Genuss
01.12.2016

Schoko-Nikolos: Lidl ist Gewinner und Verlierer

© Bild: dpa/Oliver Berg

Die Konsumentenschützer fanden in drei Schoko-Nikolos Rückstände von aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Wieder kommen die Konsumentenschützer des VKI zu einem unerfreulichen Ergebnis: Ähnlich wie schon beim Test von Bitterschokolade sind nicht alle getesteten Schoko-Nikolos frei von Mineralölrückständen. In drei Produkten wurden aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) festgestellt: Diese drei (Hauswirth Nikolo, Favorina Weihnachtsmann ohne Schokolinsen von Lidl, Douceur Weihnachtsmischbeutel bei Penny) sowie ein weiteres Produkt (Witte Schokolade Nikolo) fielen ebenfalls durch ihren Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH) auf.

Aufs Siegerstockerl kamen der Weihnachtsmann mit Schokolinsen von Favorina (Lidl) um 1,19 Euro und der Schoko-Nikolo von Lindt (bei Billa, Penny und Spar erhältlich) um 3,49 Euro.

"Wie diese Mineralölrückstände in die Schokolade kommen, lässt sich anhand der Testergebnisse nicht feststellen"

"Wie diese Mineralölrückstände in die Schokolade kommen, lässt sich anhand der Testergebnisse nicht feststellen", erklärt VKI-Ernährungswissenschafterin Nina Siegenthaler. Aromatische Kohlenwasserstoffe können krebserregende Substanzen enthalten, gesättigte Kohlenwasserstoffe können die Leber schädigen.

"Solche Rückstände können aber auf verschiedenen Wegen in die Lebensmittel gelangen: z.B. durch Druckfarben aus recycelten Altpapierverpackungen, durch Schmieröle aus Produktionsanlagen oder auch durch Abgase von Erntemaschinen. Sicher ist jedenfalls: Diese Stoffe haben in Lebensmitteln nichts verloren."

Warum Lidl Testsieger- und gewinner ist

Tadellose Schokoladen-Nikolos gibt es schon um wenig Geld: "Gut" getestete Produkte gibt es ab 50 Cent für 100g. 24 Volksschüler traten unter anderem zum Geschmackstest an.

Die Lidl-Eigenmarke Favorina ist übrigens gleichzeitig Testsieger als auch Testverlierer: Das Magazin Konsument attestiert nämlich dem Nikolo mit Schokolinsen ein gutes Zeugnis, der Weihnachtsmann rasselte wegen der aromatischen Kohlenwasserstoffe hingegen durch.

Die gekürzte Stellungnahme vo Lidl:

"Der Favorina-Vollmilchschokolade-Weihnachtsmann, den auch Sie getestet haben, wurde kürzlich auch von der AK Oberösterreich untersucht. Dieser Test der AK Oberösterreich ergab keine nachweisbaren Rückstände. Ungeachtet der noch unpräzisen und unausgereiften Testmethoden entspricht das von Ihnen übermittelte Ergebnis in jedem Fall nicht unseren Ansprüchen. Wir werden den möglichen Ursachen nachgehen."

Und weiters: "Grundsätzlich ist die Thematik ein Problem, das nicht nur Rohstofflieferanten, Lebensmittel-Produzenten und den Lebensmittel-Handel, sondern auch die Verpackungsindustrie und das Transportwesen betrifft. Gemeinsam mit unseren Lieferanten suchen wir nach konkreten Lösungen, um den Eintrag von Mineralölrückständen in Lebensmitteln nachhaltig zu vermeiden und unsere Ziele so schnell als möglich zu erreichen."

Lebensmittelindustrie kontert: Verunreinigung über Papier

Die im Handel erhältlichen Schoko-Nikolos können laut Fachverband der Lebensmittelindustrie bedenkenlos genossen werden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und die Arbeiterkammer Oberösterreich hatten die Süßwaren jüngst unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nicht alle Produkte frei von Mineralölrückständen sind.

Der Fachverband der Lebensmittelindustrie kontert, denn die Stoffe können mittlerweile auch in geringsten Spuren in Lebensmitteln nachgewiesen werden. So können diese gelegentlich über recyceltes Papier für Faltschachteln in Produkte übergehen. "Da brauchen wir noch ein Stück mehr Forschung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Medien-, Verpackungs- und Lebensmittelwirtschaft, um diese Stoffe weiter zu minimieren", sagte Katharina Koßdorff. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sehen durch fallweise enthaltene Rückstände in Schokoladewaren bei üblichen Verzehrgewohnheiten kein Risiko, teilte der Lebensmittelfachverband mit.

Den vollständigen Test mit Stellungnahmen der Hersteller und Verkostungsergebnis lesen Sie auf www.konsument.at.