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Genuss
01/21/2019

Warum Frankfurter die Klassiker unter den Ball-Snacks sind

Auf und nach Bällen dreht sich’s auch um die Wurst. Kaiser Franz Josef machte die Frankfurter einst salonfähig.

von Ute Brühl

Warum die Frankfurter der Klassiker unter den Ballsnacks ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Für Josef Bitzinger, der den legendären Würstelstand bei der Albertina betreibt, gibt es viele Gründe. Der wichtigste: „Sie hat in Wien Tradition, da steckt viel Emotion drin.“ Hat doch schon Kaiser Franz Josef das Würstel gegessen – und zwar von Hand, wie es sich gehört.

„Das macht die Sache natürlich einfach – selbst Frack -oder Smokingträger können sie unfallfrei essen“, schmunzelt Bitzinger. „Es spritzt nicht wie etwa eine Käsekrainer.“ Der Herr der Würstel liebt das Produkt, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdient: „Ich esse mehrere Male die Woche ein Paar. Es gibt bei uns eine Bandbreite an Würzen. Neben dem Klassiker Senf und Kren haben wir süßen Senf, Ketchup oder eine selbst gemachte Currysauce – die schmeckt besser als in Berlin“, sagt der Wiener stolz.

Sacher statt Frankfurter

Die schlanke, gekrümmte Wurst sei als Ball-Snack auch deshalb so beliebt, weil sie einfach und schnell zuzubereiten ist. Wobei die Frankfurter bei Tanzveranstaltungen meist ein Sacherwürstel ist. Der Unterschied? „Sie ist länger und auch schwerer, also 18 statt 10 Dekagramm“, weiß der Wurstprofi.

Gleich bleibt die Rezeptur, zumindest was die Hauptzutaten angeht: eine Mischung aus Schweine- und Rindfleisch, die in einen Schafdarm gefüllt und später geräuchert wird. Genau so wie es der Fleischhauer Johann Lahner bereits vor 200 Jahren gemacht hat, als er die Wurst in Wien erfunden und nach der Stadt benannt hat, in der er einst Geselle war.

In der Stadt am Main gab es bereits „Frankfurter“ – damals Bratwürste von nur einer Fleischsorte. Das hatte einen schlichten Grund: Die Fleischhauer waren dort strikt in „Schweine- und Rindermetzger“ getrennt. In den meisten Regionen Deutschlands heißen die Frankfurter deshalb bis heute Wiener, die Schweizer nennen sie liebevoll „Wienerli“, während sie bei den Schwaben „Saiten“ heißen (Saitling ist der Dünndarm des Schafs).

2500 Paar an einem Abend

Daran denken die Damen und Herren natürlich nicht, wenn sie während oder nach einem ausgelassenen Tanzabend genüsslich in die Wurst beißen. Wie beliebt sie ist, zeigt diese Zahl: Allein auf dem Opernball werden rund 2500 Paar verdrückt. Wobei sich die kulinarischen Vorlieben langsam ändern – Tradition hin oder her –, verrät Ursula Andrea von der Konditorei Gerstner. Als Caterer beliefern sie den Opernball: „Häppchen wie spanische Tapas liegen im Trend.“ Flamenco statt Walzer also.

 

 

Nicht nur für Walzertänzer wird es die traditionellen Sacherwürstel aber auch heuer wieder geben. Sowohl in der klassischen als auch in modernen Varianten. Nach dem Boogie-Woogie empfiehlt sich der „Black-Dog“, bei der das Hot-Dog-Semmerl mit Asche schwarz gefärbt wurde. Für Fleischverweigerer gibt es den „Veggie-Dog“ – rein Pflanzliches wird also nicht nur auf dem Wiener Vegan-Ball serviert. Alles Würstel und viel Vergnügen!

Sieden statt kochen: Wie man ein perfektes Würstel macht

Ein Würsterl ins heiße Wasser schmeißen –  das kann doch jeder! Glauben Sie? Weit gefehlt. Denn damit die Frankfurter so perfekt wie bei Ihrem  Lieblingswürstelstand wird, sind ein paar Dinge zu beachten.
Zuerst salzt und erhitzt man das  Wasser, bis es vor dem Siedepunkt ist. Dann erst gibt man die Frankfurter hinein. Im kalten Wasser würden  sie nur auslaugen. Etwa eine Minute lang lässt man den Topf auf der heißen Herdplatte stehen. Vorsicht: Das Wasser darf  keinesfalls aufkochen. Dann platzen die bisher prallen Würste nämlich. Danach zieht man den Topf vom Herd und lässt  sie rund 10 Minuten ziehen.
Der österreichische TV-Physiker und Freund guten Essens, Werner Gruber, hat noch einen weiteren Tipp parat: Er legt eine Opferwurst ins Wasser, die zuvor aufgeschnitten wird. Die soll den Sud so mit Salz, Fetten und Aromen sättigen, dass die siedenden Würstel keine Geschmack verlieren.
Alteingesessene Wiener und Touristen, die wie Wiener klingen wollen, bestellen am Würstelstand dazu  „a 16er-Blech“ und „an Buggl“. Wenn Sie einfach ein Bier und einStück Brot dazu  ordern, versteht Sie der Mann oder die Frau hinter dem Tresen auch. Hauptsache, es schmeckt und das Ball-Outfit bleibt ohne Flecken.