Genuss
21.02.2018

Formfleisch: Was in unseren Chicken Nuggets steckt

Die Tester kauften tiefgekühlte Hühner-Nuggets aus Supermärkten, Diskontern und in einem Bio-Markt: Mit Fipronil war keine Marke belastet.

Nicht nur Kinder mögen die handlichen Chicken-Nuggets – auch Eltern schätzen die zeitsparende Mahlzeit. Freilich würde es nur unwesentlich länger dauern, wenn man Hühnerfilets klein schneiden und panieren würde. Konsumentenschützer wollten jetzt wissen, was tatsächlich unter der Panier in fertigen Nuggets steckt: Der VKI, die Umweltorganisation Global 2000 und die Menschenrechtsorganisation Südwind testeten das Convenience Food vor allem auf Herkunft, Tierhaltung und Fleischverarbeitung.

Prinzipiell können Hühner-Nuggets aus kleinen Fleischstücken oder aus Formfleisch hergestellt werden. Für in Österreich hergestelltes Formfleisch gelten die Bestimmungen des Österreichischen Lebensmittelbuches: Die Masse besteht aus geschnittenem Muskelfleisch und dem natürlichen Anteil an Geflügelhaut. Für die Zubereitung werden etwa haselnussgroße Fleischstücke mit Kochsalz versetzt, gewürzt, mechanisch bearbeitet und in Form gepresst. Nach EU-Recht muss in der Zutatenliste "aus Fleischstücken zusammenfügt" stehen, nach dem Österreichischen Lebensmittelbuch braucht es die Angabe "aus kleinen Fleischstücken zusammengesetzt" oder einen sinnentsprechenden Hinweis.

Nur zwei Marken setzen auf Fleisch aus Österreich

Drei Produkte (Jeden Tag, Spar, Gutknecht) bestanden überwiegend aus Skelettmuskulatur, ihre Fleischqualität wurde daher mit "sehr gut" beurteilt. Produkte mit überwiegend feinporiger Struktur – das Fleisch so stark zerkleinert wurde, dass ein Muskel nicht mehr zu erkennen war – sowie mit einer Kennzeichnung, in der nicht deutlich auf die starke Zerkleinerung hingewiesen wurde, werteten bewerteten die Konsumentenschützer bei der "Fleischqualität" mit "weniger zufriedenstellend": Das betraf die Chicken Nuggets von Hofer, die Marke clever von Billa und Merkur, die Marke s-Budget von Interspar und Iglo bei Billa und Merkur.

Fleisch aus österreichischen Betrieben wurde nur für die Nuggets von Spar und Hubers verwendet. Die Angaben der Hersteller über die Herkunft des Fleisches konnten die Tester mit einer Isotopenanalyse bestätigen. Das Fleisch wurde auch auf Fipronil, einem Schädlingsbekämpfungsmittel, das oft in Hühnerställen eingesetzt wird, untersucht. Allerdings konnte dieses in keinem Produkt nachgewiesen werden. In der Gesamtwertung siegten Spar und Jeden Tag.

Anders als beim VKI-Test im Jahr 2011 wurde diesmal kein Geflügel aus Brasilien, dem weltweit bedeutendste Geflügelexporteur, gefunden. Bei verarbeiteten Fleischprodukten fehlt derzeit eine gesetzlich vorgeschriebene Herkunftskennzeichnung. VKI, Global 2000 und Südwind fordern mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für die Konsumenten: "Denn nicht jeder Konsument kann zuerst eine teure Isotopenanalyse machen, wie wir sie hier durchgeführt haben", sagt Stefan Grasgruber-Kerl von Südwind.

Im Geschmackstest schnitt die Bio-Marke schlecht ab

Wie sah es mit dem Nährwert aus? Bei der Bewertung nach dem britischen Ampelsystem liegt der Fett- und Salzgehalt der meisten Produkte im mittleren Bereich. Nur bei den Hühner-Nuggets von Jeden Tag, dem Produkt mit dem geringsten Panadeanteil, ist der Fettgehalt im grünen Bereich. Bei Gutknecht Hähnchen Nuggets dagegen hatte der Hersteller ordentlich ins Salzfass gegriffen, hier steht die Ampel auf Rot.

Beim Geschmackstest waren sich die Tester einig, dass Nuggets aus der Pfanne besser schmeckten als aus dem Ofen. Am besten schnitten die Nuggets von S-Budget, Iglo, Spar, Jeden Tag sowie die beiden Produkte von Hofer ab. Ausgerechnet das einzige Bio-Produkt, Le Picoreur, stürzte bei der Verkostung ab.

Nuggets mit unterschiedlichen Rezepturen in einem Sackerl

Einen großen Unterschied gab es bei den Preisen: Umgerechnet auf ein Kilo betrug das Bio-Produkt rund 23 Euro. Für Nuggets aus konventioneller Landwirtschaft zahlten die Tester zwischen 3,98 Euro (Gutknecht Hähnchen Nuggets, Chicken Nuggets von Hofer) und 10,76 Euro pro Kilogramm (Spar, Hubers).

Und wer glaubt, dass sich Nuggets von der gleichen Marke nicht unterscheiden können, irrt gewaltig. Die Tester fanden heraus, dass die 750-Gramm-Packung von Hofer umgerechnet auf ein Kilo deutlich teurer (5,19 Euro) war als die 500-Gramm-Packung (3,98 Euro). Bei Hofer steckten zudem Nuggets mit unterschiedlichen Rezepturen im Sackerl und das Hühnerfleisch stammte auch aus zwei verschiedenen Ländern.

Tipp: Der vollständige Test erscheint in der März-Ausgabe des Magazins Konsument.