Witzigmanns Welt: Karpfen

Foto: APA / Pixelio depeche

Ob blau, gebraten oder als Pörkölt vielesspricht für den Cyprinus carpio am Festtagstisch.

Der Karpfen ist der Tannenbaum unter den Fischen. Er hat das ganze Jahr über Saison, aber seinen großen Auftritt hat er an Weihnachten. So war es auch bei mir. Mein Vater mochte den Karpfen am liebsten "blau" mit feinen Streifen von Karotten, Sellerie und Lauch. Darüber frisch geriebenen Kren und etwas zerlassene Butter.
Für die Beliebtheit des Cyprinus carpio gegen Jahresende sprechen drei Gründe. Da wir uns ab 11. November streng genommen in der Fastenzeit befinden, hat den "Dicken" nicht nur der Papst zum Fressen gern. Wie bei so vielen Weihnachts- und Silvesterklassikern spielt auch beim Karpfen eine Portion Aberglauben mit. Seine Schuppen verheißen Glück und Wohlstand. Am einleuchtendsten aber ist: Sein Fleisch schmeckt im Winter am besten.
Bei uns wird der Karpfen traditionell gebacken oder blau aufgetischt. Ich persönlich habe ihn im Restaurant Tantris gerne papriziert als Pörkölt serviert, während er bei meinem Lehrmeister Paul Haeberlin der Star in seinem Fischragout war. Mit Karpfen im Bierteig gebacken, oder gefüllt mit Lebkuchen, Dörrobst und Rosinen, kriegen Sie mich nicht an die Angel. Bei einem gesulzten Karpfen oder schönen Karpfenbeuschel sieht das schon anders aus. In China, dem Mutterland des Karpfens, bekam ich ihn einst mariniert und gedämpft im Bambuskörbchen sowie in Tempura gebacken mit asiatischer Sauce.

Ein Gedicht! Genauso wie das Sashimi vom Karpfen, dass ich 2000 in Tokio genießen durfte. Eine Spezialität ist übrigens der Rogen vom Karpfen, den viele aus Unkenntnis wegwerfen. Dabei ist dieser, in Butter gebraten oder pochiert, eine wahre Delikatesse und soll ebenso Glück bringen.
Aber ganz ehrlich: Als Kind habe ich mich an Weihnachten weniger für den Karpfen interessiert, als vielmehr für den Christbaum, bei dem ich mich immer fragte: Sind die Süßigkeiten darauf abgezählt oder kann ich mich im Lauf der Tage ungestraft drüber hermachen?

(KURIER.at / Eckart Witzigmann) Erstellt am
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