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Gesund
09/25/2018

Hämorrhoiden: Was wirklich hilft

Betroffene quälen sich oft monatelang bis sie sich einem Arzt anvertrauen. Dabei sind die Beschwerden gut behandelbar.

von Elisabeth Gerstendorfer

Jeder Dritte hat irgendwann einmal Probleme mit Hämorrhoiden und dennoch fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen. Betroffene leiden oft monatelang unter Beschwerden, bevor sie einen Arzt aufsuchen. „Der Volksmund versteht unter Hämmorrhoiden alle Symptome der Analregion. Hämorrhoiden sind aber kleine Gefäßkissen im Enddarm und Analkanal, die jeder hat. Sie können größer werden und zu Symptomen führen“, sagte Max Wunderlich, Darmspezialist und Chirurg bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Es kommt zu Blutungen, meist im Stuhl, Druckgefühl, Nässen der Darmschleimhaut sowie Juckreiz und Brennen. Bei großen und vorgefallenen Hämorrhoiden (Prolaps) können Schmerzen, etwa bei längerem Sitzen, und Inkontinenz auftreten, es können Spuren von Stuhl in der Unterwäsche sein. „Obwohl es viele Theorien über die Entstehung gibt, trifft keine von ihnen zu. Als einzige Ursachen gesichert sind Schwangerschaft und Geburt“, sagte Wunderlich.

Höheres Risiko nach Geburt

Etwa jede zweite Frau leidet während der Schwangerschaft oder danach unter Hämorrhoiden. „In dieser Zeit steigt das Risiko, dass sich die Gefäßkissen vergrößern und plötzlich zu schmerzen beginnen. Hormonell bedingte Veränderungen des Bindegewebes und der venösen Gefäße begünstigen dies“, erklärte Michael Elnekheli, Präsident des Berufsverbandes österreichischer Gynäkologen. Mangelnde Hygiene ist keine Ursache.

Die Therapie erfolgt sowohl bei Männern als auch Frauen gleich: Zunächst wird versucht, die Beschwerden mit Salben, Cremes, Zäpfchen oder Medikamenten zu lindern. „Pflanzliche Arzneimittel spielen dabei eine wichtige Rolle. Gefragt sind insbesondere desinfizierende, kühlende, entzündungshemmende und zusammenziehende Effekte“, sagte Apotheker Roman Kostiuk. Auch wundheilende und juckreizstillende Inhaltsstoffe kommen zum Einsatz. Die Wirkung mancher Pflanzen wird verstärkt, wenn sie mit bestimmten anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen kombiniert werden, etwa Kamille und Ringelblume (siehe unten). Kortison-haltige Mittel verschaffen ebenfalls Abhilfe – sie dürfen allerdings maximal sieben Tage verwendet werden.

Großer Leidensdruck

Kostiuk empfiehlt zusätzlich eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Flüssigkeit, vermehrte Bewegung sowie Pflege des Analbereichs. Feuchte Toilettentücher können die Haut zusätzlich reizen – die Reinigung mit Wasser ist ausreichend.

Nur wenn die genannten Mittel nicht helfen und der Leidensdruck der Patienten groß ist, werden die Gefäßknoten operativ entfernt. Bei der in Österreich häufigen HAL/RAR-Methode werden Blutgefäße, die Hämorrhoiden versorgen, ultraschallgezielt abgebunden und größere Knoten mit einer Naht gerafft. „Die Methode ist in den meisten Fällen mit wenig Schmerzen verbunden. Die Patienten sind sehr schnell wieder fit und können in den Arbeitsalltag zurückkehren“, meinte Michaela Lechner, Chirurgin und Oberärztin im Krankenhaus Göttlicher Heiland.

Bei anderen Verfahren werden die Knoten mit Laser oder chemischen Substanzen verödet. Beschwerden im Analbereich sollten laut den Experten jedenfalls abgeklärt werden, idealerweise vom Chirurgen oder einem Proktologen (Darmspezialist). Sie können etwa auch auf Darmentzündungen, Polypen oder kleine Einrisse der Darmschleimhaut hindeuten.

Empfohlene Heilpflanzen

Pflanzliche Substanzen werden vor allem in Form von Salben und Cremes zur Linderung von Juckreiz und Schmerzen eingesetzt. Dazu werden meist die ätherischen Öle, die Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) sowie seifenähnliche Inhaltsstoffe (Saponine) verarbeitet. Bei Hämorrhoidalleiden haben sich die Inhaltsstoffe aus Kamille, Ringelblume, Kornblume, Rosskastanie und Asiatischem Wassernabel bewährt. Bäder aus Eichenrinde oder Kamille wirken z.B. entzündungshemmend und stillen den Juckreiz. Zur Pflege der Analhaut eignen sich Mandel- und Jojobaöl.