenige Wochen vor der Parlamentswahl am 27. September feierten Afghan_innen in aller Welt den 100. Geburtstag der Unabhängigkeit ihres Landes am 19. August. So manche der Feierlichkeiten wurden von Terroranschlägen im Land selbst übers, chattet. Zunächst wurden bei einer Hochzeit in Kabul wenige Tage vor dem Jubiläum mehr als fünf Dutzend Menschen getötet. Am nunmehr zum offiziellen Feiertag erhobenen Unabhängigkeitstag selbst wurden fast ein Dutzend Sprengsätze in der Provinz Nangarhar (im Osten des Landes) gezündet, die mehr als vier Dutzend Menschen das Leben kosteten.

In Wien fand in der Volkshochschule Donaustadt eine sehr inhaltsreiche Festveranstaltung des Sport- und Kulturvereins Afghan WULAS (afghanisches Volk in der Sprache Paschto) statt. Bevor die Band Hafiz Karwandgar – für die Kinder im Publikum ein wenig zu laut – aber mitreißend aufspielte und manche zum Tanzen animierte, boten die Referent_innen spannende Überblicke über die Geschichte des Landes. Afghanistans Botschafterin in Österreich Khojesta Fana Ebrahimkhel meinte – wie eine Woche zuvor beim großen afghanischen Sport- und Kulturfest – solange der Amu Darya das Land durchfließe und der Hindukusch es umarme, bestehe noch/wieder Hoffnung. Österreich, das sie lobte, erinnere sie von der Topografie mitunter an ihr Heimatland.

Sehr informative Vorträge

Der aus Australien angereiste Dr. Noor Ahmad Khalidi schilderte die wechselvolle Entwicklung bis zur Unabhängigkeit. Diese - nach dem dritten britisch-afghanischen Krieg – konnte allerdings die sogenannte Durand-Linie nicht in Frage stellen. Die Briten hatten 1893 das Siedlungsgebiet der Paschtunen mit dieser Linie geteilt und den südlichen Teil der damaligen britischen Kronkolonie Indien (heute Pakistan) zugeschlagen. Dies war auch einer der Diskussionspunkte nach den Referaten.

Frauenrechte: Auf und Ab

Die vielsprachige Rechtsberaterin und Sozialpädagogin Nahida Safi beschäftigte sich mit den Frauenrechten. Für die schaute es nach der Unabhängigkeit zunächst nicht schlecht aus. Zumindest formal wurde die Gleichberechtigung der Geschlechter ebenso beschlossen wie das Selbstbestimmungsrecht in Heiratsfragen. Insgesamt wurden Schulen – auch für Mädchen – ausgebaut, samt internationaler Vernetzung bzw. fremdsprachigen Oberschulen. Aber selbst zu dieser Zeit war – wie eine Diskutantin anmerkte – Polygamie nicht abgeschafft. Für Staatsbedienstete wurde sie schon verboten.

Frauenrechte wurden insbesondere in der Ära nach den sowjetfreundlichen Regierungen, in den sie ausgebaut worden waren, extrem reduziert. Frauen standen in der Zeit der Taliban-herrschaft praktisch unter Hausarrest. Auf die Straße durften sie nur mehr in Begleitung eines sogenannten Mahrams (Vater, Ehemann, Bruder, Onkel…).

Zwischen Modernismus und Reaktion

Schließlich referierte Amin Dariz aus Österreich die hundertjährige Geschichte des unabhängigen Landes als Hochschaubahn zwischen Modernisierungsbestrebungen – wobei mitunter auf die Verbesserung der sozialen Lage vor allem auf dem Land „vergessen“ wurde – und reaktionären Rückschlägen.

Detailliert finden sich einige der historischen Stationen auf Folien in den Foto-Strecken oben.

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