Warum manche Frauen trotz Pille schwanger werden

doctor's hand  holding the birth control pills
Oft wird Frauen Schuld gegeben, dass sie hormonelle Verhütungsmittel nicht richtig anwenden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass das nicht der Fall sein muss.

Schwanger trotz Pille – US-Forscher haben  eine mögliche Ursache entdeckt, warum Frauen manchmal schwanger werden, obwohl sie hormonelle Mittel korrekt anwenden. Die Wissenschafter der Universität Colorado stellten fest, dass bei einigen Frauen eine bestimmte Genvariation dafür verantwortlich sein könnte. Die 350 untersuchten Frauen waren im Schnitt 22,5 Jahre alt und hatten für 12 bis 36 Monate ein Hormonstäbchen implantiert. Bei fünf Prozent der Frauen war das Gen CYP3a7 aktiv. Normalerweise sollte es noch vor der Geburt ausgeschaltet werden – bei den Betroffenen produzierte es jedoch weiterhin ein Leberenzym. „Dieses Enzym zerstört die Hormone bei der Verhütung und kann zu einem erhöhten Schwangerschaftsrisiko führen, insbesondere bei Methoden mit niedriger Dosis“, sagt Studienautor Aaron Lazorwitz. Bei fünf der betroffenen Frauen war der Hormonspiegel dadurch zu niedrig, um einen Eisprung zu verhindern.

"Dieses Enzym zerstört die Hormone bei der hormonellen Verhütung und kann bei Frauen dann zu einem erhöhten Schwangerschaftsrisiko führen, insbesondere bei Methoden mit niedrigerer Dosis", sagte Lazorwitz. Die Ergebnisse würden zeigen, dass Frauen, die trotz hormoneller Verhütung schwanger werden, nicht selbst schuld sein müssen, weil sie ein Mittel falsch verwendet haben.

Für Christian Egarter, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der MedUni Wien, ist das ein bekannter Effekt: „Nicht jede Frau, die diese Genvariation aufweist, wird tatsächlich schwanger.  Individuelle Schwankungen hängen  von mehreren Faktoren ab.“ Dazu zählt etwa, wie gut die Hormone im Darm aufgenommen werden, das Körpergewicht oder tagesabhängige Schwankungen des Stoffwechsels. Bei Fettleibigkeit verteilt sich die Dosis etwa auf ein größeres Volumen und kann dadurch weniger wirksam sein.

Individuell verschieden

Der Leberstoffwechsel ist  nicht bei allen Menschen gleich – manche haben einen schnelleren, andere einen langsameren, so dass Medikamente weniger gut oder übermäßig wirksam sein können. Einfluss können auch Nahrungsmittel haben, bekannt ist etwa die hemmende Wirkung der Grapefruit. Egarter: „Auch Johanniskraut und andere gängige pflanzliche Stoffe können manche Leberenzyme verstärken und damit zu einem rascheren Abbau von Medikamenten führen. Bei manchen Frauen kann es dadurch zu gelegentlichen Problemen mit der Pille kommen.“

Das Risiko einer Schwangerschaft wird allerdings bei hormoneller Verhütung reduziert, indem Hersteller die enthaltenen Hormone etwa doppelt so hoch dosieren wie notwendig. Mit diesem „Sicherheitspolster“ sollen individuelle Unterschiede im Leberstoffwechsel ausgeglichen  werden. „Die neuen Erkenntnisse beunruhigen mich nicht. Gerade beim Hormonstäbchen weiß man, dass es mit Abstand die sicherste Methode ist. Die sogenannte Versagerrate – dass also trotz Verhütung eine Schwangerschaft eintritt – ist bei keiner Methode Null“, erklärt Egarter.

Inwiefern Gene die Reaktion einer Person auf Arzneimittel beeinflussen, wird erst seit wenigen Jahren untersucht. Die aktuelle Studie würde zeigen, dass die sogenannte Pharmakogenomik, die sich diesem Zusammenhang widmet, das Potenzial hat, weitere ähnliche Zusammenhänge aufzuzeigen.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Obstetrics & Gynecology veröffentlicht.

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