© Alexandra Palla

Genuss
06/09/2019

Pavlova, die ultimative Sommertorte

Duftig wie ein Ballett-Tutu, leicht wie eine Tänzerin, spektakulär wie ein Star: Bühne frei für die "Pavlova". Ein Dessert mit Geschichte.

Kann eine Torte der Gastgeberin die Show stehlen? Ja, kann sie.

Die Pavlova ist ein wunderbarer Beweis dafür. Ah! und oh! Die Gäste staunen und raunen. Warum? Weil so eine Pavlova – wie keine andere Torte oder Süßigkeit – bunt daherkommt, bombig, üppig und duftig-luftig zugleich. Der Star unter den Torten: Wird sie serviert, halten alle ein bisschen den Atem an.

Das hat vielleicht etwas mit ihrer Geschichte zu tun. Irgendwer hat sie angeblich irgendwann einmal zu Ehren der russischen Primaballerina Anna Pavlova erfunden, die im Jahr 1926 durch Neuseeland und Australien tourte. Die Torte soll der Legende nach ihrem Tutu nachempfunden sein. Seitdem wird über die wahren Wurzeln des Desserts gestritten: Waren’s die Australier, waren’s doch die Neuseeländer? Hm. Sogar Wissenschaftler haben sich dieser besonderen Torte gewidmet, ihre Geschichte füllt ganze Bücher.

Leicht wie der Wind

Spannend ist allerdings, dass eine gewisse Verbindung nach Österreich existiert, nämlich zur „Spanischen Windtorte“, die aus Baiser (das heißt übrigens „Kuss“) und Schlagobers bestand. 1932, bei der Ersten Wiener Konditoreiausstellung, präsentierte die K.u.K Konditorei Ch. Demels’s und Söhne so eine gigantische Windtorte (auch Meringue genannt). Sie galt einst als Wiener Klassiker, der besonders an Festtagen serviert wurde. So stand im Blatt „Wiener Hausfrau“ im Juni 1908 unter der Rubrik „Wiener Küchenzettel“: „Pfingstmontag: Spargelsuppe. Beefsteak, kalt garniert. Spanische Windtorte. Abends: Mayonnaise (Verwendung der Eidotter), Fleischreste, Torte, Obst.“

Für die Foodbloggerin und Buchautorin Alexandra Palla (Neues Buch: „Meine Sommerfrische-Küche“/Verlag Pichler) ist die Pavlova nicht nur eine ihrer absoluten Lieblingstorten, sondern vor allem ein herrliches Sommerdessert. „Man kann dabei süße und saure Früchte mischen, das macht diese Torte so erfrischend. Und sie ist variabel, also wandlungsfähig – je nach Saison und Angebot ändert sich die Farbe der Pavlova.“ Im Spätsommer wird sie von Birnen und Marillen geziert. Darauf kommen Blüten, Blätter, frisch geröstete Nüsse sowie Zesten von Zitrusfrüchten. Die Pavlova macht viel her, geht aber schnell. Palla: „Sie ist, logistisch betrachtet, eine Super-Torte für viele Feste, weil man den Boden vorbereiten und sie vor Ort frisch machen kann. Und sie ist immer ein Hingucker, die Konfetti-Bombe unter den Torten“.

So ein Durcheinander!

Übrigens gibt es eine hübsche Variante der Pavlova-Idee, die in Großbritannien traditionell rund um das Cricketspiel des Eton College gegen die Harrow School beim Picknick genascht wird. Wie der Name sagt, wird alles „durcheinander“ serviert: Früchte wie Erdbeeren, Schlagobers – im Glas, vermischt mit Baiserstücken. Ein herrliches Sommerdessert, das einfach zu machen und noch dazu glutenfrei ist.

Pavlova mit Beeren

Vorbereitung: 20 min
Zubereitung: 100 min
Portionen:  8 - 10 Stück, je nach Größe

4 Eiklar

200g Staubzucker
Prise Salz
250 ml Schlagobers
1 EL Vanillezucker
500 g frische Beeren, Blüten, evtl. etwas Minze
zum Verzieren, Staubzucker

Backrohr auf 130 Grad Umluft vorheizen.
Eiweiße mit einem Mixer aufschlagen, bis sich ein erster schneeweißer Schaum zeigt, dann löffelweise den Staubzucker dazugeben und mindestens 5 Minuten zu einem sehr festen steifen Schnee schlagen, der sich beim Umdrehen der Schüssel keinen einzigen Millimeter mehr bewegt. Den Schnee auf ein mit Backpapier belegtes Gitter in gewünschter Größe und Umfang formen und 1,5 Stunden (90 Minuten) trocknen. Im geschlossenen Backrohr auskühlen lassen. Schlagobers mit Vanillezucker steif schlagen, auf die ausgekühlte Baisermasse streichen und mit frischen Beeren, je nach Saison, belegen. Zum Beispiel mit  Himbeeren, Erdbeeren oder Heidelbeeren.  Man kann die Torte auch mit frischen Blüten bestreuen – etwa mit Flieder oder mit Gänseblümchen. Darüber kommt dann Staubzucker.

Tipp:  Die Baisermasse lässt sich super vorbereiten (sogar einen Tag vorher).