Genuss
20.02.2018

"Erdbeeren im Februar sind sinnlos"

Interview. Der Biobauer und Kabarettist Pepi Hopf über Foodtrends, die einem der Hausverstand nahelegt.

Donnerstag ist "Pepi"-Tag. Da liefert der Kabarettist und Biobauer Pepi Hopf seine Ernte aus der Marchfeld-Gemeinde Haringsee nach Wien, unter anderem in die Greißlerei "die marktweiber" auf dem Aumannplatz in Währing. 36 Wintergemüse-Kistln waren es am vergangenen Donnerstag, die am Freitag und Samstag von den Kunden abgeholt wurden. Und wieder war kein einziger Paradeiser dabei!

KURIER: Eine Bitte, Herr Hopf, reden wir kurz übers Essen.

Pepi Hopf: Sehr gerne, aber da muss uns schon bewusst sein, dass das der pure Luxus ist. Allein unsere ausführlichen Erwägungen, was wir alles nicht essen, muss einem, der nichts zu essen hat, pervers vorkommen. Wenn der den Kitt aus den Fenstern essen muss, ist es ihm egal, ob der Kitt Bio ist oder nicht.

Wie ernährt sich eigentlich der Biobauer Hopf?

Leider so wie der Kabarettist Hopf. Das heißt: herkömmlich ungesund. Ich bewerte alle Tankstellen vom Marchfeld bis Vorarlberg nicht nach den Sprit-Preisen, sondern nach der Qualität ihrer Leberkäs’-Semmeln. Ich gehöre also leider der Generation an, in deren Kindheit gesunde Ernährung keine Rolle gespielt hat. Unsere Eltern kannten noch echten Hunger, für sie galt aus nachvollziehbaren Gründen: "Wuaschd was, Hauptsach’ vü." Unsere Kinder sind uns da meilenweit voraus. Mein gutes Gewissen ist auch meine Frau. Frauen und Kinder sind somit die Hoffnung. Es ist wohl kein Zufall, dass 95 Prozent meiner Kunden Frauen sind.

Und wie ist es in Ihrem Kabarett?

Da ist der Anteil der Frauen auch sehr hoch. Es gibt offensichtlich eine Korrelation zwischen gesundem Essen und guter Unterhaltung. Frauen sind bewusster als wir Männer. Aber gut, ich arbeite bereits an mir.

Warum sind Sie Biobauer?

Weil es a) spannender ist und b) richtig. Ich will mich beim Arbeiten nicht umbringen. Wenn ich im Sommer auf dem Feld ruchle, reiße ich mein Gemüse aus und esse es gleich roh, einen Paprika gegen den Durst oder auch eine Gurke. Angenehm ist dabei die Gewissheit, dass ich davon keinen Ausschlag bekomme.

Ist biologischer Landbau, wie Sie ihn betreiben, anstrengend?

Anstrengender, als auf der Bühne zu stehen. Ich muss immer schauen, was gerade los ist. Und ich muss akzeptieren, dass ich auch einmal eine ganze Kultur weghauen muss.

Kommt das öfter vor?

Jeden Sommer zumindest ein Mal. Irgendwas ist immer. Ich erinnere mich an einen Sommer, in dem ich mir quasi selbst die Gurke geben musste. Weil jede dritte Gurke auf meinem Feld bitter geschmeckt hat. Auch wenn ich alles nach demselben Prinzip mache, kann es im nächsten Jahr anders kommen. Als Biobauer musste ich lernen, mit Unwegsamkeiten zu leben.

Was ist einfacher: Biobauer zu sein oder Kabarettist?

Seitdem ich als Biobauer arbeite, weiß ich wieder, wie sich harte Arbeit anfühlt. Meine Eltern waren Gärtner in Simmering – ich habe großen Respekt vor ihrem Beruf. Von der Landwirtschaft könnte ich heute nie und nimmer leben.

Und was ist schöner: Paradeiser ernten oder Applaus nach einer Wuchtel im Kabarett bekommen?

Es hat beides seinen Reiz. Am schönsten wäre: Applaus beim Paradeiser-Ernten. Obwohl, ich genieße das Alleinsein und die Ruhe auf meinem Feld. Das sind die Stunden, die ich für mich ganz alleine habe.

