Mit Zug und Druck wird die Klienting behandelt. Danach fühlt man sich gerader

© Kurier/Franz Gruber

gesunheit
06/16/2019

Wo Zug und Druck zum angenehmen Schmerzerlebnis führt

Schon vor 70 Jahren hat Ida Rolf die Bedeutung der Faszien erkannt und eine eigene Methode entwickelt, die bis heute aktuell ist

von Dorothe Rainer

Wiederkehrende Verspannungen im unteren Rücken  führen die 40-jährige Marion in die Praxis von Eva-Maria Danko-Bodenstein. Die Physiotherapeutin ist seit 17 Jahren auch Rolferin. Die mehrjährige Zusatzausbildung hat sie gemacht, weil sie der ganzheitliche Ansatz interessiert hat:

Ida Rolf entwickelte das Konzept, um den Körper dabei zu unterstützen, sein ganzes Potenzial auszuschöpfen.“ Genau das Richtige für Marion, die seit dem Umknicken vor Wochen zwar kein Problem mehr mit dem Knöchel hat, aber im Rücken zwickt es seither.

 


Die Rolferin macht sich ein Bild über die aktuelle Situation, schaut sich an, wie Becken und  Wirbelsäule in Bewegung reagieren. Die Klientin ist dabei  in Unterwäsche: „Das ist notwendig, um mir ein genaues Bild zu machen von Kopf bis Fuß“, erklärt Danko-Bodenstein. Sie hat festgestellt, dass sich durch die Schonhaltung etwas im natürlichen Bewegungsablauf von Marion verändert hat und sich so Verspannungen gebildet haben.

Intensiv, aber aushaltbar

Nachdem sich die Klientin auf die Liege gelegt hat, beginnt die Rolferin mit der eigentlichen Behandlung, bei der das tief liegende Gewebe dreidimensional bearbeitet und Stück für Stück förmlich ausgewrungen wird. „Lasse ich im Druck nach, kann sich das Gewebe wieder mit frischer Flüssigkeit füllen. Es wird richtig durchgespült“, sagt  die  Rolferin.  Die Behandlung ist zwar intensiv, aber der Schmerz aushaltbar, wie auch Marion bestätigt: „Wenn, dann ist es ein angenehmer, weil erleichternder Schmerz“.

Ist das  Bindegewebe  nach einer Sitzung wieder weicher und beweglicher, kann sich der Körper selbst helfen und korrigieren, so der ganzheitliche Ansatz der Methode. Empfohlen werden zehn Einheiten im Abstand von mehreren Wochen, um den ganzen Körper zu "rolfen".

Reine Handarbeit

Rolfing  wird idealerweise bei gesunden Menschen eingesetzt, die  ihre Körperwahrnehmung verfeinern und an ihrer Körperhaltung arbeiten möchten. Ida Rolf hatte schon vor 70 Jahren die Bedeutung der Faszien erkannt, seit einigen Jahren hat sich  dazu ein richtiger Boom entwickelt. Allerdings können diverse Hilfsmittel wie Faszienrollen keine manuelle Behandlung ersetzen. Danko-Bodenstein betont: „Es ist unser Handwerk  zu  spüren, wie das Gewebe reagiert und sich exakt darauf einzustellen, ohne unnötigen Schmerz und damit noch mehr Spannungen zu verursachen.“ Mit einer mechanischen Rolle kann man das niemals erreichen.

Info:

Eine Rolfing-Einheit dauert 60 oder 90 Minuten. Empfohlen werden 10 Sitzungen im Abstand von mehreren Wochen.  Die Klienten müssen sich bis auf die Unterwäsche ausziehen.
www.rolfingphysio.at; www.marionreiff.at

Wer war ... Ida Rolf

Die 1896 in New York geborene Ida Rolf studierte Biochemie an der Columbia University und schloss 1920 als eine der ersten Frauen mit dem Doktortitel ab.

Als Wissenschaftlerin studierte sie vor allem die Eigenschaften des menschlichen Bindegewebes. Daneben beschäftigte sie sich mit Yoga, Osteopathie und Homöopathie. Aus  Interesse und durch chronische Krankheiten in der Familie motiviert, begann sie, Menschen zu beraten und mit ihnen zu arbeiten.

Zunächst gab sie  ihre Erfahrungen an interessierte Ärzte weiter und so wurde ihre Methode in den USA immer populärer.  Sie schrieb Artikel und Bücher. 1979  starb sie mit 83 Jahren in ihrer Heimatstadt.