Top 5: Pubs in Wien

St. Patrick's Day im Charlie P's…
Foto: Charlie P's St. Patrick's Day im Charlie P's.

Guinness, Burger und Live-Musik: Pubs erfreuen sich in Wien immer größerer Beliebtheit. Am 17. März wird wieder der irische Nationalfeiertag gefeiert.


Charlie P's, 1090 Wien
Das Charlie P's darf in keiner Rangliste fehlen, verfügt es doch mit dem Dining Room über ein Haubenrestaurant. In der Pub-Szene einzigartig in Wien. Und bei einem Teller mit frischen Austern und Schalottenvinaigrette oder einem 28 Tage lang gereiften, irischen Hereford-Steak darf man sich über die britische Küche wahrlich nicht wundern. O'Connor's Old Oak, 1030 Wien
Der triste Rennweg hat mit dem O'Connors Old Oak ein Irish Pub, das sich rein optisch ziemlich österreichisch präsentiert: Hier muss jeder die köstlichen Fish & Chips mit Essig probieren. 1516 Brewing Company, 1010 Wien
Es gibt drei Gründe, ins 1516 zu gehen: Die gut zu erreichende Lage in der Schwarzenbergstraße, die außergewöhnlichen, selbst gebrauten Biersorten und der herrliche Schanigarten im Sommer. Übrigens schmecken auch die Burger, aber das wäre schon der vierte Grund. Lane & Merriman's Pub, 1090
Einen phänomenalen Start hat das kürzlich eröffnete Lane & Merriman's. Die Wiener erfreuen sich an der Mischung von Pub und Greißler. Hier gibt's halt nicht das Kipferl, sondern Scones. Crossfield's Australien Pub, 1010 Wien
Stimmt, das Crossfield's ist kein Irish Pub und hat in einer Story über St. Patrick's Day eigentlich nichts zu suchen: Aber der "Kangaroo Burger" und die Abenteurer-Platte mit frittierten Heuschrecken sind legendär in der Bundeshauptstadt. Und bei einem Foster's Lager kann genüsslich darüber gestritten werden, ob die Australier überhaupt Bier brauen können.

Festtagsstimmung im irischen Wohnzimmer

Teller mit Burger oder Fish and Chips, Guinness und auf den Bildschirmen ein Fußballmatch. Beim Betreten des Charlie P’s in der Währinger Straße taucht man in eine warme Wolke aus Stimmengewirr und Essensduft. Irish Pubs erfreuen sich, knapp 20 Jahre nachdem die ersten ihrer Art in Wien aufgesperrt haben, immer größerer Beliebtheit. Mit ihrem "Wohnzimmer-Feeling" werden sie dabei nicht nur von Anglophilen oder Studenten aufgesucht.

Gotthard N. ist seit zehn Jahren Stammkunde im Charlie P’s: "Hier ist es einfach gmiadlich", erklärt der 34-jährige Beamte. Freund Harald ergänzt: "Das Bier ist gut, die Leute angenehm und das Service super." Und Boku-Studentin Marlene verrät: "Wenn ein Match läuft, dann ist hier immer etwas los." Deshalb kommt sie vorwiegend an solchen Tagen zum Burger-Essen. Auch wenn sich Marlene nicht für Fußball interessiert. Es geht ihr um die gemütliche Stimmung.

… Foto: juerg christandl

Für viele Gäste ist das Pub zu einem erweiterten Wohnzimmer geworden. Hier wird gegessen, getrunken, ferngesehen und zu Live-Bands getanzt. Die Speisekarte ist oftmals klein, die Qualität des Essens dafür sehr hoch. Styling ist nicht notwendig. Und bekannte Gesichter trifft man meistens.

"Wir sind einfach eine lustige Truppe", sagt Ire Darren Murphy, Restaurantleiter im Charlie P’s. Die Gastfreundlichkeit und Umgänglichkeit der Iren sieht er als einen Punkt, weshalb Leute gerne in Pubs gehen. Für ihre Popularität in Österreich hat er einen weiteren Grund: "Wir reiben uns beide an einem großen Bruder – bei uns ist es England, bei den Österreichern Deutschland." Und: "Die Leute sprechen zurzeit einfach gerne Englisch."

Ein paar hundert Meter weiter Richtung Stadtmitte, in der Teinfaltstraße, liegt das Molly Darcy’s. Die Kellner haben kaum Zeit, Luft zu holen, so viele Guinness gilt es zu zapfen und Essensbestellungen aufzunehmen. Lokalbesitzer Helmut Neumeister erläutert: "Irish Pubs sind unkompliziert. Und sprechen verschiedenste Gruppen an."

… Foto: juerg christandl Zeit haben Neumeister und seine Kollegen derzeit aber nicht. Am Wochenende wird St. Patrick’s Day gefeiert. Der irische Nationalfeiertag hat mittlerweile ähnlichen Feier-Charakter wie Halloween. Neben grünem Bier und einer Parade bei der Schottenkirche, finden auch Partys in nicht-irischen Lokalen statt: Ein Beispiel: das "Paddysfest" in der Ottakringer Brauerei.

Auch Charlie-P’s-Liebhaber Gotthard N. wird am St. Patrick’s Day im Pub anzutreffen sein. In grünem T-Shirt.

Irland: Pubs kämpfen ums Überleben

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Irland hören? Ganz klar: an Pubs! Die landestypischen Kneipen - auch in Wien erfreuen sich Irish Pubs großer Beliebtheit - und das dazugehörige Guiness zählen wohl zu den erfolgreichsten Exportartikeln Irlands.(Bild: Michelle und Barack Obama im Ollie Hayes Pub in Moneygall, 2011) Doch die Nationalheiligtümer bröckeln, vielerorts hat es sich ausgefidelt: Jeden zweiten Tag sperrt ein Pubbesitzer zu - für immer. Landesweit gibt es noch rund 7400 Pubs, schreibt pressetext. Neun von zehn sind in privater Hand, meist in Form eines Familienbetriebs. Die Ursachen für die ungewollten Sperrstunden sind nachvollziehbar: 2007 platzte die Immobilienblase. Irland wurde von der Krise schwer getroffen, da zwischen 2002 und 2008 rund 80 Prozent des Kreditwachstums immobilienbezogen waren. Die Privathaushalte verschuldeten sich stark, konnten die Darlehen nicht mehr zurückzahlen. Der Staat sprang den Banken zur Seite und verschuldete sich. Die Iren müssen nun mit einem harten Sparkurs leben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass seit Ausbruch der Krise der Umsatz der Pubs um ein Drittel eingebrochen ist, wie die Financial Times berichtet. Inzwischen ist der Schuldenberg auf zwei Milliarden Euro angewachsen - im Durchschnitt also 270.000 Euro pro Pubbesitzer. Zudem dürfte das seit 2004 geltende absolute Rauchverbot in allen Pubs dem Geschäft in der vergangenen Dekade auch nicht zuträglich gewesen sein. Wer raucht schon gerne bei windigem, nasskaltem Wetter vor der Tür...

(kurier) Erstellt am
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