Neuer Figlmüller hat eröffnet

Lugeck
Foto: Lugeck Am 5.12. eröffnet das sechts Figlmüller-Lokal namens "Lugeck" in der Wiener Innenstadt.

Im Interview mit dem KURIER sprechen die beiden Figlmüller-Brüder über ihr sechstes Lokal namens "Lugeck".

Heute eröffnet das "Lugeck" – der sechste Streich der Wiener Gastronomenfamilie Figlmüller. Bis zur letzten Minuten machten es Hans und Thomas Figlmüller spannend, ob sie diese Woche ihr neues Lokal überhaupt noch eröffnen dürfen. Die Genehmigung kam tatsächlich erst am Freitagnachmittag. Die Optik: Warme Farben, Resopal und Emaille.

Figlmüller Foto: KURIER/Jeff Mangione KURIER: Kochen Sie eigentlich selber?
Thomas Figlmüller:
Durchaus, aber nicht sehr viel. Mein Bruder hat eher zwei linke Hände beim Kochen. Was ich recht gut kann, ist Abschmecken. Gute österreichische Küche gibt es bei mir weniger zu Hause, weil diese gar nicht so einfach ist. Ich koche eher schnelle Gerichte.

War es für Sie beide mit 18 klar, dass Sie ins Unternehmen einsteigen?
Thomas: Nein, überhaupt nicht. Unser Vater hat uns die Freiheit gegeben selber zu wählen. Er hat nie gesagt, dass wir in die Firma einsteigen müssen. Das Wichtigste war ihm, dass wir die Schule beenden und studieren, weil er durch den frühen Einstieg in den Betrieb nicht die Zeit hatte, sein Studium zu beenden. Obwohl zu Hause das Geschäft nicht Thema Nummer eins war, mussten wir in jungen Jahren bei Not am Mann im Betrieb schon mithelfen. Vor 12 Jahren sind wir ins Geschäft eingestiegen.

Figlmüller Foto: KURIER/Jeff Mangione Von null auf hundert?
Thomas: Ja, kann man so sagen. Der Vater hat alles zu hundert Prozent selber gemacht – wir haben gesagt, das wollen wir nicht. Wir haben uns ein Team aufgebaut und Aufgaben delegiert.
Hans Figlmüller: Es gibt in Österreich nicht viele Gastro-Unternehmen, die größer sind als wir. Als ich 23 war, hat mich der Vater in einen Wifi-Kurs zu einem guten Unternehmensberater geschickt. Der Kurs war echt cool und fand in verschiedenen Städten in Europa statt. Am Abend haben wir tolle Betriebe besucht und mit Unternehmern Gespräche geführt. Damals hab ich erstmals gesehen, dass man ein Unternehmen auch anders führen kann. Heute fragen wir ihn oft nach seiner Sichtweise, obwohl wir immer wieder anderer Meinung sind. Es war aber nicht immer so harmonisch: Am liebsten hätte er im Joma und im Figls ein klassisches Figlmüller-Lokal gehabt. Und mittlerweile findet er unseren Ansatz gut, dass wir die Marke breiter aufstellen und nicht überall große Schnitzel anbieten.

Figlmüller Foto: KURIER/Jeff Mangione Wie kam dann die Idee, am Lugeck ein neues Lokal zu eröffnen?
Hans: Unsere Großmutter wollte schon hier ein Lokal haben. Auch kann ich mich gut daran erinnern, wie ich als Schüler an dem eleganten Frauen-Kleidergeschäft vorbei gegangen bin und von der Lage beeindruckt war. Wüstenrot, der Eigentümer der Immobilie, war mit dem Betrieb der Buddha-Bar (Anm: Seit Ende 2011 stand das Lokal leer) und deren Eigentümer-Verhältnissen rund um den Assad-Clan nicht zufrieden (Anm: Die Presse berichtete 2012 über Spray-Aktionen Oppositioneller). Daraufhin haben wir uns um das Lokal bemüht und mit unserem Konzept gewonnen.
Thomas: Wir haben den Standort vor zwei Jahren übernommen, haben aber durch einen Architekten-Wechsel ein bisschen Zeit verloren. Die Planungen mit dem Architekten Eichinger haben vor einem Jahr begonnen, er hat für uns auch das Joma 'gezeichnet'. (Lesen Sie das Interview unter der Bildergalerie weiter.)

