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Interview
02/27/2019

Warum werden Menschen Veganer - und wie geht es ihnen damit?

Eine vegan lebende Soziologin untersuchte, warum Menschen vegan wurden und wie deren Umfeld auf diese Entscheidung reagierte.

von Gabriele Kuhn

Dass Elle MacPherson das klassische Opernball-Menü ablehnte, weil sie vegan isst, sorgte ein wenig für Nasenrümpfen. Das ehemalige Topmodel verzichtet schon seit Jahren auf Fleisch, der Gesundheit und Schönheit wegen. Was zeigt: Selbst VIPs haben es mit diesem Lebensstil nicht immer leicht.

Die Soziologin Sarah Wohlfarter, 27, lebt vegan und hat  ihre Masterarbeit zum Thema Veganismus geschrieben. Dabei ging es ihr vor allem um die Entscheidungsfindung und wie diese schließlich im Alltag praktiziert werden kann. Wie reagieren Freunde, Familie, das Umfeld auf diesen Entschluss?

Ihr Fazit: Es ist nicht ganz einfach. Was sich dabei auch gezeigt hat: Dass die Beweggründe, auf tierische Produkte komplett zu verzichten, genauso vielfältig sind wie die Menschen selbst. Neugierde, Gewissenhaftigkeit, Konsumbewusstsein, Gesundheit, Ethik und Moral, Tierrechte, Nachhaltigkeit und Umweltschutz oder schlichter Zufall decken das Motivations-Spektrum ab. Hervorzuheben ist dabei auch, dass im Laufe der Zeit neue Aspekte hinzugefügt, oder alte überdacht werden können. Die Entscheidung vegan zu leben, wird als Entscheidung empfunden, die jeden Tag aufs Neue getroffen und gelebt wird. Die Veganerin im Interview.

KURIER: Was bedeutet es denn für Sie, vegan zu leben?

Sarah Wohlfarter: In Wahrheit gibt es da ja keine Grenzen, man muss für sich selbst herausfinden, wie man das umsetzt. Für mich persönlich ist es  viel mehr als ein kurzfristiger Trend. Es ist  Lebensstil und Philosophie, die nicht nur die Ernährung betrifft, sondern auch die Kleidung, die Kosmetik oder eben auch alles, was die Unterhaltung betrifft. Ich gehe weder in einen Zoo noch in einen Zirkus.

War Tierleid ausschlaggebend, vegan zu leben oder gab es auch gesundheitliche Gründe?

Es gibt vielfältige Gründe, ich finde alle wichtig. Beiu mir war das zu Beginn Neugierde, dann informiert man sich und recherchiert. Ich habe schon als Kind kaum oder ungern Fleisch gegessen, also dachte ich, vegetarisch zu leben wäre gut.  Ich bin dann mit der Zeit und durch die Recherchen draufgekommen, dass mir das nicht reicht.

Wie war die Reaktion der Familie auf Ihre Entscheidung?

Am Anfang war da viel Sorge, vor allem bei meiner Mutter, dass ich zu wenige Nährstoffe bekomme. Ich kenne mich aber mit gesunder Ernährung sehr aus, mache auch eine Ausbildung in diese Richtung. Ich lasse  regelmäßig Bluttests machen. Dennoch kommt oft Unverständnis.

Warum?

Essen ist etwas sehr Soziales und mit Tradition verbunden sowie mit Gewohnheiten. Wenn man da anders ist,  kann es schon auch Probleme geben.

Das haben Sie ja in Ihrer Masterarbeit untersucht.

Ja,  es hat sich gezeigt, dass alle am Anfang  Schwierigkeiten mit dem Umfeld haben. Und dass es dann wichtig ist, Gleichgesinnte zu findet, um sich auszutauschen. Aber  man muss sich zunächst schon ein dickes Fell zulegen, Da kommen viele Fragen, viele Witze und ebenso viele Vorurteile. Man wird sehr oft kritisiert und man muss sich  oft rechtfertigen.

Käme für Sie eigentlich ein Partner in Frage, der nicht vegan lebt?

Früher  nicht. Da war das ein so großes Thema, es wäre gar nicht in Frage gekommen. Ich war damals in einer Beziehung und mein Partner war Fleischesser. Ich habe ihm keinen Druck gemacht, aber er ist dann von selbst vegan gemacht. Das hat mich sehr gefreut. Jetzt habe ich einen Partner, der nicht vegan lebt, aber sehr offen für dieses Thema ist. Wenn Toleranz da ist, kann das  funktionieren. Und zwar von beiden Seiten.