Epileptische Anfälle zeigen sich im EEG.

© Getty Images/iStockphoto/drnn/iStockphoto

Wissen Gesundheit
02/10/2019

Epilepsie: Neue Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung

Am 11. Februar ist Internationaler Tag der Epilepsie - Anlass für Österreichs Spezialisten, Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Epilepsie zählt weltweit zu den häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen. Hierzulande gibt es bis zu 80.000 Betroffene, jährlich kommen etwa 3000 Neuerkrankungen dazu. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und die Österreichische Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) informieren anlässlich des Welttages der Epilepsie am 11. Februar über Fortschritte in Diagnostik und Therapie.

Die Epilepsien zeigen sich in vielen Formen. „Bei rund ein Prozent der Menschen treten epileptische Anfälle wiederholt auf“, berichtet Univ.-Prof. Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg. Behandlung und Diagnostik werden ständig weiterentwickelt. Derzeit kann bei bis zu zwei Drittel der Patienten Anfallsfreiheit erreicht werden. Vor allem Magnetenzephalografie als neues Diagnose-Instrument, die Möglichkeit, mittels Laser Epilepsie-Herde im Gehirn gezielt ausschalten, und der Einsatz von Cannabidiol helfen dabei.

Neues Diagnose-Instrument

Bestimmten Epilepsie-Patienten eröffnet die Magnetenzephalografie (MEG) bessere Behandlungschancen. MEG erfasst die magnetische Aktivität des Gehirns. Sie ist ungefährlich und erspart Epilepsie-Patienten in bestimmten Fällen risikoreichere Untersuchungen, bei denen Elektroden unmittelbar auf das Gehirn aufgebracht werden.

„MEG wird gezielt für Patienten mit lokal entstehender Epilepsie eingesetzt, für die eine Gehirnoperation erwogen wird, weil ihnen eine medikamentöse Behandlung nicht die gewünschte Anfallsfreiheit bringt“, berichtet Prof. Trinka. Bisher sind allerdings weltweit nur wenige Kliniken mit einer MEG-Anlage ausgestattet. In Österreich gibt es zurzeit nur einen Magnetenzephalografen. Prof. Trinka: „MEG ist kein Routineverfahren, sondern eine innovative Technik mit Zukunft. Sie ist aufwändig und nur für bestimmte Patienten geeignet. Die Kosten werden derzeit noch nicht von den Kassen übernommen.“

Behandlung durch Laser

Zur Behandlung bestimmter Epilepsieformen sind neurorchirurgische Eingriffe unvermeidlich. Für Patienten mit einer bestimmten Form (mesialer Temporallappenepilepsie) kommt jedoch neuerdings auch eine Behandlung mit Laser in Frage. „Die gesteuerte stereotaktische Laser-Amygdalohippokampektomie (SLAH) ist eine technisch neuartige, sichere und wirksame Alternative zur Operation“, erklärt Prof. Trinka. Bei diesem Verfahren wird eine mit Kochsalzlösung gekühlte faseroptische Lasersonde exakt auf den Bereich des Gehirns gerichtet, von dem die Epilepsie ihren Ausgang nimmt. Mit Echtzeit-MRT-Führung kann der behandelnde Neurochirurg den betroffenen Gehirnbereich lokalisieren und mit computergesteuerter Laserenergie zerstören, ohne dass das benachbarte Hirngewebe geschädigt wird.

„Der Vorteil des neuen Verfahrens liegt auch darin, dass die Patienten im Durchschnitt nur einen Tag im Krankenhaus verbringen und nicht in die Intensivstation aufgenommen werden müssen“, sagt Prof. Trinka. Bei einer konventionellen Schläfenlappenoperation beträgt der Spitalsaufenthalt zwischen zwei und fünf Tagen.

Therapie mit Cannabidiol

Inhaltsstoffe von Cannabis spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Epilepsie-Therapie. Vor allem das nicht-psychotrope Cannabidiol (CBD) scheint Potenzial zu haben, zusammen mit anderen Antiepileptika Anfälle zu reduzieren. In den USA wurden bereits Medikamente zugelassen. In einer Studie profitierten vor allem bei Kindern mit Dravet-Syndrom, einer schweren frühkindlichen Epilepsie-Form, und junge Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom. Mit einer Zulassung des Präparates durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird noch im Laufe des Jahres gerechnet.

Die Epilepsieforschung hofft, dass auch CBD-reiche Extrakte, gereinigtes CBD sowie Kombinationen von CBD und THC (dem psychoaktiven Wirkstoff von Cannabis) dann wirken, wenn andere Mittel versagen. Prof. Trinka: „Weitere kontrollierte klinische Studien zu Wirksamkeit, Sicherheit sowie zu Neben- und Wechselwirkungen stehen jedoch noch aus.“