Apropos Paradeiser: Warum können Sie eigentlich keine Paradeiser im Winter liefern?

Weil die Erderwärmung noch nicht ganz zu uns nach Haringsee vorgedrungen ist. Spaß beiseite: Wenn wir heute über Foodtrends reden, dann sollte sich zunächst die Erkenntnis durchsetzen, dass alles seine Zeit hat. Erdbeeren im Februar sind sinnlos. Das ist wie Olympische Winterspiele im August. Man muss das leider so drastisch sagen. Wenn ich Leute in Lassee sehe, die Spargel aus Spanien beim Billa kaufen und nicht beim Spargelbauern auf dem Nachbarfeld, dann fällt mir dazu nur ein, dass an diesem Missverhältnis nicht der Billa schuld ist.

Was würden Sie sich wünschen?

Dass die Leute beim Einkaufen ein bisserl mehr nachdenken. Wenn du dir ein halbes Grillhendl mit Salat und Semmel um einen Bettel kaufst, muss dir klar sein, dass das Huhn nicht auf einer steirischen Wiese in Würde gealtert ist.

Und was noch?

Dass die konventionelle Landwirtschaft Bio nicht mehr so stark anfeindet. Ich habe einen Kollegen, der macht derzeit die klassische landwirtschaftliche Ausbildung. Die ist leider irgendwann in den 1950er-Jahren stecken geblieben. Er lernt dort: konventionell ist gut, und Bio böse. Aber so eindeutig ist das im Leben nie.facebook.com/BiogemuseHopfAlle Liefer-Termine auf einen Blick

Der Feinkostladen ums Eck feiert da und dort sein Comeback, mehr oder wenige alternative Produzenten bieten ihre Waren wieder ab Hof an. Kleiner Reiseführer zu den Ursprüngen:

Die Marktweiber sind zwei junge Grazerinnen in Wien-Währing, die vom Gemüse über Jogurt bis hin zum Fleisch alles in Bioqualität anbieten. Mehr Infos unter: www.diemarktweiber.at.

Nahgenuss ist eine Plattform, die Biobauern und Konsumenten zusammenbringen will: Es wird erst geschlachtet, wenn sich genügend Käufer gemeldet haben.www.nahgenuss.at.

Wagyu-Hof: Online-Fleischversand und Ab-Hof-Verkauf im Mostviertel. Wurde von der landwirtschaftlichen HTL in Wieselburg ins Leben gerufen und wird jetzt von Absolventen weitergeführt. https://wagyu-oesterreich.at.

LGV-Gärtnergschäftl: Frisches von den Wiener Bauern der LGV (Landwirtschaftliche Gemüse- und Obstverwertungsgesellschaft) in einem Shop in der Kettenbrückengasse 20 in Wien 4. www.lgv-gärtnergschäftl.at.

Biohof N° 5 ist ein Bauernhof im Norden von Wien, in Stammersdorf. Bietet Wein und Schwein ab Hof. wein.nummer5.at.

DerAnnahof liegt auf der anderen Seite von Wien, in Laab im Walde. Bietet viel Auswahl, unter anderem Wurst, die auch vakuumverpackt (zum Einfrieren) verkauft wird. Gute Beratung!www.annahof-laab.at.

Grundbira: Spezialitäten aus dem Ländle. www.grundbira.at.

Bioradl: Alternative zu Foodora und Uber, auf der „Uber“holspur mit allerlei Bioprodukten, die mit dem Fahrrad geliefert werden. www.bioradl.at.

Annas Bio-Kistl: Auch Anna Abermann („herzlichst Anna“) bietet einen eigenen Bio-Kistl-Dienst an. www.annas.co.at.

Der Freiländer: Was wie das Zentralorgan einer Burschenschaft klingt, bietet Hauszustellung von Fleisch und Wurst in Wien. www.freilaender.at.

Porcella: Bio-Fleisch aus dem nö. Kamptal. Super: Der Speck reift im Felsenkeller. Auch: Waldviertler Blondvieh, Turopolje-Schwein. www.porcella.at.

Bio-Viertel: Ab-Hof-Läden auf dem Volkertmarkt in Wien 2 und auf dem Elterleinplatz in Wien 17. www.bio-viertel.at.