Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber: "Wer bewusst mit allen Sinnen genießt, freut sich nicht nur über den Genuss, sondern zügelt zugleich die Portionsgröße."

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Verhalten
07/18/2015

Genuss stärkt das Immunsystem

Genießer haben geringeres Körpergewicht, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber.

von Ingrid Teufl

Richtig essen bedeutet mehr, als die optimale Versorgung mit Nährstoffen und damit die Gesundheit zu erhalten. "Seit einigen Jahren beginnt die Wissenschaft aber auch, Genuss als wichtigen gesundheitlichen Faktor zu sehen", sagt Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber von der Plattform forum.ernährung.heute.

Forscher haben etwa festgestellt, dass bei genussvollen Erlebnissen jene Verbindungen stimuliert werden, die Belohnungs- und Motivationsareale stärken. Genuss könnte sogar als Stresspuffer wirken. Offenbar werden beim Genießen auch Neurotransmitter wie die Gamma-Aminobuttersäure (GABA) freigesetzt.

Die Folgen davon sind der Gesundheit durchaus zuträglich, schreibt Gruber in ihrem aktuellen Buch "Mut zum Genuss". Dadurch können Freude und Zufriedenheit offenbar intensiver erlebt werden. "Je mehr wir genießen können, desto mehr steigern sich Wohlbefinden, Abwehrkräfte und Leistungsfähigkeit."

Rahmenbedingungen

Allerdings funktioniert das nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – sprich: wenn man sich bewusst etwas Gutes tut. Die beste Schokolade oder das frischeste Brot haben keine Chance, wenn sie beim Autofahren oder beim Mail-Checken verspeist werden. "Das Gehirn speichert den Konsum nicht als Genuss ab. Dann bleibt auch die entspannende Wirkung aus."

Das Essverhalten von Genießern wirkt sich offenbar sogar positiv auf das Körpergewicht aus. Das "Österreichische Genussbarometer" zeigte, dass 47 Prozent der Genießer normalgewichtig sind. Bei den Genussunfähigen sind es nur 38 Prozent. Und Gruber hat noch einen positiven Effekt ausgemacht: "Wer bewusst mit allen Sinnen genießt, freut sich nicht nur über den Genuss, sondern zügelt zugleich die Portionsgröße."

Buchtipp: Marlies Gruber, Mut zum Genuss. Warum uns das gute Leben gesund und glücklich macht. Verlag edition a, 19,95 €

Genießen kann das Essverhalten verändern

Unter dem Namen "Euthyme Therapie" ist das Genusstraining mittlerweile ein fixer Bestandteil von Verhaltenstherapien. Der Begriff kommt aus dem Griechischen: "eu" – gut, "thym" – Seele, Gemüt. Die Idee dahinter: "Die Erlaubnis zum Genuss und der Genussaspekt an sich verändern das Essverhalten", sagt Marlies Gruber. Auch ohne Therapie-Hintergrund lohnt es, ein bisschen an der eigenen Genussfähigkeit zu arbeiten.

"Genießen ist eine Gabe, lässt sich lernen und ist definitiv eine Lebenshaltung." Wie man das schafft, hat Gruber aus vielen Empfehlungen in vier Hauptaspekte gegliedert.

  1. Selbstfürsorge: "Sie ist ein zentraler Baustein für das sprichwörtliche gute Leben." Denn nur, wer gut mit sich selbst umgeht, versteht auch zu genießen. Wichtig ist allerdings zu wissen, was einem guttut.
  2. Zeitsouveränität: Sich Zeit zum Genießen zu nehmen, ist ein wesentlicher Faktor. "Unter Stress funktioniert es einfach nicht", betont Gruber. Wenn man sich aber bewusst Zeit fürs Genießen nimmt, kann auch Essen und Trinken zu einer positiven Zeit-Bilanz und einem erfüllten Tag beitragen.
  3. Achtsamkeit für die Sinne: Sinnliche Erfahrungen stehen im Mittelpunkt genussvollen Verhaltens. Und es lohnt sich, sie in der Hektik des Alltags wiederzuentdecken: Wie riechen bestimmte Lebensmittel? Wie fühlt sich ihre Oberfläche an?
  4. Gutes Gewissen: Studien zeigen: Je stärker die Genussfähigkeit ausgeprägt ist, desto weniger ist der Konsum von Lebensmitteln mit schlechtem Gewissen verbunden. "Das hat den Vorteil, dass psychologische und physiologische Stressreaktionen ausbleiben", sagt Gruber. Sie hält nichts von der "Dämonisierung einzelner Produkte". Für die Ernährungswissenschaftlerin kommt es schließlich nicht auf "gute" oder "böse" Lebensmittel an, sondern auf langfristige Essgewohnheiten – und einen aktiven Lebensstil.
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