Genuss 05.12.2011

Kitzbühel ohne Weißwurst: Wirtshäuser und Hütten

Kitzbühel ohne Weißwurst: Wirtshäuser und Hütten © Bild: LeicaRabl

Teil 2 unserer Serie über die Gamsstadt: Wo gibt es Knödel, Kraut und Krapfen? Und einen guten Schnaps danach? - fragte sich Alexander Rabl.

Auf ein Bier

Die Weißwurstparty trägt nicht gerade zum guten Ruf der Wurst bei. Zu viele Menschen, die man eigentlich nicht treffen möchte. Doch was kann die Wurst dafür? Das Huberbräu serviert mitten in der Stadt köstliche Frankfurter mit Gulaschsaft, kein schlechter Imbiss, wenn man nach dem Hahnenkamm oder auch beim Einkauf bei Moncler, Habsburg und Louis Vitton etwas exhaustet ist. Das Bier des Huberbräu Stüberl (einer von zwei lobenswerten Brauereien in Tirol) schmeckt wunderbar, ganz anders als das fade Zeug, das man uns in Ostösterreich als Bier verkaufen will. Das Huberbräu: eine nicht unsympathische Antithese zur Haubengastronomie. Und es gibt viel mehr als nur Würstel mit Saft.

Auf und ab im Rehkitz

Wie jeder Japaner weiß: Mit Stäbchen tut man sich beim Knödelessen schwer.
© Bild: LeicaRabl

Kitzbühels beste Wirtshäuser finden sich etwas außerhalb der Stadt. So wie das Rehkitz auf dem Weg zur Bichlalm und zur berühmten Sonnbergstubenrosi. Das Rehkitz wirkt beim Betreten wie eine Außenstelle Münchner Innenarchitekten, doch es hat Witz und Charme. Am schönsten ist es wohl mittags, wenn man schon im Winter die Sonne genießen kann. Doch die engen Stuben haben Fenster und damit ist der Erstickungstod schon einmal vorerst abgewendet. Was die Küche betrifft, so ist der Unterschied zwischen den Tagen, wo gut gekocht wird, und denen, wo es weniger passt, ungefähr so groß wie der zwischen einer Abfahrt auf der Streif und einem Spaziergang um den Schwarzsee. Dieser Eindruck pflanzt sich auch beim Gespräch mit dem Service fort.

Kultknödel im Bärenbichl

Wie jeder Japaner weiß: Mit Stäbchen tut man sich beim Knödelessen schwer.
© Bild: LeicaRabl

Etwas höher ist der Standard und auch die Lage beim Bärenbichl, dem Kultlokal für Speckknödel, Kasspätzle, den gepflegten Sonntagsbraten und den Schwarzbeerschmarrn. Hausmannskost vom Besten, wie man sie den Gästen gerne selbst zubereiten würde, wenn man es könnte. Eine Nudelsuppe mit Gemüse und Rindfleisch erwärmt den Magen, vor allem aber das Herz mehr als die beste Hummerschaumsuppe. Die Berge schauen hier nicht nur beim Fenster herein, sie liegen auch am Teller in Form von stattlichen Portionen, riesenhaften Salaten, mächtigen Beilagen und herrlichen Buttersaucen. Wenn wir nun nicht aus dem Kader des ÖSV kommen und vor dem Essen ein paar tausend Höhenkilometer zurückgelegt haben, brauchen wir nach einem Essen im Bärenbichl erst recht einen Schnaps. Wie bekömmlich ist es da, dass der Hausherr auch Schnapps brennt und gar nicht einmal schlechten.

Champagner auf der Hütte

Wie jeder Japaner weiß: Mit Stäbchen tut man sich beim Knödelessen schwer.
© Bild: LeicaRabl

Das beste Essen über tausend Metern, soll Witzigmann gesagt haben. Steht auf der Homepage des Berggasthofs Sonnbühel. Doch Eckart Witzigmann kann sich an ein solches Statement nicht erinnern. Auf der Alm nimmt man es mit dem Zitieren vielleicht nicht so genau. Hauptsache, sagt sich auch der Gast, dass das Essen stimmt. Touri-Abspeisung hat in der Sonnbühel jedenfalls Hausverbot. Dafür gibt es herrliche Schinkenspätzle, gegrillte Würstel mit vorzüglichen Kraut (echt), ein gutes Schnitzel und einen Kaiserschmarrn, der wunderbar aussieht, aber trotz mehrmaliger Bitten nicht an unserem Tisch durch die Zielgerade fährt. Wer zu Fuß unterwegs ist, wirft einen Blick in die Weinkarte.

Aussteiger in Jochberg

Wie jeder Japaner weiß: Mit Stäbchen tut man sich beim Knödelessen schwer.
© Bild: LeicaRabl

Je weiter man sich von der Kitzbüheler Innenstadt enfernt, desto günstiger wird das Essen. Und nicht unbedingt schlechter. Andreas Wahrstätter hat seine Hauben an den Haken gehängt und kocht jetzt Wirtshausküche im Schwarzen Adler in Jochberg, einem aufwändig renovierten alten Gebäude mit allerlei Erkern, Gewölben und pittoresken Speisezimmern im ersten Stock. Wahrstätter macht Kaspresknödelsuppen, Sulzen, Steaks und seine Saucen verraten, dass der Mann am Herd sich auskennt mit der guten Küche. Ein Geheimtipp? Leider nicht mehr. Was eine Reservierung in der Saison unumgänlich macht.

Wie jeder Japaner weiß: Mit Stäbchen tut man sich beim Knödelessen schwer.
© Bild: LeicaRabl

Kann sein, dass jemand nach all den buttrigen Schlutzkrapfen, den Speckknödeln in der klaren Suppe und den Kaiserschmarren Appetit auf Abwechslung kriegt. Dann kehrt er vielleicht im FirstLobster ein, einem irgendwie skurillen Lokal mit allerlei maritimen Devotionalien an den Wänden und gut gelauntem Service. Hier gibt es pralle Jumboprawns, Steaks und - wie der Name schon sagt - Main Lobster in verschiedenen Zubereitungsarten. Nach einem Riesending von Hummer mit Butter und Baguette braucht man nur noch wenig. Doch: ein Schokofondue. Einmal ehrlich: wann hatten Sie das zuletzt?

Empfehlenswerte Adressen

Wirtshaus zum Rehkitz, Am Rehbühel 30, Tel.: 05356 66122 Bärenbichlstube, 6373 Jochberg, Bärenbichlweg 35, Tel.: 05355 5357 Schwarzer Adler, 6373 Jochberg, Dorf 13, Tel.: 05355 5215 Huberbräu Stüberl, Vorderstadt 18, Tel.: 05356 65677 Berggasthof Sonnbühel, Hahnenkamm 11, Tel.: +43 (664) 4040133 1st Lobster, Gries 6, Tel.: 05356 66698

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011