Genuss
15.04.2018

Folge dem Knofel in der Luft: Bärlauch im eigenen Garten

Bärlauch-Fans können das duftige Kraut auch im eigenen Garten oder im Blumentopf ziehen.

Vielen Menschen empfinden den Knoblauch- und Schwefelgeruch von Bärlauch als unangenehm: Das könnte ein Grund sein, warum wir Bärlauch aus unseren Gärten verbannt haben. Dass wir nämlich die aromatischen Blätter ausschließlich im Wald sammeln, muss gar nicht so sein.

Der Vewandte von Knoblauch und Zwiebeln gedeiht nämlich prächtig im Garten oder im Blumentopf. Der wilde Knoblauch ist ein Frostkeimer, der bereits im Herbst ausgesät werden muss – wer sich jetzt noch daran erfreuen will, greift auf Pflanzen aus dem Baumarkt zurück. Wildkräuter-Expertin Gerda Holzmann, deren Ratgeber "Gesunde Wildkräuter aus meinem Garten" soeben im Löwenzahn Verlag erschienen ist, dämpft jedoch ein wenig die Erwartungen von Hobbygärtnern: "Die Pflanze braucht reichlich feuchte, lehmige Erde und einen schattigen Platz: Es ist aber nicht so, dass die Blätter dann genauso teppichartig sprießen wie im Wald. Es braucht schon günstige Bedingungen und ein wenig Geduld. Haben sich die Pflanzen eingelebt, sind sie pflegeleicht." Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann dennoch den Bärlauch in einem Steinbeet auf seinen Platz verweisen. Wie kann es sein, dass der Bärlauch im eigenen Garten so in Vergessenheit geraten ist? "Das Sammeln von Wildkräutern und Früchten ist eine uralte Tradition: Wir haben das Bedürfnis in der Natur Kräuter selber zu sammeln, die wir später verkochen."

Giersch ist ein würdiger Ersatz

Alle Bärlauch-Hasser dürfen jetzt aufatmen – es gibt nämlich Ersatz, wer auf den Knofel-Geruch liebend gerne verzichtet. "Auch Giersch sprießt derzeit und hat die gleiche reinigende Wirkung: Einst half er Menschen nach dem Winter bei Übersäuerung und Gelenksproblemen. Das Wildkraut schmeckt überhaupt nicht nach Knoblauch, sondern nach Petersilie und Karotte, vergleichbar mit dem guten alten Suppengrün, das wir kennen."

Die Heilkräfte von Bärlauch, die Holzmann anspricht, beruhen auf Schwefelverbindungen im Lauchöl: Bereits die Alten Römer sollen auf seine antibakterielle Wirkung und seine positive Wirkweise auf Herz, Kreislauf, Magen und Darm gesetzt haben. "Generell gilt, dass Wildkräuter oft einen intensiveren Gehalt an Inhaltsstoffen und ätherischen Ölen haben, mit denen Kulturgemüse nicht mithalten kann." 50 Gramm der würzigen Blätter decken bereits unseren Tagesbedarf an Vitamin C. Wer nach der Ernte das wilde Kraut nicht gleich weiterverarbeiten will, kann die frischen Blätter in Öl (für Pesto) oder Essig haltbar machen. Übrigens sollten die Blätter gewaschen werden, da diese mit Fuchsbandwurm-Eiern verunreinigt sein könnten, die mit freiem Auge nicht erkennbar sind. Aber keine Angst: Bei Temperaturen um die 60 Grad werden die Eier abgetötet.