Genuss 03.03.2018

Unser täglich Mehl: Das Leben der Müller

Müller Franz Forstner. © Bild: Forstner Mühle

Über das Handwerk kleiner Mühlen und wo es bald Bäcker-Mehle zu kaufen gibt. Plus: Wie KURIER-Leser verbilligt das Brot-Festvial Kruste & Krume besuchen können.

Bei Wein sprechen wir von Terroir und meinen damit den Boden, auf dem die Rebstöcke wachsen, die Sonne, den Regen und Wind. Wir sprechen über den Rebenschnitt und die Rebensorte, aber warum sprechen wir bei Mehl nur von griffig und glatt? Müller Franz Forstner aus St. Marien (OÖ) nimmt eine Handvoll Mehl und riecht daran: "Es geht um den Charakter. Der Grundstein wird bereits mit dem Anbau der Getreidesorte im Herbst gelegt. Auf der Mühle kann man nichts retten, wenn der Rohstoff nicht passt." Alle Faktoren, die für die Entwicklung eines guten Weines verantwortlich sind, braucht es ebenso für den Anbau und das Mahlen von Getreide.

Barbara van Melle. © Bild: Inge Prader

Barbara van Melle, Chefin von Slow Food Wien, organisiert auch heuer wieder das Brot-Festival "Kruste und Krume". Im Mittelpunkt des Events stehen gewerbliche Mühlen, die auf heimische Getreidesorten aus ihren Regionen setzen: "Zu solchen Mehlen kommt der Konsument normalerweise ja gar nicht, deswegen gibt es sie bei uns zu kaufen. Dann können Hobby-Bäcker mit den gleichen Zutaten backen wie die Handwerks-Bäcker."

Kleiner Fußabdruck, wenn man Mehle aus der Region kauft

…
© Bild: photocrew - Fotolia/Fotolia/Photocrew

Außerdem initiierte die Brot-Expertin eine digitale Plattform, auf der künftig die Langer-Mühle, die Forstner-Mühle, die Dyk-Mühle sowie die Polsterer-Mühle ihre Mehle direkt an private Haushalte verkaufen können. Forstner: "Der Hobby-Bäcker ist dadurch zu Hause nicht mehr so eingeschränkt – er hat die gleichen Möglichkeiten wie ein Profi." Und es gibt mit einem kleinen, ökologischen Fußabdruck einen weiteren Vorteil, denn die regionalen Mehle werden direkt nach Wien transportiert. Industrielle Mehle sind im Gegensatz dazu oft eine Mischung aus ausländischen Mehlsorten .

Kleine Müller kaufen das ganze Jahr über Ernten aus der Region auf und lagern diese, um einen ausreichend großen Jahresvorrat aufbauen zu können. Darunter befinden sich viele spezielle Mehl-Typen, auf die große Händler erst gar nicht setzen für die Herstellung von Haushaltsmehlen. So braucht es oft für traditionelle Gebäcke wie für das mit Anis gewürzte Störibrot – der Weihnachtsklassiker in Oberösterreich – Spezialsorten wie Weißroggen.

Das Leben eines Müllers: Viel Mathe, wenig Romantik

Langer Mühle
Honorarfrei für Print und Online, Langer Mühle © Bild: Langer Mühle

So viel Rampenlicht wie durch die Veranstaltung von van Melle bezeichnen die Bäcker unisono als Segen für die Zunft: "Die regionalen Mühlen sind durch direkten Kontakt zu Landwirten und Bäckern der ideale Partner", zeigt sich Müller Eduard Langer aus Ober-Grafendorf überzeugt. "Die hohe Kunst des Müllers ist dafür zu sorgen, dass das Mehl eine gleichbleibende Qualität hat."

Das romantische Bild des Müllers stimmt übrigens nicht mehr – der Sack am Rücken kommt im Alltag selten vor: Der Beruf erfordert viel mathematisches Verständnis und Liebe für technische Abläufe. Und viele Gespräche mit den Landwirten und Bäckern.

Ermäßigte Tickets: Kruste & Krume – Brotfestival Wien

Kruste & Krume – Brotfestival Wien, 10. März 2018, 9 bis 19 Uhr, Kursalon Hübner, Johannesg. 33 (Stadtpark), 1010 Wien, www.krusteundkrume.at

Tickets: www.ntry.at um 10 Euro, Restkarten am Veranstaltungstag 15 Euro

Gegen Vorlage des Gutscheins auf dieser Seite erhalten Sie an der Tagesakassa zum Preis von einem Ticket ein 2. Ticket gratis!

Wenn Sie nur ein Ticket kaufen, erhalten Sie 50 Prozent Ermäßigung. Zusätzlich erhält jeder Besucher 1 Kilogramm Bäckermehl gratis gegen Abgabe seines Eintritts-Tickets beim Verlassen des Kursalons.

Tipp: Neben einer Ausstellung des 1. Brot-Museums gibt es eine Tauschbörse für seinen Sauerteig.

( kurier.at ) Erstellt am 03.03.2018