Genuss
31.10.2017

Warum wir morgen einen Striezel verschenken

Der geflochtene Zopf aus hellem Germteig wird traditionell in einigen Regionen Österreichs zu Allerheiligen verschenkt.

Es ist ein altes Brauchtum, das aber in vielen – vor allem ländlichen – Regionen Österreichs noch immer gelebt wird: Zu Allerheiligen werden die traditionellen "Allerheiligen-Striezel" verschenkt. Meistens sind die Tauf- oder Firmpatinnen die Spenderinnen, die ihre Patenkinder mit einem Striezel aus Briocheteig, der mit Hagelzucker bestreut ist, versorgen.

Heute gibt es geflochtene Brioche-Striezel zwar das ganze Jahr über, doch viele regionale Bäcker backen jetzt spezielle Striezel für ihre Kundschaft. Früher galt dieses Gebildbrot aus hellem Germteig durchaus als etwas Besonderes, denn nur zu besonderen Anlässen wurde mit Weißmehl gebacken. Dazu kommt die alte Tradition, Arme zu Allerheiligen mit Brot zu beschenken. Dahinter steckt der Volksglaube, dass in der Woche von Allerheiligen und Allerseelen die "Armen Seelen", die im Fegefeuer ausharren, für kurze Zeit auf die Erde zurückkehren. Stellvertretend beschenkt man jene Lebenden, denen es schlechter als einem selbst geht.

Auch dass es sich um geflochtene Striezel handelt, hat eine Bedeutung: Der Zopf war jahrhundertelang als Opfergabe weitverbreitet. "In Flechtgebäcke wie den Allerheiligen-Striezel werden Glücks- und Segenswünsche miteingeflochten", erklärt Maria Pein, Viezepräsidentin der Landeslandwirtschaftskammer Steiermark.

Striezel-Bewerb unter steirischen Bäuerinnen

Auch ohne mythologische Bedeutung: In der Steiermark wird alljährlich einen Bewerb unter Bäuerinnen veranstaltet, bei dem die besten Striezel prämiert werden. Bewertet werden unter anderem Geschmack und Flechtkunst, insgesamt wird nach 80 Kriterien bewertet. "Jede Bäuerin hat ihr individuelles Rezept und sie sind sehr kreativ", sagt Pein. Die ausgezeichneten Striezel umwickeln die Bäuerinnen mit einer Schleife, erhältlich sind sie in Ab Hof-Betrieben, auf Bauernmärkten oder in Hofläden.