Hans und Thomas Figlmüller wollten ein schlichtes Wirtshaus. Sie entschieden sich für Holzvertäfelung und ... ... Tische aus Resopal. Die Vertäfelung bei der Wendeltreppe besteht aus Emaille. Typische Wirtshaustische wie in den 60ern.

Sie werben für das "Lugeck" mit dem Slogan "Die Wirtshauskultur ist zurück" – gibt es die Wirtshausküche in Wien denn gar nicht mehr?
Hans: Oh ja, aber nicht in dieser modernen Dimension und in so prominenter Lage im 1. Bezirk. Wir wollten das Lokal ziemlich schlicht halten und an die Wirtshaus-Optik früherer Jahrzehnte anschließen: Tische mit Resopal-Oberfläche, Linoleum und Holz- und Emaille-Wandverkleidungen. Es gibt natürlich am Land viel geschmücktere Wirtshäuser, aber wir wollten für ein städtisches Wirtshaus wie das "Lugeck" eine straightere Linie.
Thomas: Figlmüller ist im Herzen ein Ur-Wirtshaus, aber wir wollten eine urbane Neuinterpretation.

Wie spiegelt sich das in der Speiesekarte wider?
Hans: Die klassischen Wiener Speisen lassen wir so, wie sie sind.
Thomas: Um eine Abgrenzung zu haben, gibt es kein klassisches Figlmüller-Schnitzel. Wir haben für einen modernen Touch eine gesunde Rubrik mit Salaten und Feuerflecken mit kreativen Zutaten wie Blutwurst.
Hans: Wir möchten die klassischen Gerichte ideenreich an die Tische bringen und bunt präsentieren. Und neben den Klassikern wie Krautfleckerl, Gulasch oder Schweinsbraten bieten wir eben auch kleine, leichtere Gerichte an.

Stichwort Blunzen: Lassen Sie "from nose to tail" einfließen? Sind Innereien ein Thema?
Hans: Ein paar Innereien stehen auf der Karte, aber nichts Außergewöhnliches.

"Ich glaube niemandem, wenn er sagt, er verwendet nur Bio-Produkte." Hans Figlmüller

Figlmüller Foto: KURIER/Jeff Mangione Ist Bio ein Thema?
Thomas: Ja, weil es den Zeitgeist widerspiegelt.
Hans: Uns ist aber Regionalität wichtiger als Bio. Das Problem ist: Wenn ich ein echtes Bio-Hendl haben will, können wir uns das alle nicht leisten, weil es das Fünffache kostet. Auch ein Bio-Schwein würde der Gast nicht zahlen. Abseits der gehobenen Haubenküche glaube ich niemandem, wenn er sagt, er verwendet nur Bio-Produkte.
Thomas: Jetzt im Winter wird es mit Gemüse aus Wien und Niederösterreich schwierig, wir arbeiten aber ab dem Frühjahr mit einer Wiener Gärtnerei zusammen, damit wir wirklich regionales Gemüse anbieten können.
Hans: Wir lassen auch ein eigenes Bio-Kracherl produzieren. Und man schmeckt wirklich heraus, was drinnen steckt.
Thomas: Wir haben ein Zitronen-Kracherl, ein Himbeer-Rhabarber-Kracherl und zwei spezielle Sorten kreiert.

Craft-Bier ist derzeit in Wien ein Riesenthema.
Thomas: Spielt auch im "Lugeck" eine Rolle, wir haben 25 Craft Beers auf der Karte stehen: Gusswerk ist mit fünf Sorten vertreten. Wir haben seit Juni im Figls eine eigene Craft Beer-Karte und sind sehr happy darüber, dass sie gut angenommen wird.
Hans: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es darauf ankommt, wie man das neue Angebot pusht: Wir präsentieren die Craft Beers deswegen auf einer separaten Karte.
Thomas: Wir bieten auch Natural Wines an, wobei es hier eine große geschmackliche Bandbreite gibt. Auf die ganz speziellen Natural Wines verzichten wir zwar, aber wir haben auch einen Amphorenwein auf der Karte stehen. Meine Ehefrau Fiona, eine ausgebildete Sommelière, hat die Weinkarte gestaltet.

Und Sie haben die Karte rauf und runter getrunken?
Hans: Natürlich!
Thomas: Die Wein-Geschichte war recht lustig: Mehr als die Hälfte habe ich an einem Tag durchgekostet.

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(Kurier) Erstellt am