Gesund
23.11.2018

Cannabis in Pizza und Kuchen: Der Hype ohne High-Gefühl

Die Substanz aus der Cannabis-Pflanze wird gesundheitlicher Nutzen nachgesagt. Die Wirkung ist kaum erforscht.

Mit einem Brownie fing es an, mittlerweile hat die Wiener Traditionskonditorei Aida fünf Süßigkeiten mit CBD-Öl (dem Wirkstoff Cannabidiol der Cannabis-Pflanze) im Sortiment – von Macarons über Cremeschnitten bis zum Krapfen.

Und nicht nur die Konditorei springt auf einen Trend auf, der nun auch in Österreich angekommen ist. Seit Kurzem wird das Öl auch beim Nobel-Italiener Regina Margherita verwendet – es wird auf Pizza geträufelt oder ins Risotto gerührt.

Um Cannabidiol hat sich auch anderswo ein Lifestyle-Hype entwickelt, in den USA gilt es schon fast als neues Wundermittel. Die Star-Stylistin Karla Welch propagiert etwa eine CBD-Creme gegen Füße, die von Stöckelschuhen schmerzen und die Vogue berichtete über einen CBD-Lippenbalsam.

Mittel gegen fast alles

In Internetforen wird der Wirkstoff gegen Schlafstörungen, Ängste, Entzündungen, Schmerzen und überhaupt als allgemeine Gesundheitsvorsorge angepriesen. Allein, die Substanz ist noch kaum erforscht. „Derzeit kommt es überall zum Einsatz, es ist eine Art medizinisches Weihwasser“, sagt der Wiener Allgemeinmediziner Kurt Blaas, der sich seit Jahren mit dem Thema Cannabis in der Medizin beschäftigt.

Richtig einsetzen

„Es ist eine gute Arznei – wenn es richtig dosiert und eingesetzt wird.“ Genau das fehlt aus seiner Sicht beim Einsatz als Lifestyleprodukt. „Für einen gezielten Einsatz bräuchte man die richtigen – relativ hohen – Dosierungen. Was derzeit verwendet wird, ist etwas zum Drüberstreuen. Da wird medial viel aufgebaut.“ Dazu komme, dass CBD eine Bioverfügbarkeit von nur 20 Prozent hat. „Vom Körper wird gar nicht viel aufgenommen.“ Für einen gezielten Einsatz brauche es daher umso mehr Experten, die sich auskennen. Auch der Placebo-Effekt spiele eine Rolle bei den Konsumenten. Immerhin berichten manche, sich nach einigen Tropfen täglich allgemein wohler zu fühlen.

Abgrenzen vom medizinischen Einsatz

Bei Aida verfolgt man mit den CBD-Süßigkeiten naturgemäß andere Ziele. Die Kunden seien interessiert, man bleibe durch die Aktion im Gespräch. Für nächsten Sommer ist ein CBD-Eis geplant. Ähnlich argumentiert Antonio Barbaro von der Pizzeria Regina Margherita: „Wir wollen uns ganz stark abgrenzen von der Hanfpflanze per se und setzen hier auf ein Lifestyleprodukt, passend zu unserer Pizzeria und unserer Klientel.“

Kontrollierte Produkte kaufen

Mediziner Blaas will niemandem verbieten, CBD-Öle zu probieren. „Man sollte nur unbedingt zu kontrollierten Produkten greifen, etwa aus der Apotheke.“ Längst sind sie nämlich nicht mehr nur in Hanf-Shops erhältlich. „CBD-Kuchen isst man, weil es ein Trend ist. Für gesundheitliche Zwecke sollte das Öl aber nicht leichtfertig eingenommen werden“, betont man bei der Apothekerkammer. Man setze auf Beratung. Für medizinische Zwecke müssen Ärzte ein Rezept nach dem Suchtgiftrezept ausstellen. Blaas gibt weiters zu bedenken: Auch in nach dem Suchtmittelgesetz legalem CBD sei ein kleiner Teil THC enthalten. „Wenn täglich viel davon genommen wird, kann ein Harntest bei der Führerscheinkontrolle positiv sein.“

Info:Cannabis-Bestandteile

THC
Tetrahydrocannabinol ist einer von knapp 100 Substanzen, die in der Cannabispflanze enthalten sind. THC ist für berauschende, psychoaktive Wirkung verantwortlich. Aufgrund dessen ist es als Suchtgift eingestuft.

CBD
Der Wirkstoff Cannbidiol wirkt nicht berauschend und gilt als legal, da  weniger als 0,3 Prozent THC enthalten ist.   CBD-Produkte sind relativ neu am Markt,
Langzeitstudien zur Wirkung fehlen.