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Gesund
02/20/2019

"2 Minuten 2 Millionen": Drei Millionen für Plattform Instahelp

Die Beratungsplattform Instahelp will nach ihrem Erfolg bei "2 Minuten 2 Millionen" ihr Angebot europaweit ausbauen.

Die mentale Gesundheit durch den einfachen und unkomplizierten Zugang zu professioneller Hilfe fördern: Das ist das Ziel der psychologischen Online-Plattform Instahelp. In und nach der PULS4-TV-Show "2 Millionen in 2 Minuten" Dienstagabend konnte sich das eHealth-Startup ein Gesamtinvestment von insgesamt drei Millionen Euro sichern. Investoren sind u.a.  die ProSiebenSat.1 Gruppe, Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner sowie eine Investmentgesellschaft von Toto Wolff und René Berger.

Instahelp ist ein Zusatzangebot zur klassischen Beratung und Therapie in einer Praxis. Klinische und Gesundheitspsychologen bieten psychologische Online-Beratung an. Kunden können anonym und niederschwellig via Chat, Audio- oder Videotelefonie Rat suchen und bekommen von "Ersthelfern" innerhalb von Minuten eine Antwort. Innerhalb von 24 Stunden ist ein Psychologe verfügbar. Je nach Beratungsmodell meldet sich dieser dann ein bis sechs Mal pro Woche zwischen 20 und 60 Minunten im Life-Chat.

Eine Erstellung einer Diagnose mit darauffolgender Therapie wird aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen nich durchgeführt. Die Millionen-Finanzierung soll dazu beitragen, dass Instahelp die größte digitale Plattform für mentale Gesundheit in Europa wird. "Sich nicht nur physisch, sondern auch mental 'fit' zu halten wird in Zukunft noch viel stärker thematisiert werden!", sagt Instahelp-Geschäftsführerin Bernadette Frech: "Und genau an dieser Stelle setzen wir an."

Als Bereiche für die Online-Beratung sieht Instahelp etwa Lebenskrisen, Beziehungsprobleme oder Konflikte im Beruf. "Bei Instahelp erhalten Sie klinisch-psychologische Beratung, welche u.a. folgende Bereiche abdeckt: Problemanalyse, Erarbeitung von Ansätzen zur Problembewältigung, Förderung und Aufrechterhaltung der Gesundheit, Vermeidung des Wiederauftretens psychischer Störungen (Rückfallprophylaxe, Rehabilitation), Stärkung der Eigeninitiative und Hilfe zur Selbsthilfe", heißt es auf der Homepage.

Die Instahelp-Experten betonen aber, dass die Online-Beratung "nicht geeignet ist, wenn Sie sich einer akuten Krisen- oder Notsituation befinden oder bereits wissen, dass Sie an einer krankheitswertigen Störung leiden". In diesem Fall unterstützt Instahelp aber beim Finden eines Psychologen oder Experten.

Ziel der Plattform sei es, die mentale Gesundheit für den einfachen und umkomplizierten Zugang zu professioneller Hilfe zu fördern.

Seit der Gründung 2015 wurden mehr als 20.000 Privatpersonen betreut. Darüberhinaus können 22.000 Firmenmitarbeiter  Instahelp kostenlos nützen, deren Arbeitergeber im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung eine Kooperation mit Instahelp abgeschlossen haben.

"Wichtige Lücke gefüllt"

Für den Psychiater und Instahelp-Beirat Ernst Berger füllt Instahelp mit seinem Angebot "eine wichtige Lücke": "Der Bedarf an niederschwelligen, fundierten Angeboten für psychologische Beratung ist evident. Viele Betroffene haben Hemmungen oder lassen sich von langen Wartezeiten und fehlender Kostenübernahme durch die Krankenkasse davon abhalten, professionelle Betreuung in Anspruch zu nehmen." Dabei wäre es wichtig - besonders im Sinne der Prävention -, dass Betroffene frühzeitg Hilfe suchen. "Instahelp erfült dafür eine wesentliche Rolle und ist als wichtige Ergänzung zu bestehenden Angeboten zu sehen."

Kritische Aspekte

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So sieht der Grazer Psycho-Therapeut Alexander Sadilek die neuen Angebote im Internet zwar "nicht prinzipiell negativ". In einem Interview mit der APA im Jahr 2018 sagte er aber auch, dass noch deutlicher darauf hingewiesen werden müsse, dass Online-Beratung nicht für akute Krisen oder psychische Erkrankungen wie schwere Depressionen geeignet sei.Die geringe Hemmschwelle sei zwar ein Vorteil, doch fördere sie auch das "Einigeln" von Menschen, die ohnehin schon wenig echte soziale Kontakte haben und vorwiegend über das Internet kommunizieren.

Skeptisch sieht der Experte auch, dass bei Online-Beratungen meist auf "Face-to-Face"-Situationen verzichtet wird. Um zu spüren, wie es einer Person geht, müsse man sie sehen. Eine Therapie lebe vom Beziehungsaspekt zwischen Therapeut und Patient.