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Gesund
04/03/2019

Antibiotika und Darm: Ab wann Probiotika sinnvoll sind

Arzneimittel bringen den Darm stärker aus dem Gleichgewicht als bisher angenommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Assoz. Prof. Vanessa Stadlbauer-Köllner ist Fachärztin für Innere Medizin an der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Graz.

Wie stark ist der Einfluss von Medikamenten auf das Darmmikrobiom?

Neue Untersuchungen zeigen, dass rund ein Viertel aller Arzneien Einfluss auf Wachstum und Funktion der Darmmikroorganismen hat. Medikamente sind – neben der Ernährung – einer der wichtigsten Faktoren, die das Darmmikrobiom beeinflussen.

Was bringen Probiotika-Präparate parallel zur Antibiotika-Therapie?

Eine Studienanalyse hat 2017 ergeben, dass das Risiko für eine Infektion mit dem gefürchteten Bakterium Clostridium difficile um 60 Prozent reduziert werden kann – und damit das Auftreten von mit der Antibiotika-Gabe zusammenhängenden Durchfällen. Dazu muss aber mit der Einnahme am besten ab dem Start der Therapie begonnen werden, spätestens aber zwei Tage danach. Wichtig ist, dass die Einnahme zwei bis drei Stunden zeitversetzt zur Antibiotikagabe erfolgt. Sonst hebt das Antibiotikum die Wirkung des Probiotikums auf, weil die probiotischen Keime ebenfalls abgetötet werden.

Nach einer Antibiotikaeinnahme ist es zu spät für Probiotika, hat eine Studie aus Israel gezeigt: Dann wird die Regeneration des Darmmikrobioms nicht beschleunigt, sondern möglicherweise sogar verzögert. Bei der Wahl des Präparates sollte man sich erkundigen, ob es Studien gibt, die die Wirkung belegen.

Welche Medikamente spielen sonst eine Rolle?

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) – sie werden gegen Sodbrennen, aber auch als „Magenschutz“ verschrieben – scheinen bei langfristiger Einnahme das Mikrobiom direkt und indirekt durcheinanderzubringen. Sie vermindern die Magensäure. Diese tötet aber eindringende Bakterien ab. Durch die Veränderung des pH-Wertes stellt der Magen dann für viele Krankheitserreger keine Barriere mehr dar, sie können sich besser vermehren.

„Gute“ Mikroorganismen werden zurückgedrängt. Potenziell krankmachende Keime können in tiefere Darmabschnitte eindringen. Darminfektionen können die Folge sein. Auch deshalb sollte man diese Präparate nur zeitlich begrenzt einnehmen.

Kann man mit der Ernährung die Darmflora positiv beeinflussen?

Je vielfältiger sie ist – vor allem auch an Gemüse- und Obstsorten, desto vielfältiger ist das Mikrobiom im Darm. Für manche probiotischen Joghurts gibt es Daten, dass sie Antibiotika-Durchfall verringern können. Milchsäurebakterien sind aber z. B. auch in Joghurt generell, Topfen, Kefir, Sauerkraut oder fermentiertem Gemüse enthalten.

Darm-Info-Tag am Freitag

Am Freitag, 5. 4., findet unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie im Wiener Rathaus (Festsaal, Eingang Lichtenfelsg. 2) der 2. Wiener Verdauungstag statt. Von 10 bis 18 Uhr gibt es Experten-Vorträge. Programm: www.verdauungstag.at

Vanessa Stadlbauer-Köllner am KURIER-Telefon (01/526 57 60): Do., 04. 04., 9–10 Uhr,

eMail: gesundheitscoach@kurier.at

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