Genuss 13.01.2018

Schweinepest: Darf ich noch Würstel essen?

Im Juni 2017 sind erstmals Fälle in Tschechien aufgetreten. © Bild: APA/dpa/Lino Mirgeler

Wegen neuer Fälle der Afrikanischen Schweinpest in Polen und Tschechien befürchtet Deutschland die Einschleppung der Tierkrankheit: Aber was passiert, wenn der Mensch verseuchtes Wildschwein isst?

Deutschlands Unternehmen und Bauern fürchten Schäden in Milliardenhöhe, sollte die Afrikansiche Schweinepest nach Deutschland gelangen. Österreichische Behörden ergriffen bereits im Sommer 2017 Maßnahmen, um eine Ausbreitung der Tierseuche von Tschechien nach Österreich zu verhindern. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was verstehen wir unter Schweinepest?
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) oder das African Swine Fever (ASF) wurde das erste Mal in Kenia im Jahre 1921 beschrieben. Bei Schweinen und Wildschweinen verläuft die anzeigepflichtige Virus-Erkrankung oft tödlich.

Ist in Österreich die Seuche schon aufgetreten?
Nein, noch nie, aber unser Nachbarland Tschechien ist bereits betroffen. Erstmals meldeten Veterinärbehörden am 27. Juni 2017 Fälle aus unserem Nachbarland. Experten gehen davon aus, dass die Einschleppung der ASP in die baltischen Staaten und nach Polen von Weißrussland aus erfolgte. Ein Hotspot der ASP-Epidemiologie ist die Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, hier gibt es seit 2007 regelmäßig Ausbrüche.

Wie erfolgt die Infektion?
Gesunde Schweine stecken sich durch direkten Kontakt mit ASP-infizierten Haus- bzw. Wildschweinen an. Indirekt kann die Ansteckung aber auch erfolgen, weil infizierte Abfallprodukte wie Lebensmittelreste im Wald zurückgelassen oder an Tiere verfüttert werden. Der Erreger kann im Fleisch und in Fleischprodukten lange überleben und wird auch durch Einfrieren nicht inaktiviert. Weitere indirekte Übertragungen können durch Zecken, Fahrzeuge oder Bekleidung erfolgen.

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Grafik © Bild: Grafik

Wie sieht der Krankheitsverlauf bei infizierten Tieren aus?
Meist ist die ganze Herde betroffen: Die Tiere leiden unter Fieber, Hautrötungen, Erbrechen oder Durchfall. Die Todesrate liegt bei Hausschweinen bei rund 100 Prozent – überlebende Tiere sind meist lebenslange Virusträger. Bei Auftreten der Seuche in einem österreichischen Betrieb müssen alle Schweine getötet werden.

Ist die Krankheit für den Menschen ansteckend?
Nein, die Schweinepest ist eine Tierseuche. Er kann allerdings dazu beitragen, die Seuche mit seinem Verhalten zu verbreiten. Stichwort: Lebensmittel-Abfälle im Wald.

Um welche Abfälle handelt es sich denn?
Einer Theorie nach könnte sich die Seuche in den osteuropäischen Ländern deswegen so schnell ausgebreitet haben, weil Rohwürste aus infiziertem Schweine- oder Wildschweinfleisch entsorgt wurden. Das passiert unwissentlich: Konsumenten, die selbst gemachte Würste essen, werfen ihre Reste auf öffentlichen Plätzen an der Autobahn weg, wo Wildtiere die Reste fressen. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass kleine Landwirte ihre Tiere trotzdem weiterverarbeiten, obwohl sie wissen, dass sie krank sind. Erst vor wenigen Wochen ist die Seuche beim größten Schweinevermarkter Miratorg in Russland ausgebrochen.

Darf der österreichische Konsumenten derzeit noch Rohwürste oder Wildschweinfleisch essen?
Ja, die im Handel erhältlichen Produkte stammen mit Sicherheit nicht von infizierten Tieren. Vorsicht bei selbst hergestellten Rohwürsten aus Osteuropa.

Bauernverband informiert über Afrikanische Schwein
Ein Mastschwein steht am 16.10.2014 in einem Mastbetrieb in Lindern (Niedersachsen) im Stall. Foto: Carmen Jaspersen/dpa +++(c) … © Bild: APA/..

Welche Maßnahmen haben die österreichischen Behörden erlassen?
Anders als in Deutschland beruhigen Österreichs Behören derzeit. Bereits seit Sommer 2017 sind Hollabrunn, Tulln, Korneuburg, Mistelbach, Bruck an der Leitha, Gänserndorf sowie ganz Wien von zahlreichen Vorsorgemaßnahmen betroffen. So ist direkter und indirekter Kontakt zwischen Wildschweinen und Hausschweinen zu verhindern, Speiseabfälle dürfen nicht an Schweine verfüttert werden, betriebsfremde Personen dürfen Ställe nicht betreten oder Tiertransportfahrzeuge müssen nach jedem Transport gereinigt und desinfiziert werden.

Wie viele Bauern sind in Österreich von den Maßnahmen betroffen?
Einige 100 Bauern.

Der deutsche Bauernverband und der Agrarminister denken an, den Wildschwein-Bestand vorbeugend zu reduzieren. Ist das bei uns auch geplant?
Absolut kein Thema für Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger: Die Bedrohung durch die Tierseuche ist derzeit "nicht akut". Es gebe keine Hinweise für eine Ausbreitung nach Österreich, daher auch keinen Anlass, "voreilig und emotional" zu reagieren.

Was machen Jäger mit toten Wildschweinen?
Alle verendet aufgefundene Wildschweine sind der Behörde zu melden. Ein Tierarzt muss Proben entnehmen und die seuchensichere Entsorgung veranlassen.

( kurier.at , kaa ) Erstellt am 13.01.2018