Experten warnen vor zu großem Ehrgeiz beim Schwimmen

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Gesund
07/10/2019

Falscher Schwimmstil: Von Kraul-Schulter und Brustschwimmer-Knie

Öfter, als man glaubt passieren Fehler bei der Fortbewegung im Wasser. Die Folgen davon können sehr schmerzhaft sein.

Beginnen wir mit den positiven Aspekten: Schwimmen ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Es bietet eine ideale Mischung aus Kraft und Ausdauer, ist gelenksschonend und daher für Übergewichtige oder Arthrose-Geplagte eine Entlastung. Also ab ins Wasser? Eher nicht, rät Marcus Hofbauer, Unfall- und Sportchirurg. „Mit der falschen Technik kann man viele Schäden anrichten.“

Und das passiert öfter, als man glaubt. Oft steckt eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten dahinter. „Als Anfänger gleich 30 Minuten durchzuschwimmen wird ein Fehler sein“, warnt der Arzt, der auch die Fußballer der Wiener Austria betreut. Die ungewohnte, intensive Bewegung führt zur Belastung bestimmter Körperteile.

Wer als Kind zum Beispiel Brustschwimmen gelernt hat, macht es nicht automatisch Jahrzehnte später noch richtig. Dafür reicht ein Blick in die Schwimmbecken des Landes: Brustschwimmer, die den Kopf erhoben und eher angestrengt über Wasser halten, gibt es zuhauf. Die Folge davon: Eine schmerzhafte Überdehnung der Halswirbelsäule und Verspannungen, die mitunter sehr langwierig sein können, betont Hofbauer.

Überlastete Gelenke

Brustschwimmen ist am stärksten verbreitet. Es bietet unter anderem den Vorteil, dass man dabei nach vorne schaut. Der Nachteil: Neben der Überlastung der Halswirbelsäule neigt man gerne zu einer „extremen Hohlkreuzposition“. Das beansprucht wiederum die Lendenwirbelsäule über Gebühr (übrigens auch beim Delphinschwimmen).

Schwimmer-Knie

Für die Diagnose „Schwimmer-Knie“ sind hingegen die „typischen scherenartigen Bewegungen der Beintempi“ verantwortlich. Was viele nicht wissen: „Sie sind eine riesige Belastung für die Innenseite des Kniegelenks, das Innenband und den Meniskus, die zu Sehnenansatzentzündungen und auch Meniskusverletzungen führen können.“

Hier sehen Sie die häufigsten Brustschwimm-Fehler:

Schwimm-Schulter

Beim Kraulen, Rücken- oder Delphinschwimmen werden wiederum die Schultern stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Schulter ist zwar das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – aber bei diesen Schwimmstilen stark betroffen. Hofbauer: „Wenn nur zwei Sehnen falsch belastet werden, kann das bereits Probleme machen.“ Unter dem Überbegriff „Schwimm-Schulter“ fassen Ärzte Beschwerden wie Entzündungen der Schleimbeutel und Sehnenansätze oder ein Einreißen der Sehnen zusammen.

Der richtige Stil

Den perfekten Schwimmstil gibt es übrigens nicht. „Es gibt keinen, der nur Vorteile hat“, sagt Experte Hofbauer. Am ehesten komme noch das Kraulen einem Idealtyp nahe. „Da gibt es mehr Vor- als Nachteile.“ Bei Kindern ist hierzulande das Brustschwimmen die primäre Technik, „weil der Kopf über Wasser ist“.

Erwachsene sollten den Stil von bestehenden Problemen abhängig machen und Vor- und Nachteile mit einem Schwimmexperten oder Arzt besprechen. Wer regelmäßig schwimmen will, dem schadet eine Technik-Auffrischung mit einem ausgebildeten Schwimmtrainer nicht. Ebenso rät Hofbauer, auch an Land Schulter-, Rumpf- und Hüftmuskulatur zu trainieren. „Das ist eine gute Prävention für Verletzungen.“