Gesund
28.11.2018

Grippe-Impfung schützt nicht nur vor Influenza

Neue Daten: Bei Geimpften kann das Risiko halbiert werden, durch eine Infektion einen Herzinfarkt zu erleiden

Es scheint, als ob die Grippe-Impfung bisher unterschätzt wurde: Neuere Daten deuten darauf hin, dass sie möglicherweise vor mehr Folgen einer Influenza-Infektion schützen könne als bisher angenommen. So könne sie das Herzinfarktrisiko um etwa 50 Prozent senken, sagt Christoph Wenisch, Abteilungsvorstand für Infektions- und Tropenmedizin im Wiener Kaiser-Franz-Joseph-Spital.

Vor allem Risikogruppen sollten sich daher impfen lassen. „Fitte Erwachsene erholen sich meist nach ein bis zwei Wochen von den Symptomen, für Risikogruppen gilt das oft nicht“, betont Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin am Zentrum für Reisemedizin. Was Sie sonst noch über die heurige Grippe-Saison wissen müssen.

Was bringt eine Impfung?

Die Influenza-Impfung wird als „relative Impfung“ bezeichnet: Sie kann eine Erkrankung nicht zu 100 Prozent abwenden. „Aber sie kann vor – manchmal sogar tödlichen – Komplikationen schützen. Das ist das Wichtigste“, betont Kollaritsch. Am besten sollte man sich vor der Influenza-Saison, die meist Mitte Dezember startet, impfen lassen. Es dauert etwa zwei Wochen, bis der volle Schutz aufgebaut ist.

Wer soll sich impfen lassen?

Jährlich erkranken bis zu zehn Prozent der Erwachsenen und bis zu 20 Prozent aller Kinder an Influenza. Im vom Sozialministerium herausgegebenen Impfplan wird darauf hingewiesen, dass Säuglinge, Kleinkinder und Menschen ab 65 Jahren besonders für schwere Grippe-Verläufe gefährdet sind. In diesen Gruppen komme es zu den meisten Spitalsaufenthalten und Todesfällen durch Grippe. Ein hohes Risiko haben auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der chronischen Lungenkrankheit COPD sowie Schwangere und Transplantierte. Bei COPD-Patienten kann durch die Impfung die Anzahl der Anfälle um 37 Prozent reduziert werden, stellte das unabhängige Forschungsinstitut Cochrane Library fest.

Ab welchem Alter dürfen Kinder geimpft werden?

Die Influenza-Impfung wird vom Gesundheitsministerium ab dem vollendeten 6. Lebensmonat jährlich mit einem Vierfachimpfstoff empfohlen. Bis zum sechsten Lebensjahr ist eine Influenzainfektion häufiger Anlass für eine Aufnahme im Spital, da sich die Grippe bei Kindern oft durch Fieberkrämpfe, Atemnot und Austrocknung äußert. Auch für Kinder mit Asthma empfehlen Pulmologen eine Grippe-Impfung, da die Influenza-Viren die Wirkung klassischer Notfallmedikamente reduzieren können.

Welcher Impfstoff soll verwendet werdet?

Weil sich die Virenstämme alljährlich ändern, muss der Impfstoff an die kursierenden Viren angepasst werden – daher ist jedes Jahr eine neue Impfung notwendig. Das nationale Impfgremium empfiehlt heuer sowohl Kindern als auch Erwachsenen das Impfen mit einem Vierfachschutz. Er enthält je zwei Influenza-A- und Influenza-B-Virenstämme.

Beim Verband der Impfstoffhersteller sieht man heuer keine Lieferengpässe wie im Vorjahr. Menschen über 65 Jahren wird außerdem ein spezieller Impfstoff mit einem Wirkverstärker empfohlen. Dieser ist zwar ein Dreifach-Impfstoff, allerdings lässt das nicht abgedeckte Influenza-B-Virus vor allem Jüngere erkranken. Ältere sind dagegen meist schon immun.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Man kann sich bei jedem praktischen Arzt impfen lassen, Kinderärzte dürfen jedoch keine Erwachsenen impfen. Jedes Jahr gibt es zudem diverse Grippe-Impfaktionen zum Beispiel in den Impfstellen der MA 15 in Wien, im Gesundheitsamt der Stadt Graz oder im Neuen Rathaus in Linz.

Was kostet der Impfstoff?

Die Grippeimpfung ist keine gesetzliche Krankenversicherungsleistung und muss daher selbst bezahlt werden. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten bei bestimmten Patientengruppen oder gewähren Zuschüsse. Die Grippe-Impfstoffe sind in der Apotheke erhältlich (20,50 bis 25 Euro). Bei den Impfstellen der Stadt Wien kostet die Impfung samt Impfstoff etwa 13,90 Euro, wenn man den Impfstoff bereits mitbringt, 6,30 Euro. Bei niedergelassenen Ärzten kann es in den Praxen zu unterschiedlichen Kosten kommen. Die oberösterreichische Gebietskrankenkasse bietet Grippeimpfungen um 15 Euro an, die Salzburger um 12,50 Euro.