Gesund
21.11.2018

Wie 30 Prozent Lungenfunktion für den Aufstieg zur Türmerstube ausreichen

Für den COPD-Patienten Eberhard Jordan war der Aufstieg eine seiner größten Herausforderungen. Training und eine neue Therapie machten es möglich.

„Es ist sehr gut gelaufen, ich habe einen Super-Rhythmus gefunden“:  Noch leicht außer Atem, aber glücklich und erleichtert ist Mittwochvormittag der Künstler Eberhard Jordan, 56,  nach 343 Stufen in der Türmerstube des Stephansdoms angekommen.  Ein Riesenerfolg: Bei Jordan wurde im Jahr 2000 die  chronische Lungenkrankheit COPD diagnostiziert. In seinem mittlerweile fortgeschrittenen Stadium beträgt sein Lungenvolumen nur mehr rund 30 Prozent im Vergleich zu einem gleichaltrigen gesunden Menschen. „Ich freue mich, dass ich es geschafft habe. Damit will ich zeigen, was man trotz dieser Krankheit noch erreichen kann. Im Jahr 2014 habe ich es gerade geschafft, in Begleitung meiner Tochter um die Hausecke zu gehen.“

Mit unheilbarer Lungenkrankheit auf den Stephansdom

„Das heute war für ihn ein  persönlicher K2,  der zweithöchste Berg. Der Mount Everest ist dann der Donauturm“, sagt  der Lungenfacharzt Arschang Valipour, ärztlicher Leiter der Bronchologie des Otto-Wagner-Spitals. Bei den 343 Stufen zur Türmerstube kommen auch Gesunde ins Schnaufen: Die Stufen sind immerhin 19 Zentimeter hoch – das fordert den Körper.

Ein dreiviertel Jahr hat sich Jordan auf den heutigen Tag vorbereitet: „Drei Mal in der Woche trainiere ich zuhause – Ausdauer auf dem Ergometer, Kraft und Atmung.“  Einmal in der Woche geht er in die Therme Wien Med, die auf ambulante Lungenrehabilitation spezialisiert ist: „Wir haben mit ihm speziell das Stiegensteigen und die Atemrhythmik trainiert“, sagt der Physiotherapeut Martin Gütlbauer. „Von seiner heutigen Leistung war ich persönlich sehr überrascht. Bei einem Test vor drei Wochen ist es ihm nicht so gut gegangen, obwohl es wärmer war“ – was das Atmen erleichtert. „Und er ist heute fast alles in einem Zug durchgegangen.“

Jordan hat neben dem Training und Medikamenten auch eine relativ  neue Therapie geholfen: Kleine Ventile, die in den erkrankten Teil der Lunge implantiert werden.  In diesem  Lungenteil blähen  sich die Lungenbläschen durch Lufteinschlüsse auf („Lungenemphysem“), der Sauerstoffaustausch ist reduziert.  „Die Ventile verschließen die Luftzufuhr zum kranken Teil der Lunge ,  mehr Sauerstoff gelangt dadurch in den gesunden Teil, die Lungenfunktion verbessert sich“, sagt Valipour. Das Otto-Wagner-Spital ist bei dieser Methode führend und in Wien das einzige Zentrum, das sie durchführt.

Auch bei Jordan ist nach der Implantation das Lungenvolumen gestiegen – auf etwas über 30 Prozent. Erst dadurch wurde – in Kombination mit dem Training – die heutige Leistung möglich.

Rund 400.000 Österreicher sind von COPD betroffen, rund 50.000 sind in einem derart fortgeschrittenen Stadium wie Jordan. Hauptrisikofaktor ist Rauchen, gefolgt von Passivrauchen und Feinstaubbelastung. "Ein Ganzkörpertraining - Ausdauer, Kraft und Atemmuskulatur - ist bei dieser Erkrankung besonders wichtig", sagt die Internistin Elisabeth Czuchajda von der Therme Med Wien.

Übrigens: Nächstes Jahr will Jordan tatsächlich auf seinen persönlichen Everest, wie es der Mediziner Valipour ausgedrückt hat: „Mein Ziel ist der Donauturm. Und damit will ich alle COPD-Patienten motivieren und ermutigen.“