Honig aus der Stadt ist so rein wie aus anderen Regionen.

© /Steigenberger

Stadt-Imker
09/19/2014

Honig in the City

Die Vielfalt der Wiener Vegetation bietet Bienen ein unaufhörlich blühendes Schlaraffenland. Und das schmeckt man.

von Ingrid Teufl

Mit diesem Wohnort samt Ausblick über halb Wien können höchstens die Nachbarn im ersten Wiener "Hochhaus" nebenan mithalten. Interessieren wird das die drei Bienenvölker, die das zweite Jahr hier oben am Dach des Steigenberger Hotels Herrenhof in der Wiener Innenstadt residieren, vermutlich eher weniger. Für sie zählt die Qualität des Blütennektars in ihrem Einzugsgebiet. Es verläuft zwischen Burggarten, Rathauspark und Augarten und ist durchaus als exquisit zu bezeichnen.

Verantwortlich dafür ist die spezielle Stadt-Flora, die sich durch eine große Baum-Vielfalt auszeichnet. Dieser Baumhonig unterscheidet sich von Wiesenhonig wie etwa Sonnenblumen oder Raps. "In der Stadt blüht immer etwas anderes – vom Spitzahorn im Frühling bis zum japanischen Schnurbaum, der erst sehr spät im Jahr dran ist", sagt Imker Alfred Hauska. Zu verdanken ist das u. a. den Habsburgern, die immer wieder seltene Bäume pflanzen ließen.

Von der Pflanzenvielfalt profitiert der Stadthonig bis heute. Zitronengelb die Farbe, dazu ein frischer, leicht exotischer Geschmack und ein Geruch "wie eine frisch gemähte Wiese", sagt Hauska. 120 Kilogramm wanderten heuer aus den drei Stöcken in die Honigtöpfe des Hotels. General Managerin Elisabeth Perwanger: "Wir wollten den Gästen ein besonderes Produkt bieten, hinter dem wir zu 100 Prozent stehen." Dafür steigt Hauska mit seinem Schwiegersohn Michael Drachsler zwischen Frühling und Herbst in 14-tägigen Abständen auf das hohe Hotel-Dach. "Für die Bienen ist es ein idealer Standort. Sie können wunderbar ausschwärmen." Und auch Hauska selbst schwärmt hier, aber vom Ausblick. "Das ist mein schönster Arbeitsplatz, wo sonst sieht man schon den Stephansdom von oben." Die meisten ihrer insgesamt 50 Bienenvölker der in Ostösterreich heimischen Rasse "Apis mellifera carnica" (in Wien darf nur diese Art genutzt werden, Anm.) sind im 22. Bezirk, der Lobau oder im Marchfeld untergebracht. Drei seiner Stöcke stehen allerdings auch im Arkadenhof des Rathauses.

Unbekannter Stadt-Honig

Honig aus der Stadt ist relativ unbekannt. Für Elisa Wanzenböck bietet die Pflanzenvielfalt der Stadt sogar Vorteile für die Bienen. "Sie nehmen durch die Abwechslung mehr Mineralien und ätherische Öle auf und sind dadurch sogar gesünder." 2009 hat sie mit Christoph Windinger die Imkerei entdeckt. Die beiden 26-jährigen BOKU-Studenten kauften sich 2009 nach einer Bienenkunde-Vorlesung drei Bienenvölker. "Es war gar nicht so einfach, einen Platz zu finden." Gelungen ist das schließlich bei einem Heurigenwirt in Neustift/Walde.

Aber wie schaut’s mit Umweltgiften und Abgasen im städtischen Honig aus? Hotel-Imker Alfred Hauska hat schon mit der Frage gerechnet. "Das befürchten viele. Aber der Stadthonig ist genauso rein wie andere. Für ihren Wintervorrat sammeln die Bienen auch hier nur den besten Nektar."

Aus 50.000 bis 70.000 Bienen besteht ein Bienevolk. Drei davon leben am Dach des Hotels Steigenberger Herrenhof. Imker
Alfred Hauska (mit Managerin Elisabeth Perwanger) entnimmt drei bis vier Mal pro Jahr den Honig aus den Stöcken. Als Ersatz erhält ein Bienenvolk Zuckerwasser (ca. 15 kg Zucker) zum Überwintern.

Die Zahl der Bienenvölker ist in Österreich rückläufig – am Land wie in der Stadt. Doch gerade im städtischen Bereich stieg in den vergangenen Jahren das Interesse an der Imkerei wieder. „Bei den Grundkursen (Imkerschule-Infos hier) gibt es großen Zulauf“, weiß Imker Alfred Hauska aus Wien-Donaustadt. Doch die zeitintensive Arbeit mit den Bienen tun sich letztendlich wenige an.
Im Gegensatz dazu finden sich in der Bundeshauptstadt immer öfter Bienenstöcke, etwa auf öffentlichen Gebäuden wie Rathaus, Staatsoper oder Naturhistorischem Museum. Bei Hotels (neben dem Steigenberger etwa Intercontinental) steht im Vordergrund, den Gästen eigene Produkte zu bieten.

Wer lieber Stadthonig isst, als selbst zum Imker zu werden, wird in Geschäften wie „Wald & Wiese“ (u.a. 7., Neubaug. 26) oder Webshops fündig. Die beiden BOKU-Studenten und Jungimker Elisa Wanzenböck und Christoph Windinger vertreiben ihre Produkte unter www.wiener-honig.at. Auch die Imker-Initiative „Stadtimker“, die dem Bienensterben in der Stadt entgegenwirken wollen, setzt aufs Internet.

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